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Der Kampf um die Krippen

Ab August können Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kinder unter drei Jahren einklagen. Wie viele Plätze in Kindertagesstätten und bei Tagesmüttern derzeit tatsächlich noch fehlen, weiß niemand.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ab August können Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kinder unter drei Jahren einklagen.
  • Das Deutsche Jugendinstitut geht davon aus, dass es derzeit einen Bedarf von 780.000 Betreuungsplätzen für unter Dreijährige gibt.
  • In München wünschen sich mehr als 60 Prozent der Eltern mit Kindern zwischen null und drei Jahren eine Betreuung für ihren Nachwuchs - aktuell gibt nur eine Versorgung für 39 Prozent.
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Es ist ein bisschen so wie beim Roulette: Keiner weiß, welche Zahl als Nächstes kommt. So ähnlich muss sich auch Kristina Schröder fühlen. Denn selbst die Bundesfamilienministerin kann nicht verlässlich sagen, wie viele Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren aktuell in Deutschland fehlen. Das ist insofern ungünstig, weil ab August 2013 für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf eine Betreuung außerhalb des Elternhauses besteht. Bislang gibt es diesen Anspruch nur für Kinder ab dem dritten Lebensjahr.

Dabei sind durchaus Zahlen zum Thema im Umlauf:

Das Deutsche Jugendinstitut geht davon aus, dass es derzeit einen Bedarf von 780.000 Betreuungsplätzen für unter Dreijährige gibt.

Anfang März 2012 – aktuellere Zahlen kann das Statistische Bundesamt frühestens im Juli nennen – wurden bundesweit aber erst knapp 560.000 Kleinkinder in die Obhut einer öffentlich geförderten Kita, Krippe oder Tagesmutter gegeben (Grafik). Unterm Strich blieben demnach mehr als 220.000 Kinder übrig, deren Eltern keinen Betreuungsplatz gefunden haben.

Diese Zahl ist allerdings längst überholt. Denn die Kommunen und Gemeinden, die die Kita- und Krippenplätze bereitstellen müssen, unternehmen laut Bundesfamilienministerium zurzeit „enorme Ausbauanstrengungen“. Deshalb ging der Deutsche Städte- und Gemeindebund im April 2013 nur noch von rund 100.000 fehlenden Plätzen für die Kleinsten aus.

Bleibt eine dritte, noch optimistischere Einschätzung: Der Deutsche Landkreistag kommt momentan auf 11.700 fehlende Plätze für unter Dreijährige in seinem Gebiet, das allerdings nur 57 Prozent der Bevölkerung erfasst. Um diese nahezu vollständige Kleinkindversorgung zu erreichen, werden 43 Prozent der Landkreise sogenannte temporäre Übergangslösungen ergreifen – zum Beispiel größere Gruppen in den Kindertagesstätten zulassen.

In den meisten Städten ist die Lage deutlich angespannter. In München etwa wünschen sich mehr als 60 Prozent der Eltern mit Kindern zwischen null und drei Jahren eine Betreuung für ihren Nachwuchs, tatsächlich gibt es mit rund 16.000 öffentlich geförderten Plätzen für unter Dreijährige aktuell aber nur eine Versorgung für 39 Prozent.

Viele Eltern kehren angesichts des Betreuungsnotstands auf eine altbewährte Institution zurück: die Großeltern. So hat das Deutsche Jugendinstitut festgestellt, dass Großmütter und -väter für Kinder im Krippen- und Kindergartenalter heute nach den Eltern und institutionellen Organisationen die drittwichtigste Betreuungsinstanz sind: Fast jedes dritte Kind dieser Altersgruppe wird mindestens einmal pro Woche von Oma oder Opa umsorgt.

Doch auch wenn noch immer viele Betreuungsplätze fehlen – das Personal ist jetzt schon knapp. Die bayerische Landeshauptstadt zum Beispiel streckt ihre Fühler schon länger über die Stadtgrenzen hinaus aus. In Augsburg etwa sucht sie per Zeitungsanzeigen nach Erzieherinnen und macht ihnen den Umzug schmackhaft: mit einer München-Zulage, mit unbefristeten Arbeitsverträgen – und mit Hilfe bei der Suche nach einer Kinderbetreuung.

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