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Der Zuckerberg in uns

Die Vorweihnachtszeit hat für die Hilfsorganisationen eine ähnlich große Bedeutung wie für den Einzelhandel, denn in diesen Tagen sitzt das Geld der Bundesbürger besonders locker. Im Spendenjahr 2014 kam wieder einmal eine Rekordsumme zusammen. Möglich machen das aber weniger spontane Spenden oder aufwendige Weihnachtsgalas im Fernsehen, sondern vielmehr Menschen, die seit Jahr und Tag treu ihren Beitrag leisten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2014 haben die Deutschen soviel gespendet wie nie zuvor
  • Die meisten Spender geben nicht zufällig oder spontan, sondern spenden regelmäßig
  • Besonders großzügig sind die über 70-Jährigen
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Facebook-Chef Mark Zuckerberg will 99 Prozent seiner Unternehmensanteile an eine Stiftung spenden, das wären rund 45 Milliarden Dollar. Der Großinvestor Warren Buffett hat schon vor Jahren angekündigt, einen Großteil seines Vermögens von rund 44 Milliarden Dollar an die Bill & Melinda Gates Foundation zu überschreiben. Diese Stiftung ist die größte Privatstiftung der Welt, in der Microsoft-Mitgründer Bill Gates und seine Frau ein Stiftungskapital von 36 Milliarden Dollar verwalten und Jahr für Jahr Milliardenbeträge in den Kampf gegen Armut, Hunger und für soziale Gerechtigkeit stecken.

Solche Summen wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kann hierzulande niemand aufbringen – der reichste Deutsche besitzt nur ungefähr die Hälfte dessen, was Großkaliber wie Zuckerberg, Gates und Buffett auf dem Konto haben.

Gleichwohl ist die Hilfsbereitschaft der Deutschen beachtlich, insbesondere das „Fest der Liebe“ öffnet ihre Herzen und Portemonnaies. Gut ein Drittel des gesamten Spendenaufkommens eines Jahres nehmen die Hilfsorganisationen in den Monaten November und Dezember ein (Grafik):

Im Jahr 2014 spendeten die Deutschen 4,96 Milliarden Euro – nach 2013 erneut ein Rekord.

Diese Summe wurde allerdings von weniger Personen zusammengetragen als früher. Nur etwa 22,4 Millionen Menschen in Deutschland – rund ein Drittel der Bevölkerung ab zehn Jahren – haben 2014 Geld gespendet. Das waren fast 900.000 weniger als im Vorjahr. Vom Niveau des Jahres 2005, als unter anderem die Tsunamikatastrophe in Asien 34,6 Millionen Bundesbürger zu Spenden bewegte, ist Deutschland derzeit sogar weit entfernt.

Dass das Spendenaufkommen 2014 trotz der gesunkenen Zahl an Spendern so hoch war wie nie zuvor, liegt an den höheren Spendenbeträgen der einzelnen Wohltäter:

Der Durchschnittsspender hat 2014 sechsmal einen Betrag von etwa 36 Euro gegeben. Das waren bei kons­tanter Spendenhäufigkeit jeweils gut 3 Euro mehr als im Jahr davor.

Am häufigsten öffnen die Menschen ihre Geldbörsen für humanitäre Zwecke, etwa den Kampf gegen Armut und Hunger oder die Einsätze nach einem Erdbeben – ungefähr 80 Prozent der Spender handeln so. Weitere 6 Prozent engagieren sich für den Tierschutz, es folgen Kultur- und Denkmalpflege sowie Umwelt- und Naturschutz.

Humanitäre und Umweltkatas­trophen erhöhen zwar regelmäßig die Hilfsbereitschaft der Menschen, für das höchste Spendenaufkommen sorgen sie allerdings nicht. Lediglich 12 Prozent der Spenden im Jahr 2014 flossen in die Not- und Katastrophenhilfe.

Ein etwa genauso großer Anteil wurde für den Bereich Krankheit und Behinderung aufgebracht. Jeweils rund ein Fünftel der Einnahmen ging an kirchliche und religiöse Institutionen, an die Kinder- und Jugendhilfe oder wurde für nicht humanitäre Zwecke verwendet.

Eindeutige Präferenzen gibt es auch hinsichtlich der geografischen Ausrichtung: Das meiste Geld wird ausdrücklich für nationale oder lokale Projekte gespendet – nur etwa ein Drittel kommt internationalen Vorhaben zugute.

Ob sich das Spendenverhalten der Menschen irgendwie beeinflussen lässt, darüber streiten sich zwar die Experten (siehe Interview). Umfragen legen jedoch nahe, dass Werbespots oder TV-Galas allenfalls eine begrenzte Wirkung entfalten. Lediglich 8 Prozent der Befragten geben an, dass Fernsehen, Radio oder Print 2014 den Anstoß zur Spende gegeben hätten (Grafik):

Fast die Hälfte der Spender in Deutschland braucht keinen Anlass, sie spenden regelmäßig oder sind Mitglieder einer Organisation.

Dennoch können die Medien bei Spendenaufrufen eine wichtige Rolle spielen. Bei der Hochwasserkatas­trophe im Jahr 2013 zum Beispiel sorgten die Hilfsaktionen in Funk und Fernsehen für mehr als die Hälfte der Spenden.

Geht es allerdings um den Bereich Krankheit und Behinderung, geben am ehesten Menschen etwas, die entweder ohnehin regelmäßig spenden oder Mitglied einer entsprechenden Institution sind.

Besonders großzügig sind die über 70-Jährigen. Sie zahlten im Jahr 2014 mit durchschnittlich 267 Euro die höchsten Beträge und hatten mit 37 Prozent auch den höchsten Anteil am gesamten Spendenaufkommen. Knapp dahinter folgten die 40- bis 60-Jährigen mit 36 Prozent. Von den unter 40-Jährigen kam lediglich jeder zehnte Spenden-Euro.

Fast 50 Prozent der Spenden gingen im Jahr 2014 an kleinere Organisationen wie die Jugendhilfe Köln oder die Flüchtlingsinitiative „You are welcome here“ – das waren rund 10 Prozentpunkte mehr als 2006. Damals erhielt allein die Top Ten der Hilfsorganisationen – zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen, der WWF und die Diakonie – rund ein Drittel aller Spenden, inzwischen ist es nur noch knapp ein Fünftel.

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