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Deutsche Industrie in der Weltspitze

Im Vergleich zu den meisten internationalen Konkurrenten kommt die deutsche Industrie mit relativ wenig Energie aus. Das liegt zum einen an den Fortschritten in der Energieeffizienz, zum anderen an der veränderten Industriestruktur, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Vergleich zu den meisten internationalen Konkurrenten kommt die deutsche Industrie mit relativ wenig Energie aus.
  • Deutschland belegt mit 93 Kilogramm Öleinheiten je 1.000 Euro industrieller Wertschöpfung den vierten Platz im Effizienzranking.
  • Die deutsche Industrie kam aufgrund von Effizienzsteigerungen und veränderter Branchenstrukturen mit einem Energieplus von 2 Prozent, statt erwarteter 20 Prozent, aus.
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Was den Energieverbrauch angeht, gibt es in Deutschland zwischen den einzelnen Sektoren kein großes Gerangel: 16 Prozent entfallen auf das Gewerbe, den großen Rest teilen sich der Verkehr, die privaten Haushalte und die Industrie zu je 28 Prozent.

Weil Energie knapp ist und der Energieverbrauch häufig zur Klimaschädigung beiträgt, ist es opportun, Energie sparsam einzusetzen. Die deutsche Industrie ist hier bereits auf einem guten Weg (Grafik):

Deutschland belegt mit 93 Kilogramm Öleinheiten je 1.000 Euro industrieller Wertschöpfung den vierten Platz im Effizienzranking. Weniger verbrauchen nur Großbritannien, Dänemark und die Schweiz – die Eidgenossen kommen mit knapp 50 Kilogramm aus.

Allerdings gibt es auch erhebliche Ausreißer in die andere Richtung: Die US-Industrie zum Beispiel verbraucht relativ gesehen mehr als doppelt so viel Energie wie die deutsche, Kanada sogar annähernd dreimal so viel.

Diese großen Diskrepanzen lassen sich nicht nur auf das unterschiedliche Engagement bei der Effizienzverbesserung zurückführen, sondern hängen auch davon ab, wie viel Gewicht die energieintensiven Branchen in den einzelnen Ländern haben und wie es um die Auslastung und das Alter der Maschinen und Anlagen bestellt ist.

Um den Einfluss solcher Parameter auf die Entwicklung des Energieverbrauchs besser abschätzen zu können, wird der Verbrauch nicht nur in Relation zur Wertschöpfung gesetzt, sondern auch in seine einzelnen Bestimmungsfaktoren zerlegt:

  1. Der Aktivitätseffekt misst, wie sich das Aktivitätsniveau innerhalb einer Branche auf den Energieverbrauch auswirkt. Dabei gilt, dass eine höhere Wertschöpfung der Industrie – die beispielsweise durch eine gestiegene Produktionsmenge erreicht wird – in der Regel auch mit einem höheren Verbrauch an Energie einhergeht.
  1. Der Struktureffekt zeigt den Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Strukturwandel. Wenn beispielsweise der Anteil der energieintensiven Branchen an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung wächst und der Anteil weniger energieintensiver Branchen entsprechend sinkt, geht dies mit einem Anstieg des Energieverbrauchs einher – und umgekehrt.
  1. Der Intensitätseffekt wiederum spiegelt die echten Energieeffizienzsteigerungen der Industrie wider, wie sie etwa durch technischen Fortschritt erzielt werden.

Trotz umwälzender Entwicklungen und diverser Konjunkturab- und -aufschwünge hat die heimische Industrie in den letzten 15 Jahren ihren Energieverbrauch kaum steigern müssen (Grafik):

Rechnerisch hätte die deutsche Industrie 2010 wegen gestiegener Produktionsmengen eigentlich 20 Prozent mehr Energie benötigt als 1995, tatsächlich kam sie aufgrund von Effizienzsteigerungen und veränderter Branchenstrukturen mit einem Energie­plus von 2 Prozent aus.

Zur Begrenzung des Energieverbrauchs trug vor allem die veränderte Struktur der Industriebranchen bei. Doch auch Effizienzverbesserungen haben den Energiehunger der Unternehmen gedrosselt. Die Möglichkeiten, hier weitere große Fortschritte zu erzielen, sind allerdings begrenzt: Zwar ist die Steigerung der Energieeffizienz ein politisch gesetztes Ziel und auch die Betriebe selbst haben ein wirtschaftliches Interesse daran, mit Ressourcen sparsam umzugehen. Doch die meisten günstigen und simplen Maßnahmen zur Steigerung der Energie­effizienz sind von der deutschen Industrie bereits umgesetzt worden.

Investitionen in die Energieeffizienz sind also mittlerweile vergleichsweise teuer. Zudem konkurrieren sie mit anderen Investitionsvorhaben, die womöglich rentabler sind. Wenn die Politik dazu beitragen möchte, dass die heimische Industrie weitere Effizienzsteigerungen erzielt, sollte sie deshalb die Investitionsbedingungen für energieintensive Branchen nicht weiter verschlechtern.

Hubertus BardtEnergieeffizienz der deutschen IndustrieIW-Trends 2/2013

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