Unternehmenszusammenschlüsse Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Deutsche Fusionsflaute

In Deutschland hat sich auf dem Gebiet der Fusionen zuletzt weniger getan als früher. Vor dem Hintergrund der Diskussionen über die Industrie 4.0 wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass sich Industriebetriebe verstärkt digitales Know-how durch die Übernahme von IT-Unternehmen besorgen. Dass es nicht so gekommen ist, könnte auch mit den gestiegenen Aktienkursen zusammenhängen.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Deutschland hat sich auf dem Gebiet der Fusionen zuletzt weniger getan als früher.
  • Das deutsche Aktiengesellschaften fusionsmüde sind, könnte an den hohen Aktienkursen liegen.
  • Wenn fusioniert wird, dann setzt die Mehrzahl der deutschen Unternehmen auf Diversifizierung.
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Klassischerweise spiegeln Firmen­zusammenschlüsse die wirtschaftliche Lage eines Landes wider. Läuft es gut, sind Geld und Mut vorhanden, einen Konkurrenten zu schlucken oder durch eine Kooperation neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Derzeit ist von dieser Aufbruchsstimmung aber nichts zu spüren, obwohl das Geschäft in vielen Branchen brummt: Die Zahl der Fusionen und Übernahmen ist auf ein historisches Tief gefallen (Grafik).

Dies ist auch deshalb verwunderlich, weil die Unternehmen eigentlich genügend Geld für Zukäufe in den Kassen haben. Denn in neue Maschinen, Anlagen, Fabriken und Fahrzeuge wurde zuletzt recht wenig investiert.

Die realen Ausrüstungsinvesti­tionen in Deutschland sind heute sogar niedriger als im Jahr 2008, als die Wirtschaftskrise begann.

Dass deutsche Aktiengesellschaften fusionsmüde sind, könnte an den hohen Aktienkursen liegen, die mögliche Übernahmen ausbremsen.

Darüber hinwegtäuschen können auch nicht die guten Unternehmens­ergebnisse. Denn das Verhältnis des Aktienkurses zum Gewinn war 2013 auf einem Höchststand – eine Übernahme dürfte vielen mithin schlichtweg zu teuer sein.

Wenn trotzdem fusioniert oder übernommen wird, dann setzt die Mehrzahl der deutschen Unternehmen auf Diversifizierung – so haben sich 2014 genau 276 Firmen branchenübergreifend zusammengefunden, aber nur 148 Unternehmen innerhalb der Branchengrenze. In wichtigen Industriezweigen ist es genau umgekehrt – hier haben 77 im Branchenumfeld einen Partner gefunden, aber nur 28 außerhalb. Es wird also vornehmlich konsolidiert.

Die beiden Trends – schwache Übernahmedynamik und Konsolidierungsdruck in der Industrie – werden auch nicht von der Digitalisierung durchbrochen. Mit Blick auf die Industrie 4.0 wäre grundsätzlich zu erwarten, dass Industriefirmen sich zusätzliche IT-Expertise von außen ins Haus holen. In das neue Unternehmen integriert, könnten dann passgenaue Softwarelösungen entwickelt und umgesetzt werden.

Tatsächlich aber fand knapp die Hälfte aller Käufe von IT-Unternehmen 2014 innerhalb der Branche statt. Eine Hochzeit zwischen Industrie- und IT-Firmen gab es nur vier Mal.

Dass Industrie und IT nicht miteinander verschmelzen, könnte zwei Gründe haben: Entweder entwickeln Unternehmen ihre digitalen Lösungen lieber intern, oder aber die deutsche Industrie ist noch nicht auf den Digitalisierungszug aufgesprungen (vgl. iwd 47/2015).

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