Studiengebühren Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Der Preis des Gratis-Studiums

Obwohl das Bezahlstudium zu besseren Bedingungen an den Hochschulen geführt hat, ist es in den meisten Bundesländern wieder abgeschafft worden. Zwar gibt es Kompensationszahlungen, doch die sind längst nicht so effektiv wie die Studiengebühren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Obwohl das Bezahlstudium zu besseren Bedingungen an den Hochschulen geführt hat, ist es in den meisten Bundesländern wieder abgeschafft worden.
  • Zwar gibt es Kompensationszahlungen, doch die sind längst nicht so effektiv wie die Studiengebühren.
  • In den gebührenpflichtigen Ländern Bayern und Niedersachsen schrieben sich 2011 rund 32 beziehungsweise 19 Prozent mehr Studienanfänger ein als im Jahr davor.
Zur detaillierten Fassung

Da waren es nur noch zwei: Von den sieben Bundesländern, die ursprünglich Studiengebühren eingeführt haben, halten mittlerweile nur noch Bayern und Niedersachsen am Bezahlstudium fest. Doch auch dort sind die Gebühren umstritten und taugen zum Aufreger-Thema für die anstehenden Landtagswahlen im kommenden Jahr.

Als im Jahr 2008 noch sieben Bundesländer Studiengebühren erhoben, kamen mehr als 870 Millionen Euro in die Kassen – das waren rund 5 Prozent der Gesamteinnahmen der Hochschulen (vgl. iwd 29/2010). Die eine Hälfte des Gebührenaufkommens wanderte in Beratungsangebote und eine bessere Ausstattung der Hochschulen. Mit der anderen Hälfte wurde neues Lehrpersonal eingestellt, sodass zusätzliche Seminare und Vorlesungen angeboten werden konnten.

Dass die Gebühren zu besseren Studienbedingungen beigetragen haben, mussten selbst die Studenten allen Unkenrufen zum Trotz registrieren. Umfragen belegen, dass die Zufriedenheit der Hochschüler in Gebührenländern stärker gewachsen ist als in Ländern, die keine Gebühren verlangen.

Das Bezahlstudium schreckt auch nicht vom Studium ab, wie ein Blick auf die Erstsemesterzahlen zeigt (Grafik):

In den gebührenpflichtigen Ländern Bayern und Niedersachsen schrieben sich 2011 rund 32 beziehungsweise 19 Prozent mehr Studienanfänger ein als im Jahr davor.

Zwar strömten in beiden Ländern 2011 doppelte Abiturientenjahrgänge an die Hochschulen, doch selbst wenn man die Anfängerzahlen halbiert, wäre der Zuwachs immer noch größer als in den meisten anderen Bundesländern.

Ob jemand studiert oder nicht, hängt weniger allein von den Gebühren ab als vielmehr von der Studienfinanzierung insgesamt. So geben 30 Prozent der Studienberechtigten an, dass die Gesamtkosten ihre Entscheidung für oder gegen ein Studium erheblich beeinflussen, für 20 Prozent haben sie immerhin noch einen mäßigen Einfluss.

Der größte Ausgabenposten von Studenten ist die Miete, und viele wissen selbst als Bafög-Bezieher nicht, wie sie für die laufenden Kos­ten während eines Studiums ohne festes eigenes Einkommen und ohne elterliche Unterstützung aufkommen sollen.

Gebührenfreiheit allein sorgt nicht dafür, dass der Nachwuchs aus einkommensschwachen oder hochschulfernen Elternhäusern sich für die Aufnahme eines Studiums entscheidet. Besser wäre es, diese jungen Leute individuell zu fördern und Studiengebühren zu erheben – so, wie es selbst die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in einem Papier zur Hochschulfinanzierung vorschlägt (Kasten).

Auf die besseren Studienbedingungen, die mithilfe der Campusmaut erzielt werden, wollen jedoch auch jene fünf Länder nicht verzichten, die sie wieder abgeschafft haben. Alle Landesregierungen leisten deshalb sogenannte Kompensationszahlungen, die zumindest die zuletzt erzielte Jahreseinnahme aus den Studiengebühren abdeckt (Grafik).

Allerdings haben diese Zahlungen ihre Tücken. In Nordrhein-Westfalen etwa profitieren davon auch Hochschulen, die gar keine Studiengebühren erhoben hatten – dies war den staatlichen Unis und FHs in NRW nämlich freigestellt. Dadurch fallen die Ausgleichszahlungen für einst gebührenpflichtige Hochschulen jedoch automatisch geringer aus als das ursprüngliche Gebührenvolumen. Außerdem ist in vielen Bundesländern fraglich, ob die Kompensationen mit den steigenden Studentenzahlen Schritt halten werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de