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Deutschland - Land ohne Kinder

Vor genau 50 Jahren feierte Deutschland einen ganz besonderen Rekord: Im Jahr 1964 wurden – wenn man das damals geteilte Land als Einheit betrachtet – fast 1,4 Millionen Kinder geboren. Inzwischen sind solche Zahlen Utopie: Seit den 1970er Jahren gehen die Geburtenzahlen fast ununterbrochen zurück – auf aktuell gerade einmal 670.000 pro Jahr. Das reicht bei weitem nicht, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, denn jedes Jahr sterben in Deutschland fast 900.000 Menschen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit den 1970er Jahren gehen die Geburtenzahlen fast ununterbrochen zurück – auf aktuell gerade einmal 670.000 pro Jahr.
  • Das reicht bei weitem nicht, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, denn jedes Jahr sterben in Deutschland fast 900.000 Menschen.
  • Genau genommen gibt es in der Europäischen Union kein einziges Land, das die „bestanderhaltende Geburtenziffer“ von 2,1 erreicht.
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Soll die Bevölkerungszahl langfristig konstant sein, muss jede Frau im Durchschnitt 2,1 Kinder bekommen – die 1 hinter dem Komma ist ein Korrekturfaktor und hat den Grund, dass erstens weniger Mädchen geboren werden als Jungen und zweitens nicht jedes Mädchen das gebärfähige Alter erreicht. Weil die deutsche Geburtenziffer aber seit den 1970er Jahren zwischen 1,3 und 1,4 liegt, ist jede Kindergeneration um rund ein Drittel kleiner als die Elterngeneration. Und weil so auch weniger Frauen ins gebärfähige Alter kommen, nimmt die Zahl der Geburten trotz konstanter Geburtenziffer immer weiter ab.

Wurde Anfang der 1990er Jahre noch weniger als jedes sechste Kind in Deutschland außerehelich geboren, war es 2012 bereits mehr als jedes Dritte. Dabei bestehen große Unterschiede zwischen Ost und West. Während in den westdeutschen Flächenländern 2012 weniger als 30 Prozent der Kinder außerhalb einer Ehe geboren wurden, war die Quote in Ostdeutschland gut doppelt so hoch.

Auch das ist eine Ursache für die demografische Entwicklung in Deutschland: Innerhalb von nur 20 Jahren hat sich das Durchschnittsalter der Mütter zum Zeitpunkt der Geburt ihrer Kinder um mehr als 2 Jahre auf fast 31 erhöht.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Anteil an Frauen, die kinderlos geblieben sind, stark gestiegen. Waren von den Geburtsjahrgängen 1937 bis 1942 rund 11 Prozent ohne Kinder, sind es von denen, die im Jahr 2013 zwischen 45 und 49 Jahre alt waren (Jahrgang 1963 bis 1967), schon fast 20 Prozent. Dabei gilt die Faustformel: Je höher der Bildungsstand der Frauen, desto eher verzichten sie auf Nachwuchs. Dass dieser Zusammenhang auch für die nach 1967 geborenen Frauen gilt, ist höchst wahrscheinlich – mit Sicherheit lässt es sich aber erst sagen, wenn diese Frauen aus dem gebärfähigen Alter heraus sind.

Auch wenn sich die demografische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat – manche Dinge sind noch immer so wie vor 60 oder 70 Jahren. So hat sich die durchschnittliche Kinderzahl je Mutter kaum verändert. Knapp die Hälfte hat nach wie vor zwei Kinder, rund ein Drittel ein Kind. Große Unterschiede tun sich erst auf, wenn das Bildungsniveau der Mütter berücksichtigt wird. Drei und mehr Kinder zum Beispiel sind – wenn überhaupt – bei Müttern mit niedrigem Bildungsstand rund doppelt so häufig anzutreffen wie bei hochqualifizierten Müttern. Dies ist Ausdruck des viel diskutierten Dilemmas: Kind oder Karriere?

Genau genommen gibt es in der Europäischen Union kein einziges Land, das die „bestanderhaltende Geburtenziffer“ von 2,1 erreicht. Allerdings kommen Irland, Frankreich, Großbritannien und Schweden diesem Wert sehr nahe, während einige süd- und osteuropäische Länder sogar noch niedrigere Geburtenziffern haben als Deutschland. Im EU-Durchschnitt liegt die Geburtenziffer bei 1,58.

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