Industrielle Standortqualität Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Deutschland auf gutem Kurs

Die Produktionsbedingungen für das Verarbeitende Gewerbe haben sich in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre besser entwickelt als im Durchschnitt wichtiger Konkurrenzländer. Einige Volkswirtschaften konnten ihre Standortqualität allerdings noch deutlich stärker steigern – wobei nicht etwa China, sondern die baltischen Staaten am meisten Tempo machten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Produktionsbedingungen für das Verarbeitende Gewerbe haben sich in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre besser entwickelt als im Durchschnitt wichtiger Konkurrenzländer.
  • Was die Dynamik der industriellen Standortqualität in den Jahren 1995 bis 2010 angeht, landet Deutschland auf Platz 18 von 45 Ländern.
  • In Estland, Lettland und Litauen hat sich die industrielle Standortqualität von 1995 bis 2010 am stärksten verbessert.
Zur detaillierten Fassung

Marode Straßen und Brücken und kräftig steigende Energiekosten: Die Debatte um den Standort Deutschland läuft gerade wieder auf Hochtouren. Bei allen Problemen sind die Rahmenbedingungen insgesamt aber keineswegs schlecht. Dies zeigt der Index, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zur Messung der industriellen Standortqualität entwickelt hat. Demnach erreicht Deutschland im Ranking für das Jahr 2010 – dies ist der aktuellste Stand – einen guten fünften Platz von 45 Industriestandorten (vgl. iwd 43/2012).

Zudem haben sich die Bedingungen in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre stärker verbessert als im Durchschnitt der Konkurrenz (Grafik):

Was die Dynamik der industriellen Standortqualität in den Jahren 1995 bis 2010 angeht, landet Deutschland auf Platz 18 von 45 Ländern.

Damit liegt der Standort D deutlich vor anderen etablierten Industrienationen wie Großbritannien oder den USA, die sich nur auf den Rängen 44 und 43 wiederfinden. Punkten konnte die Bundesrepublik unter anderem mit dem Abbau von Arbeitsmarkt- und Produktregulierungen, einer verbesserten Kommunikations-Infrastruktur und dem steigenden Bildungsniveau der Bevölkerung.

An der Spitze des Dynamik-Rankings stehen allerdings drei kleine und recht junge EU-Mitglieder:

In Estland, Lettland und Litauen hat sich die industrielle Standortqualität von 1995 bis 2010 am stärksten verbessert.

Dabei schnitten die drei baltischen Staaten fast in sämtlichen Teilbereichen des IW-Index überdurchschnittlich ab. In besonders hohem Maße profitierten sie von zunehmend effizient handelnden Regierungen, Verbesserungen in Sachen Wettbewerbsordnung, Rechtsprechung und Korruptionskontrolle sowie einem wirtschaftlicheren Einsatz von Energierohstoffen.

Im Niveauvergleich der Standortqualität erzielen die Balten zwar ein nicht ganz so gutes Ergebnis wie bei der Dynamik, können sich aber immerhin im hinteren Mittelfeld auf den Rängen 25, 29 und 33 platzieren. Damit befinden sie sich in prominenter Gesellschaft, schneidet China mit Platz 31 im Niveauvergleich doch ähnlich ab. Ein wenig überraschen mag es, dass das aufstrebende Reich der Mitte in Sachen Standortdynamik „nur“ Rang sieben belegt. Doch die Chinesen konnten eben nur in einigen Bereichen große Fortschritte erzielen – etwa bei den Produktionskosten sowie im Bildungsbereich. Dagegen kamen die Verbesserung des staatlichen Ordnungsrahmens sowie der Ausbau der Infrastruktur deutlich schleppender voran als in den meisten anderen Ländern.

Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.)Industrielle Standortqualität – Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?IW-Studien, Köln 2013, 240 Seiten, 29,80 EuroVersandkostenfreie Bestellung unter www.iwmedien.de/bookshop

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de