IW-Konjunkturumfrage Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Der Wind dreht sich

Die andauernde Krise in der Eurozone, der Russland-Ukraine-Konflikt, neue Regulierungen im Inland: Viele Faktoren haben den Optimismus, der noch im Frühjahr bei den deutschen Unternehmen vorherrschte, weitgehend vertrieben. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind zunehmend mau.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die andauernde Krise in der Eurozone, der Russland-Ukraine-Konflikt, neue Regulierungen im Inland: Viele Faktoren haben den Optimismus, der noch im Frühjahr bei den deutschen Unternehmen vorherrschte, weitgehend vertrieben.
  • Von den Dienstleistern kalkulieren 30 Prozent für 2015 mit besseren und 20 Prozent mit schlechteren Geschäften als 2014. In der Industrie beträgt das Verhältnis 34 zu 23 Prozent.
  • Lediglich drei von zehn Firmen wollen 2015 mehr investieren als 2014, fast jeder vierte Betrieb gibt voraussichtlich weniger Geld für neue Maschinen und Anlagen aus.
Zur detaillierten Fassung

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) geht davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr nur noch um ungefähr 1 ¼ Prozent wachsen wird.

Anlass zu dieser sehr verhaltenen Prognose gibt auch die aktuelle IW-Konjunkturumfrage, an der im Oktober und November gut 2.900 Unternehmen teilgenommen haben. Schon die aktuelle Geschäftslage wird negativer beurteilt als im Frühjahr (vgl. iwd 15/2014): Berichteten damals 46 Prozent der Unternehmen von einer binnen Jahresfrist verbesserten Situation, tun dies jetzt nur noch knapp 35 Prozent. Zugleich sagen nun 21 statt 14 Prozent der Betriebe, ihre Lage habe sich verschlechtert.

Noch stärker schlägt sich das eingetrübte Wirtschaftsklima in den Aussichten für 2015 nieder (Grafik):

  1. Produktion. Derzeit gehen 31 Prozent der Unternehmen für das kommende Jahr von einem Produktionsanstieg aus, gut 21 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Im Frühjahr hatten 53 Prozent ein Herstellungsplus und nur 10 Prozent ein Minus für das laufende Jahr erwartet.

Die Perspektiven sind in fast allen Branchen ähnlich:

Von den Dienstleistern kalkulieren 30 Prozent für 2015 mit besseren und 20 Prozent mit schlechteren Geschäften als 2014. In der Industrie beträgt das Verhältnis 34 zu 23 Prozent.

  1. Exporte. Wegen der vielen außenwirtschaftlichen Risiken sind nur noch 24 Prozent der Unternehmen zuversichtlich – 18 Prozent erwarten einen Rückgang ihrer Ausfuhren. Im Frühjahr hatten die Optimisten mit 34 zu 8 Prozent noch wesentlich klarer die Oberhand. In Ostdeutschland bilden die Skeptiker mittlerweile sogar die Mehrheit.
  2. Investitionen. Vor diesem Hintergrund, aber auch wegen mancher Regierungsbeschlüsse – etwa zur Rente mit 63 und zum Mindestlohn – sind die Unternehmen nur noch bedingt in Investitionslaune.

Lediglich drei von zehn Firmen wollen 2015 mehr investieren als 2014, fast jeder vierte Betrieb gibt voraussichtlich weniger Geld für neue Maschinen und Anlagen aus.

Während in der Industrie und bei den Dienstleistern die positiven Stimmen noch überwiegen, geht in der Baubranche die Mehrzahl der Firmen von sinkenden Investitionsbudgets aus.

  1. Beschäftigung. Der Jobzuwachs der vergangenen Jahre dürfte sich 2015 deutlich verlangsamen. Der Anteil der Betriebe, die zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen, ist mit 24 Prozent nur noch wenig höher als der Anteil jener, die einen Personalabbau erwarten (22 Prozent). Zudem ist dieser positive Saldo allein auf die Dienstleister zurückzuführen, von denen wohl 27 Prozent Personal aufstocken und nur 20 Prozent Stellen streichen werden. In der Industrie rechnen dagegen 19 Prozent der Firmen mit einem Beschäftigungsanstieg, 25 Prozent aber mit einem Rückgang.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de