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Der Krieg zerstört den Aufschwung

Es sind gerade mal zwei Jahre vergangen, seitdem die letzten US-Truppen aus dem Irak abgezogen sind. Die wirtschaftliche Lage hatte sich zwischenzeitlich stabilisiert. Doch nun bedroht ein Religionskrieg das Land, der die Wirtschaft und auch den Handel mit der Bundesrepublik in Mitleidenschaft zieht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ein Religionskrieg bedroht den Irak, welcher die Wirtschaft und auch den Handelmit der Bundesrepublik in Mitleidenschaft zieht.
  • Der Irak verfügt das Land über die fünftgrößten Öl- und die zwölftgrößten Erdgasreserven der Welt.
  • Die Regierung hat es geschafft, alle Landesteile mit internationalen Flughäfen auszustatten. Auch die Bahnstrecke zwischen den zwei Großstädten Bagdad und Basra ist wieder funktionsfähig.
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Die irakische Wirtschaft war in den vergangenen Jahren ziemlich robust. Während viele Industrieländer mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen hatten, verbuchte der Irak 2011 und 2012 zweistellige Wachstumsraten. Und auch 2013 legte die Wirtschaftsleistung noch um gut 4 Prozent zu (Grafik).

Die positive Entwicklung basiert nicht zuletzt auf dem Reichtum an fossilen Brennstoffen. So verfügt das Land über die fünftgrößten Öl- und die zwölftgrößten Erdgasreserven der Welt. Dementsprechend zählt der Irak zu den wichtigsten Ölexporteuren weltweit. Die Regierung hat sich zudem das Ziel gesetzt, die Ölförderung bis 2017 zu verdreifachen.

Die Bürger des Landes haben an der wirtschaftlichen Entwicklung partizipiert. Das Pro-Kopf-Einkommen der rund 35 Millionen Iraker beträgt mittlerweile knapp 7.400 Dollar und ist somit mehr als dreimal so hoch wie vor zehn Jahren.

Dank der sprudelnden Einnahmen aus dem Ölgeschäft – sie speisen 93 Prozent des Staatshaushalts – kommt die Regierung mit einer vergleichsweise geringen Neuverschuldung aus, insgesamt beträgt der Schuldenstand weniger als ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts.

Ein Teil der Einnahmen aus dem Ölgeschäft fließt zwar in Infrastrukturprojekte, hier sind aber nur kleine Fortschritte zu erkennen. Die Regierung hat es geschafft, alle Landesteile mit internationalen Flughäfen auszustatten. Auch die Bahnstrecke zwischen den zwei Großstädten Bagdad und Basra ist wieder funktionsfähig. Allerdings ist der weitere Infrastrukturbedarf enorm, wie zwei Beispiele zeigen:

Nur 57 von 1.000 Einwohnern verfügten im Jahr 2012 über einen Festnetzanschluss, lediglich 71 von 1.000 hatten Zugang zum Internet.

Für die deutsche Wirtschaft spielt der Irak als Erdöllieferant eine Rolle. Rund 98,5 Prozent der deutschen Einfuhren aus dem Land entfallen auf Erdöl. Im Gegenzug exportieren deutsche Firmen unter anderem Maschinen, Elektrotechnik, Autos und Kfz-Teile. Insgesamt wurden im Jahr 2013 Waren im Wert von 1,7 Milliarden Euro mit dem Irak ausgetauscht, wobei der Wert der deutschen Exporte die Importe um das Dreifache übertraf.

Die engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Irak leisten mithin einen erheblichen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes. Wie lange dieser angesichts der gegenwärtigen Kriegshandlungen stockt, lässt sich momentan nicht sagen. Langfristig wird der Irak voraussichtlich für Deutschland ein wichtiger Wirtschaftspartner in der Region bleiben – dafür sorgt nicht zuletzt der Ölreichtum des Landes.

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