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Deutschland gut im Rennen

Dass die deutsche Wirtschaft den internationalen Konjunkturstürmen der vergangenen Jahre so gut getrotzt hat, ist kein Zufall: Deutschland hat eine starke Industrie, die wiederum von den hierzulande überdurchschnittlich günstigen Rahmenbedingungen profitiert. Den Beleg für diese hohe industrielle Standortqualität liefert eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutschland hat eine starke Industrie, die wiederum von den hierzulande überdurchschnittlich günstigen Rahmenbedingungen profitiert.
  • Jedoch ist generell in der Industrie eine ausreichende und stabile Versorgung mit Strom, sonstiger Energie und Rohstoffen vorrangig.
  • Im Ranking der industriellen Standortqualität belegt Deutschland unter 45 Ländern derzeit den fünften Platz – seit 1995 hat sich der Standort D damit um neun Ränge verbessert.
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Die Euro-Schuldenkrise hinterlässt inzwischen auch in Deutschland deutliche Spuren. Dennoch sieht es so aus, als ob die hiesige Konjunktur relativ robust bleibt (vgl. iwd 38/2012). Das ist nicht zuletzt auf die starke, exportorientierte Industrie zurückzuführen, die hierzulande unter relativ vorteilhaften Bedingungen produzieren und handeln kann. Dies geht aus einer Analyse hervor, in deren Rahmen das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Frühjahr 2012 mehr als 2.200 Unternehmen befragt hat (Kasten).

Die Ergebnisse dieser Umfrage machen zunächst deutlich, dass für Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes zum Teil ganz andere Standortfaktoren relevant sind als für die mit ihnen zusammenarbeitenden Dienstleister – also zum Beispiel Firmen aus der Logistikbranche, dem Bausektor oder der Unternehmensberatung (Grafik):

So sind beispielsweise gute Außenhandelsbedingungen – unter anderem niedrige Zölle und wenige Handelshemmnisse – für Industrieunternehmen wesentlich entscheidender als für Servicefirmen.

Auch kommt es für Industriebetriebe deutlich stärker darauf an, dass die Wertschöpfungskette „tief“ genug ist, sprich: dass zum Beispiel genügend leistungsfähige Zulieferer verfügbar sind.

Generell ist in der Industrie eine ausreichende und stabile Versorgung mit Strom, sonstiger Energie und Rohstoffen vorrangig – fast alle Unternehmen stufen diese Faktoren als nahezu unverzichtbar ein. In etwa ebenso bedeutsam ist der generelle Ordnungsrahmen – also eine hohe Rechtssicherheit, marktwirtschaftliche Grundregeln, wenig Korruption und faire Wettbewerbsbedingungen. Darüber hinaus haben auch die Verfügbarkeit von Fachkräften, eine gute Straßenverkehrs-Infrastruktur sowie flexible Arbeitszeiten für die Industrieunternehmen eine hohe Priorität.

Die deutschen Unternehmen wissen aber nicht nur genau, welche Standortbedingungen sie benötigen, sie finden den erforderlichen Rahmen hierzulande auch meistens vor. Jedenfalls sieht der vom IW Köln erstellte Index den Industriestandort Deutschland international ziemlich weit vorn (Grafik):

Im Ranking der industriellen Standortqualität belegt Deutschland unter 45 Ländern derzeit den fünften Platz – seit 1995 hat sich der Standort D damit um neun Ränge verbessert.

Zwar kann die Bundesrepublik mit dem Spitzenreiter USA noch nicht ganz mithalten – die Vereinigten Staaten punkten z. B. mit einer geringen Regulierungsdichte, einem riesigen Markt, wenig Bürokratie und niedrigen Produktionskosten.

Dennoch liegt die deutsche Standortqualität deutlich über dem internationalen Durchschnitt. Dies wird auch durch die Einschätzung der hiesigen Industrieunternehmen bestätigt. Sie geben vor allem der ausreichenden und stabilen Energie- und Rohstoffversorgung gute bis sehr gute Noten, ebenso der Rechtssicherheit und der marktwirtschaftlichen Ordnung. Weitere Pluspunkte sind unter anderem die Nähe zum Kunden, die starke Wissensinfrastruktur, der gut ausgebaute Luftverkehr und die leistungsfähigen Zulieferer.

Schlechte Bewertungen erhält der heimische Standort dagegen in erster Linie für die Kostensituation. Vor allem mit den vergleichsweise hohen Strom- und sonstigen Energiekosten sind viele Industriebetriebe unzufrieden – hier bekommt Deutschland im Schnitt lediglich die Note vier. Aber auch die finanzielle Belastung durch Steuern und die mit der Einhaltung von Umweltstandards verbundenen Kosten schlagen negativ zu Buche. Darüber hinaus zählen etwa der zu geringe Arbeitskräftenachwuchs sowie aufwendige Zulassungs- und Genehmigungsverfahren zu den Schwachpunkten in Sachen industrielle Standortqualität.

Die Messung der industriellen Standortqualität in DeutschlandStudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln in Zusammenarbeit mit der IW Consult GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie

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