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Der Meister-Engpass

In einigen Bundesländern haben immer mehr Unternehmen Schwierigkeiten, Meister, Techniker und Fachwirte zu finden. Vor allem in der Metall- und Elektro-Industrie sowie in der Pflege und im Bildungsbereich sind Fortbildungsabsolventen rar.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vor allem in Süddeutschland sind Fortbildungsabsolventen - also Meister, Techniker und Fachwirte - knapp.
  • Eklatant sind die Engpässe im Sektor Gesundheit, Soziales und Bildung sowie in der Metall- und Elektro-Industrie.
  • In der M+E-Industrie kommen in einigen südlichen Bundesländern weniger als 100 Arbeitslose auf 100 gemeldete offene Stellen für Fortbildungsabsolventen.
Zur detaillierten Fassung

Die Fortbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt ist beileibe nichts Neues, doch was vielen nicht klar ist, sind die damit verbundenen Vorzüge. Denn die Aufstiegsfortbildung für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung macht sich in mehrfacher Hinsicht bezahlt:

Guter Verdienst. In der Regel erzielen Fortbildungsabsolventen ein höheres Einkommen als jene, die „nur“ eine Berufsausbildung haben. 28 Prozent von ihnen haben sogar einen höheren Stundenlohn als ein Durchschnittsakademiker (vgl. iwd 19/2016).

Selten arbeitslos. Meister, Techniker und Fachwirte haben mit 2 Prozent das geringste Risiko, erwerbslos zu werden. Selbst Akademiker haben mit 2,6 Prozent eine höhere Quote.

Stark gefragt. Auf dem Arbeitsmarkt sind eine Reihe von Fortbildungsabsolventen besonders knapp: Im März 2016 gab es in 35 von 102 entsprechenden Berufen weniger Arbeitslose als offene Stellen.

Der Fachkräfteengpass ist vor allem in Süddeutschland groß

Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Aktuell tun sich Unternehmen in Süddeutschland am schwersten mit der Rekrutierung von Meistern, Technikern und Fachwirten:

In Baden-Württemberg kommen auf 100 gemeldete offene Stellen für Fortbildungsabsolventen nur 130 Arbeitslose – und da in der Regel nur jede zweite offene Stelle bei der Bundesagentur gemeldet wird, klafft eine beträchtliche Fachkräftelücke.

Auch in Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen sind Fachkräfte mit Aufstiegsfortbildung so stark nachgefragt, dass es oft zu wenige Bewerber für die entsprechenden Jobofferten gibt.

Unternehmen sollten Mitarbeiter unterstützen, die eine Aufstiegsfortbildung absolvieren – zum Beispiel indem sie sie von der Arbeit freistellen oder sich an den Lehrgangs- und Prüfungskosten beteiligen.

Besonders eklatant sind die Engpässe in Süddeutschland im Sektor Gesundheit, Soziales und Bildung sowie in der Metall- und Elektro-Industrie: Knapp sind also beispielsweise Automatisierungs- und Elektrotechniker, aber auch Fachkrankenpfleger, Kindergartenleiter oder Meister der Hörgeräteakustik. In der M+E-Industrie kommen in einigen südlichen Bundesländern weniger als 100 Arbeitslose auf 100 gemeldete offene Stellen für Fortbildungsabsolventen.

Was Unternehmen tun können, um Spezialisten an sich zu binden

Machtlos sind die Unternehmen angesichts dieser Fachkräfteengpässe aber nicht – sie können sogar an mehreren Stellschrauben drehen, um gefragte Spezialisten ans Unternehmen zu binden:

Qualifizierung der Mitarbeiter.Unternehmen sollten Mitarbeiter unterstützen, die eine Aufstiegsfortbildung absolvieren – zum Beispiel indem sie sie von der Arbeit freistellen oder sich an den Lehrgangs- und Prüfungskosten beteiligen. Dank der verbesserten Bedingungen des Meister-Bafögs dürften sich zudem künftig mehr Gesellen und Berufserfahrene für eine Meisterausbildung entscheiden.

Rekrutierungswege ausweiten. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen kann es hilfreich sein, die Suche nach neuen Mitarbeitern überregional anzugehen. Potenziellen Kandidaten sollte dann sinnvollerweise auch Unterstützung angeboten werden – etwa beim Umzug oder bei der Suche nach einer Arbeitsstelle für den Partner.

Digitalisierung nutzen.Vor allem in Bereichen, in denen voraussichtlich noch längere Zeit Fachkräfte fehlen, sollte stärker in die Digitalisierung investiert werden: Wenn Computer und Maschinen nämlich einen größeren Teil der Tätigkeiten von Fortbildungsabsolventen übernehmen, können gezielt solche Spezialisten entlastet werden, die auf dem Arbeitsmarkt rar sind. Auf diese Weise kann ein Unternehmen mit derselben Zahl von Fachkräften mehr Aufträge annehmen und ausführen. Besonders geeignet ist die Übernahme von Tätigkeiten durch computergesteuerte Maschinen für Fortbildungsberufe in der Automatisierungstechnik und der Elektrotechnik.

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