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Die Demografie im Blick

Die Tarifparteien der Chemie-Industrie haben sich geeinigt – nicht nur über reine Entgelterhöhungen. Das Tarifpaket beinhaltet auch Maßnahmen, mit denen die Branche dem Fachkräftemangel entgegenwirken will.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Tarifpaket beinhaltet auch Maßnahmen, mit denen die Branche dem Fachkräftemangel entgegenwirken will.
  • Zwischen 2000 und 2011 stiegen die Tarifverdienste um 31 Prozent und damit um rund 11 Prozentpunkte mehr als die Verbraucherpreise.
  • Im Sommer werden die Tarifentgelte um weitere 4,5 Prozent erhöht.
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Die Chemie-Industrie blickt auf eine Sozialpartnerschaft zurück, die seit mehr als 40 Jahren auf Kompromiss statt Konfrontation setzt. Der letzte Streik datiert aus dem Jahr 1971 – seitdem gab es auch keine Warnstreiks mehr. Geschadet hat das den etwa 550.000 Beschäftigten der Branche nicht – die Löhne waren real immer im Plus (Grafik).

Zwischen 2000 und 2011 stiegen die Tarifverdienste um 31 Prozent und damit um rund 11 Prozentpunkte mehr als die Verbraucherpreise.

Im Sommer werden die Tarifentgelte um weitere 4,5 Prozent erhöht. Außerdem verständigten sich die Tarifparteien darauf, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken – zum einen über längere Wochenarbeitszeiten, aber auch über eine längere effektive Lebensarbeitszeit.

Die wichtigsten Regelungen im Überblick:

  1. Entgelte: Nach einem „Nullmonat“ steigen die Entgelte je nach Region ab Juli, August oder September um 4,5 Prozent. Die Laufzeit beträgt 19 Monate. Der Auszahlungszeitpunkt kann um einen Monat vorgezogen, aber auch um zwei Monate verschoben werden. Der Betriebsrat muss dem allerdings zustimmen.
  2. Demografie-Korridor: Bereits seit 1992 sind zeitlich befristete Abweichungen von der Regel-Wochenarbeitszeit (37,5 Stunden) um bis zu 2,5 Stunden möglich. Ein neuer Korridor erlaubt nun, die Arbeitszeit aus demografischen Gründen zu flexibilisieren, etwa, wenn für ausscheidende Mitarbeiter nicht genügend Fachkräfte nachrücken. Beschäftigte können dann bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten. Die zusätzlichen Stunden werden grundsätzlich einem Zeitkonto gutgeschrieben. Trifft dies nur einzelne Arbeitnehmer(gruppen), müssen die Tarifparteien nicht extra zustimmen, die Zustimmung des Betriebsrats reicht. Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Um einzelne Beschäftigte zeitlich zu entlasten, kann die Wochenarbeitszeit um bis zu 2,5 Stunden reduziert werden.
  3. Demografie-Fonds: Der 2008 geschlossene Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ sah vor, dass die Arbeitgeber ab Januar 2010 pro Jahr und Tarifbeschäftigten einen Demografie-Betrag von 300 Euro in einen betrieblichen Demografie-Fonds einzahlen. Die Mittel konnten u.a. auf Langzeitkonten angespart werden. Die Arbeitgeber haben nun zugesagt, diesen Fonds in den Jahren 2013, 2014 und 2015 aufzustocken – um 200 Euro pro Jahr und Tarifbeschäftigten. Diese Mittel können ausschließlich für eine lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung eingesetzt werden.
  4. Neues Optionsmodell: Bislang wurden die Wochenarbeitszeiten für Vollzeitbeschäftigte ab 57 Jahren automatisch um 2,5 Stunden reduziert. Im Rahmen der lebensphasengerechten Arbeitszeitgestaltung können Betriebsrat und Geschäftsführung nun die Option schaffen, diesen Anspruch individuell umzuwandeln. Nun kann ein Mitarbeiter die Stunden einsetzen, um seine Arbeitszeit zu einem späteren Zeitpunkt um 20 Prozent zu verkürzen. Mithilfe der Fondsmittel wird – solange sie zur Verfügung stehen – das Entgelt in dieser „Vollzeit-80-Phase“ auf Vollzeitniveau aufgestockt. Den Unternehmen nützt diese innovative Regelung, weil die Gruppe der 55- bis 60-Jährigen künftig mehr Stunden arbeiten dürfte. Gleichzeitig verbessern sich für die über 60-Jährigen die Chancen, länger zu arbeiten.

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