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Die Chancen steigen

In der öffentlichen Diskussion hält sich hartnäckig das Vorurteil, das deutsche Bildungssystem werde immer ungerechter – mit Fakten lässt sich dieser vermeintliche Trend allerdings nicht belegen. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren hat sich die Chancengerechtigkeit verbessert.

Kernaussagen in Kürze:
  • In der öffentlichen Diskussion hält sich hartnäckig das Vorurteil, das deutsche Bildungssystem werde immer ungerechter.
  • Kinder aus benachteiligten Elternhäusern holen in den Schülerleistungstests wie PISA auf.
  • In Deutschland waren 2012 rund 8 Prozent der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos – im Jahr 2005 waren noch fast doppelt so viele ohne Job.
Zur detaillierten Fassung

Es gibt zahlreiche Mythen über die Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems: Es stiegen mehr Kinder im Vergleich zu ihren Eltern auf der Bildungsleiter ab als auf, für Kinder aus Nichtakademikerhaushalten sei es schwierig, ein Studium aufzunehmen, es werde schon früh entschieden, wer später studieren dürfe, oder eine gesuchte Fachkraft sei nur, wer studiert habe. Mit der Realität haben diese Aussagen wenig gemein:

  1. Infrastruktur. Für Kinder aus benachteiligten Haushalten ist es besonders wichtig, dass sie im Bildungssystem möglichst früh gefördert werden. Inzwischen zeigt der Ausbau der Kindergärten in den 1990er Jahren erste Früchte, denn die heutigen Jugendlichen haben häufiger einen Kindergarten besucht. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss haben, konnten in puncto Kindergartenbesuch zulegen.

Das Ergebnis: Kinder aus benachteiligten Elternhäusern holen in den Schülerleistungstests wie PISA auf. Und der Ausbau geht weiter: Seit 2005 hat der Staat mehr Krippenplätze – vor allem für unter Dreijährige – geschaffen und die Ganztagsschulen ausgebaut (Grafik).

  1. Berufseinstieg. Der Anteil der Schulabbrecher an allen Absolventen ist seit 2005 von gut 8 Prozent auf mittlerweile 6 Prozent gesunken. Auch der Übergang ins Berufsleben gelingt besser, denn das Angebot an Ausbildungsstellen ist deutlich gestiegen: Gemessen an der Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 20 Jahren ist die Zahl der Ausbildungsplätze von rund 59 Prozent im Jahr 2005 auf 71 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Dadurch ist die Jugendarbeitslosigkeit gesunken:

In Deutschland waren 2012 rund 
8 Prozent der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos – im Jahr 2005 waren noch fast doppelt so viele ohne Job.

Ebenfalls gesunken ist die Zahl der jungen Leute in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme, nämlich von rund 418.000 im Jahr 2005 auf gut 267.000 im vergangenen Jahr.

  1. Aufstiegschancen. Die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssys­tems ist besser denn je. Dabei spielt vor allem der Zugang zu einer Hochschule über berufliche Schulen eine wichtige Rolle. So erreichten im Jahr 2011 rund 182.000 Schüler ihre Studienberechtigung an beruflichen Schulen. Das waren rund 21 Prozent eines Altersjahrgangs – verglichen mit nur 16 Prozent im Jahr 2005.

Von den Kindern aus Nichtakademikerhaushalten studierten im Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2005 rund 19 Prozent – aktuell ist dieser Anteil auf knapp 22 Prozent gestiegen. Und auch junge Menschen ohne Hochschulabschluss sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

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