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Der Staat muss am Ball bleiben

In Deutschland besucht mittlerweile jedes dritte Kleinkind eine staatlich geförderte Kindertagesstätte. Allerdings sind die Betreuungsquoten in den ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern höchst unterschiedlich. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Betreuungsgeld könnte das ändern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Jedes dritte Kleinkind in Deutschland besucht mittlerweile eine staatlich geförderte Kindertagesstätte.
  • Am schlechtesten ist die Betreuungssituation Nordrhein-Westfalen.
  • Deutlich besser sieht die Betreuung im Osten aus, wo im Schnitt 55 Prozent der Ein- bis Dreijährigen eine Kita besuchen.
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Mitte Juli hat das Bundesverfassungsgericht das vom Bund finanzierte Betreuungsgeld gekippt. Nun müssen die einzelnen Bundesländer entscheiden, ob sie Eltern, die ihre Jüngsten selbst betreuen und nicht in eine staatlich geförderte Kita geben, weiterhin mit 150 Euro monatlich unterstützen wollen oder nicht.

Bayern hat bereits angekündigt, diese Leistung aus dem Landeshaushalt weiterzuzahlen, während Hamburg fordert, das frei werdende Geld in den Ausbau von Krippenplätzen zu stecken.

Das dürfte vielen Eltern entgegenkommen, denn obwohl es seit August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr gibt, ist der Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten noch längst nicht gedeckt (Grafik):

Für die rund zwei Millionen Kinder unter drei Jahren gibt es derzeit nur etwa 700.000 staatlich geförderte Plätze in Kitas und bei Tageseltern.

Zwar hat das Deutsche Jugendins­titut eruiert, dass nur für 42 Prozent der Kinder in dieser Altersklasse tatsächlich Betreuungsbedarf besteht, doch selbst dann fehlen bundesweit rund 150.000 Plätze.

Vor allem die westlichen Bundesländer hinken beim Krippenausbau deutlich hinterher. Neun von zehn Ländern liegen unter dem Bundesdurchschnitt, lediglich der Stadtstaat Hamburg kommt mit einer Betreuungsquote von 46 Prozent auf einen höheren Wert.

Am schlechtesten ist die Betreuungssituation in Nordrhein-Westfalen (27 Prozent) und in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Niedersachsen sowie im Saarland (jeweils 29 Prozent). Obwohl das kinderreichste Bundesland – in NRW lebten Ende 2013 fast 440.000 Kleinkinder – prozentual die wenigsten Betreuungsplätze zur Verfügung stellt, war man dort in der Vergangenheit nicht untätig: Nord­rhein-Westfalen steigerte seine Kitakapazitäten im vergangenen Jahr immerhin um rund 12 Prozent.

Deutlich besser sieht die Betreuungssituation im Osten aus, dort besuchen im Schnitt 55 Prozent der Ein- bis Dreijährigen eine Kita. Ähnlich hohe Werte erreichen im Westen außer Hamburg nur zwei Kommunen: Heidelberg hatte 2014 eine Betreuungsquote von 47 Prozent und der bayerische Landkreis Coburg kam auf rund 42 Prozent.

Trotz des Engagements von Ländern und Kommunen wird es sicherlich noch dauern, bis alle Eltern, die für ihr unter dreijähriges Kind einen Krippenplatz suchen, auch einen finden. Falls sich das Bundesfamilienministerium dazu entschließt, das eingesparte Betreuungsgeld in den Ausbau der Kindertagesstätten zu stecken, wäre dies immerhin ein Fortschritt: Mit den 900 Millionen Euro, die der Bund pro Jahr für das Betreuungsgeld ausgegeben hat, ließen sich rund 26.000 zusätzliche Erzieherinnen einstellen (vgl. iwd 20/2015). Denkbar wäre auch, mithilfe der Bundesmittel den qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung voranzutreiben.

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