Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Gesellschaft Lesezeit 3 Min.

Der Stammtisch im Betrieb

Von der Wärmepumpe bis zur Weltpolitik: In den Unternehmen sind gesellschaftspolitische Diskussionen Alltag. Worüber sich die Belegschaften besonders häufig austauschen und mit welchen Maßnahmen der Betriebsfrieden gewahrt bleibt, hat eine neue IW-Studie herausgefunden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Acht von zehn Beschäftigten in Deutschland erleben laut IW gesellschaftspolitische Diskussionen am Arbeitsplatz.
  • Obwohl also die Belegschaften häufig über gesellschaftliche und politische Vorkommnisse sprechen, sind Spannungen, die durch Meinungsverschiedenheiten zu Themen wie Migration, Klimawandel oder Gleichstellung entstehen, bislang offenbar die Ausnahme.
  • Trotzdem haben die meisten Unternehmen schon heute Maßnahmen etabliert, um mit gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen im Betrieb umzugehen.
Zur detaillierten Fassung

Das neue sogenannte Heizungsgesetz, die hohen Spritpreise, das verplemperte Sondervermögen: Es mangelt aktuell wahrlich nicht an gesellschaftspolitischen Aufregerthemen. Einer Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge fühlen sich zwei Drittel der Menschen in Deutschland im Alltag oder am Arbeitsplatz gestresst – und mehr als die Hälfte davon aufgrund von politischen oder gesellschaftlichen Problemlagen.

Und natürlich wird über all dies auch am Arbeitsplatz diskutiert. Acht von zehn Beschäftigten in Deutschland erleben laut IW solche Gespräche zumindest gelegentlich. Unter den Personalverantwortlichen sind es sogar 95 Prozent, die gesellschaftspolitische Diskussionen in ihren Unternehmen wahrnehmen.

In den Unternehmen wird besonders häufig über internationale Politik und Migrationspolitik gesprochen. Letzteres ist in Ostdeutschland noch mal häufiger Thema als in Westdeutschland.

Und worüber sprechen die Belegschaften – abgesehen von Beruflichem und Privatem – in den Betrieben? Von insgesamt sieben aktuellen gesellschaftspolitischen Themen ist es nach Wahrnehmung der Personalverantwortlichen an erster Stelle die Weltpolitik, über die debattiert wird (Grafik):

In annähernd 46 Prozent der Unternehmen diskutieren die Beschäftigten häufig über internationale Politik wie Handelskonflikte oder Kriege, in fast ebenso vielen Unternehmen sprechen Mitarbeiter über diese Themen zumindest ab und an.

In so viel Prozent der Unternehmen diskutiert die Belegschaft diese Themen so oft Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Am seltensten tauschen sich die Belegschaften über Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsfragen sowie zu Rassismus und Antisemitismus aus. Diese Themengebiete werden jeweils nur in 18 Prozent der Unternehmen häufiger besprochen.

Themen rund um die Migrationspolitik werden ebenfalls häufig innerhalb der Belegschaften diskutiert, in Ostdeutschland mit annähernd 62 Prozent noch mal stärker als in Westdeutschland (knapp 41 Prozent), wo dagegen der Klimawandel und die Klimapolitik etwas häufiger als an ostdeutschen Unternehmensstandorten erörtert wird. Dabei gehen diese Ost-West-Unterschiede weniger auf die spezifische Wirkung einer west- oder ostdeutschen Unternehmenskultur zurück als auf eine unterschiedliche Branchenstruktur und die jeweiligen Unternehmensgrößen.

Gesellschaftspolitische Diskussionen führen selten zu schlechterer Arbeitsatmosphäre

Obwohl also die Belegschaften häufig über gesellschaftliche und politische Vorkommnisse sprechen, nehmen weder die Personalverantwortlichen noch die Mitarbeiter selbst die Auswirkungen solcher Diskurse als schädlich für die Arbeitsatmosphäre wahr. So scheinen Spannungen, die durch Meinungsverschiedenheiten zu Themen wie Migration, Klimawandel oder Gleichstellung entstehen, bislang in den Belegschaften die Ausnahme zu sein.

Selbst eine stark abweichende Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen führt in der Regel nicht zu einer Ausgrenzung im Kollegenkreis.

Das gilt allerdings nur, solange wirtschaftliche Stabilität im Unternehmen herrscht. Machen sich Beschäftigte dagegen Sorgen um die wirtschaftliche Lage ihrer Firma, nimmt der Anteil derjenigen zu, die einen negativen Einfluss gesellschaftspolitischer Diskussionen auf das Betriebsklima bemerken.

Maßnahmen der Betriebe zum Umgang mit gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen

Zudem gehen rund sechs von zehn Personalleitern davon aus, dass die Relevanz gesellschaftspolitischer Themen für Diskussionen im Unternehmen in den nächsten fünf Jahren steigen wird; in größeren Unternehmen liegt die Rate sogar bei fast 70 Prozent. Mit einer Entspannung rechnen nicht einmal 2 Prozent der Personalverantwortlichen.

Gleichwohl fühlen sich 42 Prozent der Unternehmen gut aufgestellt, sollten derartige Debatten künftig zu vermehrten Spannungen in der Belegschaft führen. Dies dürfte daran liegen, dass bereits heute die meisten Unternehmen Maßnahmen etabliert haben, um mit gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen im Betrieb umzugehen. Einen besonderen Fokus legen sie in diesem Kontext auf die Förderung des Zusammengehörigkeitsgefühls (Grafik):

Knapp 60 Prozent der Unternehmen setzen auf Teambuildingmaßnahmen, weil sie hoffen, so die Diskussionskultur selbst in der Auseinandersetzung mit konfliktreichen Themen positiv beeinflussen zu können.

So viel Prozent der Unternehmen haben diese Maßnahmen ergriffen, um mit gesellschaftspolitischen Diskussionen in der Belegschaft umzugehen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Die zweithäufigste Maßnahme ist das Benennen einer Ansprechperson, an die sich Betroffene im Konfliktfall wenden können – fast jedes zweite Unternehmen bietet so eine Anlaufstelle an. In mehr als 40 Prozent der Unternehmen äußert sich die Geschäftsführung öffentlich zu gesellschaftspolitischen Themen, genauso häufig existiert ein Diskussions- oder Verhaltenskodex, der beispielweise das Tragen von Kleidung mit provozierendem Parteibezug untersagt.

Mit knapp 28 Prozent bietet ein kleinerer Anteil der Firmen Weiterbildungen für Führungskräfte an, in denen sie Herangehensweisen zur Streitschlichtung erlernen. Weiterbildungen und Expertenvorträge für Mitarbeiter rund um das Thema wertschätzende Diskussionskultur praktiziert rund jedes siebte Unternehmen.

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