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Deutsche Wirtschaft bleibt auf dem Wachstumspfad

Die deutsche Wirtschaft legt derzeit stärker zu, als noch vor einigen Monaten erwartet wurde. Vor allem die dynamischere Weltwirtschaft verleiht den Unternehmen Rückenwind. Auch 2018 wird die Konjunktur der aktuellen IW-Prognose zufolge nur wenig an Schwung verlieren. Die Zahl der Beschäftigten dürfte dann einen neuen Höchststand erreichen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutschlands Konjunkturaussichten bleiben rosig: Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet für 2018 mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2 Prozent.
  • Auch die Unternehmen zeigten sich in der IW-Konjunkturumfrage zuversichtlich.
  • Lediglich der Bau leidet unter Kapazitätsengpässen – und der Konsum wird durch die steigenden Energiekosten beeinträchtigt.
Zur detaillierten Fassung

Nach dem Abbruch der Sondierungen für eine Jamaika-Koalition wird es wohl noch eine Weile dauern, bis eine handlungsfähige Bundesregierung steht. Diese Unsicherheit tut der Konjunktur zwar nicht gerade gut, wirft sie aber nicht aus der Bahn. Das IW Köln ist jedenfalls angesichts der günstigen Rahmenbedingungen optimistisch (Tabelle):

Laut IW-Prognose wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2017 real um gut 2 ¼ Prozent wachsen. Für das kommende Jahr steht ein Plus von rund 2 Prozent in Aussicht. Veränderung des Bruttoinlandsprodukts und seiner Komponenten gegenüber dem Vorjahr in Prozent

Auch 2018 wird die konjunkturelle Dynamik von allen großen Wirtschaftsbereichen gestützt. Dies unterstreichen die Antworten der knapp 2.900 Unternehmen im Rahmen der aktuellen IW-Konjunkturumfrage:

Für 2018 erwarten 52 Prozent der Industriefirmen eine steigende Produktion, nur gut 10 Prozent rechnen mit einem Rückgang.

Auch im Dienstleistungssektor sowie im Baugewerbe überwiegt mit 48 zu 8 Prozent beziehungsweise 43 zu
6 Prozent die Zuversicht deutlich. Insgesamt schätzen die Unternehmen ihre geschäftlichen Perspektiven damit wesentlich günstiger ein als vor einem Jahr.

Weitere Prognose- und Umfrageergebnisse im Detail:

Außenhandel floriert weiter

Anders als vielfach befürchtet, haben die in einigen Ländern zu beobachtenden protektionistischen Tendenzen die Weltwirtschaft bislang nicht ausgebremst – sie hat zuletzt sogar noch Fahrt aufgenommen. Dies dürfte ein wesentlicher Grund für die verbesserten Exporterwartungen der deutschen Betriebe sein (Grafik):

Gut 32 Prozent der Unternehmen gehen für 2018 von höheren Ausfuhren als in diesem Jahr aus, nur 9 Prozent befürchten einen schwächeren Export. Erwartungen der Unternehmen zu Produktion, Exporten, Erträgen, Investitionen und Beschäftigung für 2018

Verglichen mit den Umfragen aus dem Jahr 2016, sind die deutschen Exporteure deutlich optimistischer geworden. Übereinstimmend damit prognostiziert das IW Köln für 2018 ein reales Exportwachstum von knapp 4 Prozent – unter der Annahme, dass der internationale Güterverkehr weiterhin nicht durch Handelsbeschränkungen ausgebremst wird.

Investitionen ziehen an

Bereits 2017 hat die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern, also Maschinen und Produktionsanlagen, wieder spürbar zugenommen. Die IW-Konjunkturumfrage signalisiert, dass sich dieser Trend fortsetzt – 42 Prozent der Firmen wollen im kommenden Jahr mehr investieren, lediglich 11 Prozent gehen von weniger Neuanschaffungen aus. Dies spiegelt sich auch in der IW-Prognose wider:

Nach 3 Prozent in diesem Jahr dürften die realen Ausrüstungsinvestitionen 2018 um rund 4 Prozent wachsen.

Getragen wird dieser Aufschwung unter anderem von der expandierenden Weltkonjunktur, den nach wie vor niedrigen Zinsen sowie der hohen Auslastung vieler Unternehmen, die eine Erweiterung der Produktionskapazitäten erfordert.

Kapazitätsengpässe bremsen Baukonjunktur ab.

Kapazitätsengpässe wirken sich auch auf die Entwicklung im Bausektor aus, allerdings im negativen Sinn: Weil zum Beispiel Bauingenieure fehlen, wird das Produktionswachstum in diesem Wirtschaftszweig 2018 mit 2 ½ Prozent niedriger ausfallen als in diesem Jahr mit 4 Prozent. Dennoch bleibt vor allem im Wohnungsbau die Dynamik hoch. Denn in den Ballungsräumen besteht ein unverändert großer Bedarf an zusätzlichem Wohnraum und Bauherren profitieren noch immer von günstigen Krediten.

Fachkräftemangel bleibt das Hauptproblem auf dem Arbeitsmarkt

Die robuste Konjunktur sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch bleibt:

Rund 41 Prozent der deutschen Unternehmen wollen ihr Personal 2018 aufstocken, nur 10 Prozent planen, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu reduzieren.

Besonders gut sind die Beschäftigungsperspektiven im Dienstleistungssektor, aber auch in der Industrie sowie im Baugewerbe gehen viele Firmen per saldo von mehr Beschäftigten aus – vorausgesetzt, dass die gewünschten Mitarbeiter angesichts der Fachkräfteengpässe überhaupt zur Verfügung stehen.

Das IW Köln prognostiziert jedenfalls, dass die Zahl der Erwerbstätigen 2018 um 1 ½ Prozent auf den neuen Rekordwert von gut 44,9 Millionen im Jahresschnitt steigt. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt zugleich auf unter 2,5 Millionen – die Arbeitslosenquote beträgt dann nur noch 5 ½ Prozent.

Steigende Energiepreise dämpfen Konsumwachstum

Weil sich der Arbeitsmarkt weiterhin positiv entwickelt und demzufolge auch die Summe der Einkommen höher ausfällt, können die Bundesbürger mehr Geld in Geschäfte und Restaurants tragen: Die Konsumausgaben der privaten Haushalte werden in preisbereinigter Rechnung 2017 um 1 ¾ Prozent und 2018 um gut 1 ½ Prozent steigen.

Dass der private Verbrauch nicht noch stärker wächst, liegt vor allem an der Preisentwicklung. Weil insbesondere die Energiekosten deutlich gestiegen sind, fällt die Inflationsrate in diesem Jahr mit knapp 1 ¾ Prozent deutlich höher aus als noch 2016 mit ½ Prozent.

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