Lohnlücke Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Der kleine Unterschied macht keinen Unterschied

Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger als Männer. Dieser Unterschied lässt sich allerdings nicht durch das Geschlecht erklären, sondern vielmehr durch Faktoren wie Babypausen, Teilzeit oder unterschiedliche Qualifikationen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger als Männer - dieser Unterschied lässt sich allerdings nicht durch das Geschlecht erklären.
  • Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln betrug die bereinigte Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen im Jahr 2011 rund 11 Prozent.
  • Insgesamt waren im Jahr 2011 rund 7,7 Millionen Frauen in Teilzeit beschäftigt – bei den Männern waren es gerade mal 1,8 Millionen.
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Am 21. März ist Equal Pay Day. Er steht symbolisch für den Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen, denn bis zu diesem Tag müssten Frauen im Durchschnitt über den Jahreswechsel hinaus arbeiten, um das gleiche Jahresentgelt wie Männer zu erhalten. Im Jahr 2011 verdienten Frauen laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt rund 22 Prozent weniger als Männer.

In der öffentlichen Diskussion wird vielfach behauptet, dass die Lohnlücke – der Gender Pay Gap – ausschließlich auf das Geschlecht zurückgeht. Diese Aussage greift jedoch zu kurz, denn sie berücksichtigt nicht, dass sich die Entgeltlücke aus Durchschnittswerten der Verdienste von allen Männern und allen Frauen errechnet.

Zwei Beispiele: In Polen lag der Verdienstunterschied von Frauen und Männern im Jahr 2010 bei knapp 5 Prozent. In Italien betrug die Lohnlücke 5,3 Prozent. Statis­tisch gesehen war die Entgeltgleichheit in diesen beiden Ländern also so gut wie erreicht. Dabei wird aber übersehen, dass dort nur relativ wenige Frauen erwerbstätig sind – und insbesondere Frauen mit einem einfachen Bildungsabschluss meist nicht im Beruf stehen. Demzufolge fallen die durchschnittlichen Verdienste von erwerbstätigen Frauen in Polen und in Italien höher aus und die Verdienstunterschiede sind kleiner als in anderen Ländern.

Um die Lohnlücke zu erklären, muss eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden. Vergleicht man die Entgelte von Frauen und Männern, die sich hinsichtlich Bildungsstand, Alter, Wohnregion, Berufserfahrung, Stundenumfang und anderer Merkmale nicht unterscheiden, schrumpft die Lücke deutlich.

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln betrug die bereinigte Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen im Jahr 2011 rund 11 Prozent.

Als besonders gravierend für den Gender Pay Gap erweisen sich familienbedingte Auszeiten, die überwiegend von Frauen in Anspruch genommen werden. Dabei ist einerseits die Dauer einer Erwerbspause von großer Bedeutung, denn je kürzer die Unterbrechung, umso niedriger die Entlohnungseinbußen. Andererseits arbeiten Frauen nach ihrer Rückkehr in den Beruf häufig in Teilzeit.

Insgesamt waren im Jahr 2011 rund 7,7 Millionen Frauen in Teilzeit beschäftigt – bei den Männern waren es gerade mal 1,8 Millionen.

Werden zudem die kindbedingten Auszeiten berücksichtigt, zeigt sich, dass Arbeitnehmerinnen mit einer Auszeit von maximal 18 Monaten nur noch einen Entgeltunterschied von knapp 2 Prozent aufweisen.

Um Frauen mit Kindern eine schnellere Rückkehr ins Berufsleben und zudem eine höhere Arbeitsstundenzahl zu ermöglichen, ist der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur die zentrale Voraussetzung. Denn gut die Hälfte aller teilzeitbeschäftigten Frauen arbeitet laut Statistischem Bundesamt nur deshalb Teilzeit, weil sie Kinder oder pflegebedürftige Personen betreuen (Grafik). Bei Männern beträgt dieser Anteil nur rund 10 Prozent.

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