Wirtschaftswachstum Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Der Rahmen passt nicht

Eine rosige Zukunft sieht anders aus – fast zwei Drittel der vom IW Köln befragten Unternehmen erwarten langfristig eine schwache wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Als Gründe nennen die Betriebe vor allem den Fachkräftemangel, die hohen Arbeitskosten sowie zu starke Regulierungen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen in Deutschland geht davon aus, dass die hiesige Wirtschaft langfristig eher langsam wachsen wird.
  • Die wichtigsten Gründe sind die demografische Entwicklung, die hohen Arbeitskosten und zu starke Regulierungen.
  • Um das Wachstum zu stärken, müssen die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessert werden.
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In vielen Ländern wächst die Wirtschaft langsamer. Konnten die 37 reichsten Volkswirtschaften von 1990 bis 2007 noch ein jährliches Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von durchschnittlich 2,7 Prozent erzielen, waren es seit 2011 lediglich 1,6 Prozent.

Internationale Ökonomen befürchten nun, dass den Industrieländern eine längerfristige Wachstumsschwäche droht – in der Fachsprache heißt das „säkulare Stagnation“ (vgl. 1/2016).

Vor diesem Hintergrund wollte das IW Köln im Rahmen seiner jüngsten Konjunkturumfrage (vgl. iwd 48/2015) von den Unternehmen wissen, wie sie die längerfristigen Perspektiven der deutschen Wirtschaft beurteilen. Die meisten Firmen halten den Daumen nach unten (Grafik):

Mit 62 Prozent geht eine deutliche Mehrheit der Unternehmen in Deutschland davon aus, dass die hiesige Wirtschaft langfristig eher langsam wachsen wird – nur 29 Prozent teilen diese Skepsis nicht.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen sind eher gering. Das gilt auch innerhalb der Industrie. So rechnen 64 Prozent der Vorleistungsgüterproduzenten mit einem langfristig schwachen Wachstum; die Hersteller von Inves­titionsgütern sind zu 60 Prozent und die Konsumgüterfirmen zu 58 Prozent pessimistisch.

Auffallend ist dagegen das regionale Gefälle. In Ostdeutschland ist der Anteil der skeptischen Unternehmen deutlich höher als in Westdeutschland. Vor allem die ostdeutschen Industrie- und Baufirmen sehen oft schwarz. Das könnte daran liegen, dass Ostdeutschland eine relativ dünne industrielle Basis hat und die besonders ungünstige demografische Entwicklung der Bauwirtschaft zu schaffen macht.

Ungeachtet dessen stellt sich generell die Frage, warum die Unternehmen nur ein geringes Wirtschaftswachstum erwarten. Das IW Köln hat den Firmen daher mögliche Gründe zur Bewertung vorgelegt. Das Ergebnis (Grafik):

Nach Einschätzung von 48 Prozent aller Unternehmen führt vor allem der demografisch bedingte Fachkräfte­mangel dazu, dass die Wirtschaft langfristig nur noch schwach wachsen wird – kein anderer Grund wird so häufig mit „trifft stark zu“ bewertet.

Dass die Firmen sich zu Recht sorgen, zeigt ein Vergleich der Bevölkerungsstruktur in den 20 wichtigsten Industrieländern. Demnach ist der Altenquotient – der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung im Verhältnis zum Anteil der 15- bis unter 65-Jährigen – in Deutschland mit 33 Prozent schon heute deutlich höher als im Durchschnitt der anderen Länder (28 Prozent).

Als zweitwichtigsten Grund für die mageren Wachstumsaussichten nennen die Unternehmen die hohen Arbeitskosten. Sie schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft – 41 Prozent halten dies für sehr relevant. Auch das erstaunt nicht, schließlich leidet die deutsche Industrie seit langem unter einer überdurchschnittlichen Kostenbelas­tung (vgl. iwd 45/2015 und 5/2016).

Eine weitere Ursache für die kommende Wachstumsschwäche ist für die Unternehmen in den Arbeits- und Produktmarktregulierungen zu suchen. 34 Prozent der Betriebe sehen dadurch die Wettbewerbsfähigkeit geschwächt und 30 Prozent betrachten die Regulierungen als Inves­titions- und Innovationsbremse.

Die drei meistgenannten Gründe liegen im Übrigen auch dann vorn, wenn man ausschließlich die Antworten jener Unternehmen heranzieht, die langfristig von einem schwachen Wirtschaftswachstum ausgehen – also die Optimisten außen vor lässt.

Unterm Strich machen die Unternehmen also in erster Linie die schlechten Rahmenbedingungen in Sachen Fachkräfteangebot, Kosten und Regulierung für eine zukünftige Wachstumsschwäche verantwortlich. Anders als viele Ökonomen, die einer „säkularen Stagnation“ das Wort reden, stufen die Betriebe dagegen die Nachfrageseite als zweitrangig ein. Demnach besteht kein Anlass für die Politik, die Nachfrage durch zusätzliche Ausgaben zu stärken – zumal 29 Prozent der Firmen ohnehin die hohen Staatsschulden selbst als Grund für ein schwächeres Wachstum ansehen.

Die IW-Umfrage zeigt vielmehr, dass die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessert werden müssen. Nach den jüngsten Fehlentscheidungen – hierzu zählen beispielsweise die stärkere Regulierung der Zeitarbeit sowie die Einführung der Rente mit 63 und des Mindestlohns – sollte die Politik ihren Kurs also dringend korrigieren.

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