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Europameister der Wiederverwertung

Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket soll in den Mitgliedsstaaten dafür sorgen, dass künftig weniger Müll produziert und mehr Abfälle recycelt werden. Deutschland ist mit seiner langen Recyclingtradition und seinen weltweit führenden Recyclingtechnologien gut darauf vorbereitet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nach Vorstellung der EU-Kommission sollen bis 2030 in allen EU-Ländern 65 Prozent des Siedlungsabfalls recycelt werden.
  • Dank seiner Recyclingtradition ist Deutschland in Europa Spitzenreiter beim Recycling von Siedlungsabfällen.
  • Für Staaten wie Rumänien, die Slowakei und Lettland ist Recycling nach wie vor ein Fremdwort.
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Die Europäische Union hat erkannt, dass bisherige Produktions- und Konsummuster überdacht werden müssen, um Müll zu vermeiden und durch den sparsamen Umgang mit Ressourcen das Klima zu schützen. Das im Dezember 2015 veröffentlichte EU-Kreislaufwirtschaftspaket soll dabei helfen.

Die Europäische Kommission setzt auf weniger Material und mehr wieder verwendbare Stoffe, dazu sollen die Abfallrichtlinien harmonisiert werden.

Konkret möchte Brüssel den gesamten Lebenszyklus eines Produkts stärker in den Blick nehmen. Zum einen soll schon beim Design darauf geachtet werden, dass möglichst wenig Material verbraucht wird. Zum anderen geht es darum, bestimmte Stoffe – wie Metalle, Glas und Papier – mehrmals zu verwenden. So kann man zum Beispiel die wertvollen Seltenen Erden, ohne die ein Smartphone nicht auskommt, recyceln und erneut verwenden.

Zudem will die Europäische Kommission sechs Abfallrichtlinien harmonisieren. Demnach sollen bis 2030 in allen EU-Ländern 65 Prozent des Siedlungsabfalls und 75 Prozent des Verpackungsabfalls recycelt sowie maximal 10 Prozent aller Abfälle deponiert werden.

Deutschland ist in Europa Spitzenreiter beim Recycling von Siedlungsabfällen.

Bis diese Ziele erreicht werden dürften, ist es aber noch ein langer Weg. Zwar wird in der EU inzwischen weniger Siedlungsabfall deponiert als vor zehn Jahren (-15 Prozent), mehr recycelt (+12 Prozent) und weniger verbrannt (-4 Prozent). Doch trotz dieser Fortschritte wird in 13 EU-Ländern immer noch mehr als die Hälfte des Haushaltsmülls einfach weggekippt. Nur sieben EU-Staaten haben Deponierquoten von weniger als 10 Prozent.

In Deutschland wird aufgrund des Deponieverbots der Haushaltsabfall entweder recycelt (64 Prozent) oder verbrannt (35 Prozent).

Bezogen auf alle Abfälle, also auch Bauschutt, wurden 2012 europaweit knapp 50 Prozent aller Abfälle deponiert und in Deutschland annähernd 20 Prozent.

Deutschland hat eine lange Recyclingtradition

Dank seiner Recyclingtradition ist Deutschland in Europa Spitzenreiter beim Recycling von Siedlungsabfällen (Grafik). Schon vor 20 Jahren wurden zwei Fünftel des deutschen Haushaltsmülls wiederverwertet. Weitere traditionelle Recyclingländer sind Österreich (56 Prozent) und Belgien (55 Prozent).

Andere Länder haben in den vergangenen Jahren immerhin erhebliche Anstrengungen unternommen, um mehr Abfälle zu recyceln. Dazu gehört vor allem Großbritannien, wo die Recyclingquote innerhalb von zehn Jahren um 17 Punkte zugenommen hat. Für Staaten wie Rumänien, die Slowakei und Lettland ist Recycling nach wie vor ein Fremdwort.

Nur wenige Länder befinden sich aktuell auf dem 65-Prozent-Zielpfad der EU (Grafik). Einige Länder wie Deutschland und Großbritannien könnten beim Recycling bis 2030 sogar etwas Tempo herausnehmen – und würden das Ziel trotzdem rechtzeitig erreichen. Die Mehrheit der Länder allerdings muss sich aber deutlich stärker ins Zeug legen als in den vergangenen zehn Jahren.

EU will die Recyclingquote neu definieren

Auch die Musterknaben müssten sich mehr anstrengen, wenn die EU Ernst macht mit einer Neudefinition der Recyclingquote. Die Kommission plant nämlich, den bislang vier verschiedenen Berechnungsmethoden ein Ende zu setzen. In Deutschland beispielsweise werden aktuell diejenigen Abfallmengen als recycelt gewertet, die in den Anlagen ankommen. Das wird vielfach als schönrechnen bezeichnet. Denn wichtig sei ja – so das Argument der Quotenkritiker –, was hinten als Rohstoff heraus kommt.

Künftig sollen deshalb nur noch jene Abfälle als recycelt betrachtet werden, die die Anlagen wieder als sogenannte Sekundärrohstoffe verlassen, also als Ausgangsstoffe für neue Produkte dienen.

Die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft schätzt, dass die aktuelle Recyclingquote beim Siedlungsabfall durch die neue Berechnung von 64 auf 40 bis 50 Prozent fällt.

Demnach würde auch Deutschland die 65-Prozent-Marke nicht mehr so locker erreichen – es sei denn, die Recyclingquote wächst bis 2030 jährlich um 0,9 bis 1,6 Prozentpunkte. Andere Länder müssten noch eine Schippe drauflegen.

Die deutsche Recyclingwirtschaft jedenfalls ist dank ihres Know-hows und ihrer Recyclingtechnologien in einer hervorragenden Ausgangsposition. Sie könnte anderen Ländern sogar dabei helfen, die Schlagzahl zu erhöhen. Noch aber ist nicht ausgemacht, ob die Recyclingquote tatsächlich neu definiert wird.

Jeder Deutsche produziert 618 Kilo Müll im Jahr

Pro Kopf gerechnet hat Deutschland das vierthöchste Hausmüll-Aufkommen in der Europäischen Union: 618 Kilogramm produzierte jeder Deutsche im Jahr 2014. Das sind 9 Prozent mehr als im Jahr 2005.

In den meisten anderen Ländern muss die Müllabfuhr weniger Siedlungsabfälle wegschaffen. Der EU-Durchschnitt liegt bei 475 Kilogramm – das sind 8 Prozent weniger als im Jahr 2005.

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