Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Verarbeitendes Gewerbe Lesezeit 3 Min.

Deutsche Industrie in der Krise

Deutschlands Industrie verliert im internationalen Wettbewerb an Boden – bürokratische Hürden, hohe Energiepreise und marode Infrastruktur bremsen die Unternehmen aus. Die Politik ist gefordert, dem für die Bundesrepublik substanziellen Wirtschaftssektor mit gezielten Reformen zu alter Stärke zu verhelfen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung in Deutschland ist zwischen 2016 und 2024 von knapp 23 Prozent auf unter 20 Prozent zurückgegangen.
  • Innerhalb der EU gehört Deutschland damit zwar nach wie vor zu den Ländern mit der höchsten Industriequote. Doch mit der schwächelnden Industrie leidet auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik.
  • Die Politik ist gefordert, dem substanziellen Wirtschaftssektor mit gezielten Reformen zu alter Stärke zu verhelfen – unter anderem durch Bürokratieabbau und Reduzierung der Kosten für Unternehmen.
Zur detaillierten Fassung

Das Verarbeitende Gewerbe ist ein essenzieller Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Ob Maschinenbau, Automobil- oder Metall- und Elektro-Industrie: Die verschiedenen Industriebranchen zeichnen sich durch hohe Produktivität sowie große Innovationskraft aus und sichern so die Wettbewerbsfähigkeit des Standort D.

Doch in den vergangenen Jahren ist der Druck auf die Industrieunternehmen deutlich gestiegen – unter anderem durch den Fachkräftemangel, Lieferengpässe sowie stark gestiegene Material- und Personalkosten. Darüber hinaus schwächen eine überbordende Bürokratie und eine bröckelnde Infrastruktur die Unternehmen, zudem erschweren Handelshemmnisse wie die von den USA erhobenen Zölle den Export.

All das hat zur Folge, dass die Industriequote hierzulande zuletzt gesunken ist (Grafik):

Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung in Deutschland ist zwischen 2016 und 2024 von knapp 23 Prozent auf unter 20 Prozent zurückgegangen.

Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung in Deutschland in Prozent Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Innerhalb der EU gehört Deutschland damit zwar nach wie vor zu den Ländern mit der höchsten Industriequote. Doch mit der schwächelnden Industrie leidet auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik: Im World Competitiveness Ranking des International Institute for Management Development ist Deutschland vom zehnten Platz im Jahr 2015 mittlerweile auf Rang 19 zurückgefallen.

Die Industriequote in Deutschland sinkt und das hiesige Verarbeitende Gewerbe verliert im internationalen Wettbewerb an Boden. Um gegenzusteuern, sollte die Politik vor allem die industriellen Standortfaktoren verbessern.

Sollte sich die Industriekrise hierzulande weiter verschärfen, träfe das vor allem ländliche Regionen. Denn während Branchen wie die Finanzwirtschaft oder der Informations- und Telekommunikationssektor überwiegend in kreisfreien Städten oder dicht besiedelten Landkreisen sitzen, produzieren Industrieunternehmen meist außerhalb dieser (Grafik):

Mehr als 70 Prozent der rund 5,5 Millionen Industriebeschäftigten in Deutschland arbeiten im ländlichen Raum.

So viel Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Branchen in Deutschland arbeiteten 2024 im ländlichen bzw. städtischen Raum Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Müssten die Industrieunternehmen aufgrund schwacher Produktion dort Arbeitsplätze abbauen, käme es zu einer kritischen Kettenreaktion: Eine rückläufige Beschäftigung verringert die Kaufkraft vor Ort, was wiederum Handel, Gastronomie und andere lokal gebundene Dienstleistungen trifft. Dadurch nehmen die Kommunen weniger Steuern ein, was öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Bildung einschränkt. Dies verstärkt das Gefälle zwischen Stadt und Land und die Attraktivität ländlicher Räume als Wohn- und Arbeitsstandorte nimmt ab.

Politik muss die industriellen Standortfaktoren verbessern

Damit es nicht dazu kommt, muss die Politik dringend gegensteuern und die industriellen Standortfaktoren verbessern:

Bürokratie abbauen. Rund 85 Prozent der Industrie- und industrienahen Dienstleistungsbetriebe halten die hohe Regulierungsdichte und die Belastung durch bürokratische Vorgaben für produktivitätshemmend (siehe "Produktivitätslücke ist schwer zu schließen"). Es braucht strukturelle Reformen, um Prozesse zu verschlanken, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Potenziale der Digitalisierung stärker zu nutzen.

Kosten senken. Die Bundesrepublik hat im Vergleich von 27 wichtigen Wettbewerbsländern die vierthöchsten Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe (siehe "Lohnstückkosten: Der Standort Deutschland bröckelt"). Damit sich heimische Unternehmen weiterhin im internationalen Wettbewerb behaupten können, sollte die Regierung neben den Lohnnebenkosten – hier braucht es in erster Linie eine strikte Ausgabendisziplin in allen Zweigen der Sozialversicherung – die Betriebe auch bei den in Deutschland sehr hohen Unternehmensteuern sowie den Energiekosten entlasten.

Infrastruktur modernisieren und ausbauen. Den landesweiten Investitionsrückstand will die Bundesregierung mit ihrem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen aufholen – das klappt aber nur, wenn sie die Gelder wirklich für zusätzliche und zukunftsrelevante Investitionen einsetzt und den gesamten Bauprozess effizienter gestaltet (siehe "Ohne Reformen wird das Sondervermögen wenig bewirken").

Innovationen stärken. Die Innovationskraft in Deutschland sinkt, im Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum ist die Bundesrepublik gegenüber 2024 von Platz neun auf Platz elf zurückgefallen. Besonders schlecht sind in Deutschland die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen (Rang 41).

Doch innovative Start-ups sind wichtige Treiber des Strukturwandels und erhöhen das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft. Deutschland sollte sich deshalb bemühen, seine Gründungslandschaft zu stärken, beispielsweise durch schnelleren und vereinfachten Zugang zu Fördermitteln sowie einer engeren Verzahnung von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen.

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