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Der Stress mit dem Test

In wenigen Tagen wird die Europäische Zentralbank die Ergebnisse ihres Bankenstresstests veröffentlichen. Es wird wohl einige schwarze Schafe geben, im Großen und Ganzen aber dürfte das Urteil über die rund 130 größten Geldhäuser Europas positiv ausfallen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) bereits die Bilanzen der Banken des Euroraums unter die Lupe genommen und deren Vermögenswerte neu bewertet hat, steht nun die dritte und wichtigste Stufe der Bankenprüfung an: der Stresstest.
  • Der neue Stresstest simuliert unter anderem, wie sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone entwickeln würde, wenn drei Jahre lang die Aktienkurse und Immobilienpreise fallen, die Arbeitslosigkeit steigt und andere Stressfaktoren die Unternehmen belasten.
  • Im EZB-Szenario geht das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im schlimmsten Jahr um 1,4 Prozent zurück – im Krisenjahr 2009 betrug das Minus allerdings 4,4 Prozent.
Zur detaillierten Fassung

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) bereits die Bilanzen der Banken des Euroraums unter die Lupe genommen und deren Vermögenswerte neu bewertet hat (vgl. iwd 13/2014), steht nun die dritte und wichtigste Stufe der Bankenprüfung an: der Stresstest.

Die Ergebnisse werden auch deshalb mit Hochspannung erwartet, weil die portugiesische Bank ­Espirito Santo im Juli 2014 ziemlich überraschend Insolvenz anmelden musste – und damit die Ängste vor einer erneuten Finanzkrise wieder aufleben ließ.

Zwar hat sich die Solidität der europäischen Geldhäuser seit der Finanzkrise deutlich verbessert, aber vor allem der noch immer hohe Bestand an notleidenden Krediten sorgt dafür, dass die Märkte dem Bankensektor nach wie vor skeptisch gegenüberstehen.

Die EZB ist sich der schwierigen Lage bewusst. Soll das Vertrauen in die Finanzbranche zurückkehren, darf der neue Stresstest nicht die alten Fehler wiederholen: In den Jahren 2010 und 2011 hatte die Euro­päische Bankenaufsicht EBA den meisten Banken – auch auf politischen Druck hin – bescheinigt, weitgehend gesund zu sein. Kurz darauf gerieten einige Banken in arge Schwierigkeiten – die belgisch-französische Dexia zum Beispiel musste Ende 2011 aufgespalten werden, um überhaupt zu überleben.

Der neue Stresstest simuliert unter anderem, wie sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone entwickeln würde, wenn drei Jahre lang die Aktienkurse und Immobilienpreise fallen, die Arbeitslosigkeit steigt und andere Stressfaktoren die Unternehmen belasten.

Die EZB testet nun, wie sich die Banken in solch einer Situation schlagen – ob sie dann zum Beispiel noch genug Eigenkapital haben, um die Krise zu überstehen. Dabei korrigieren die Währungshüter einige Versäumnisse der letzten Stresstests. Staatsanleihen zum Beispiel werden strenger untersucht – eine Reaktion auf die Kritik, dass die Papiere nicht ausreichend berücksichtigt wurden, obwohl ihr Gewicht in den Bank­bilanzen zugenommen hatte.

Zusätzlich haben die Notenbanker außerbilanzielle Risiken im Blick. Dazu gehören vor allem Garantien für bestimmte Finanzprodukte, die zwar nicht mehr in den Bilanzen der Banken auftauchen, weil sie bereits verkauft sind. Aufgrund der Garantien bestehen die Risiken aber fort und können auf die Banken zurückfallen.

Kritik am Stresstest. Auch der aktuelle Stresstest hat bereits Skeptiker auf den Plan gerufen. Sie werfen der EZB unter anderem vor, ihr Negativszenario sei viel zu moderat ausgefallen (Grafik): Veränderung des Bruttoinlandprodukts in der Eurozone

Im EZB-Szenario geht das Brutto­inlandsprodukt der Eurozone im schlimmsten Jahr um 1,4 Prozent zurück – im Krisenjahr 2009 betrug das Minus allerdings 4,4 Prozent.

Außergewöhnliche Szenarien, wie ein Stopp der Gaslieferungen durch Russland, bleiben im Stresstest ebenfalls außen vor.

Grundsätzlich aber ist der Stresstest, der aktuell noch läuft, solide konzipiert und die meisten Banken sind gut vorbereitet. Dass die europäischen Geldhäuser nun gezwungen werden, ihre Bilanzen aufzuräumen und mögliche Löcher zügig zu stopfen, ist entscheidend für die Gesundung der Wirtschaft in der Eurozone.

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