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Der Instrumenten­kasten der Bundes­­agentur für Arbeit

Der Bundesagentur für Arbeit (BA) stehen eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Verfügung, mit denen sie versucht, Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder abzubauen. Oft sind diese Angebote auch erfolgreich – das gilt allerdings längst nicht für alle.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Bundesagentur für Arbeit versucht mit einer Reihe von Maßnahmen, Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verringern.
  • Besonders erfolgreich sind betriebsnahe Maßnahmen, die mit einer Beschäftigungsaufnahme einhergehen, wie es beim Eingliederungszuschuss der Fall ist.
  • Auch Weiterbildungsmaßnahmen ohne Umschulung und arbeitgebernahe Aktivierungsmaßnahmen sind erfolgversprechend.
Zur detaillierten Fassung

Eigentlich sonnenklar: Gibt es viele Arbeitslose, werden mehr arbeitsmarktpolitische Maßnahmen angeboten als in Zeiten der Vollbeschäftigung. Besonders deutlich konnte man diesen Zusammenhang während der Wirtschaftskrise im Rahmen der SGB-III-Arbeitsförderung beobachten (Grafik):

Im Jahr 2009 stiegen die Ausgaben und die Teilnehmerzahlen für Weiterbildungen und berufliche Eingliederungen der Bundesagentur für Arbeit sprunghaft an.

Ausgaben für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Millionen Euro

Mit dem Abklingen der Krise ist die Nachfrage nach solchen Maßnahmen zwar wieder zurückgegangen, doch die Ausgaben sind nicht überall in dem Maß gesunken, wie das zu erwarten gewesen wäre.

  1. Besonders ausgeprägt ist dies bei der beruflichen Weiterbildung, mithilfe derer Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen qualifiziert werden. Dabei unterscheidet man zwei Arten von Weiterbildungen: Zum einen solche, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führen und in der Regel länger dauern, und zum anderen kürzere, die nicht mit einem Berufsabschluss enden.

Die Ausgaben für Weiterbildungsmaßnahmen folgen zunächst dem konjunkturellen Muster. Ab 2012 steigen die Kosten und die Teilnehmerzahlen jedoch erneut an, obwohl die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Hauptursache dafür ist, dass seitdem mehr abschlussorientierte Maßnahmen durchgeführt werden als früher – die dauern in der Regel länger und sind deshalb teurer als kürzer angelegte Weiterbildungen.

Die Förderprogramme der Bundesagentur für Arbeit sind besonders erfolgreich, wenn sie mit der Beschäftigungsaufnahme in einem Betrieb einhergehen.

  1. Relativ geringe Kosten verursachen dagegen die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Dazu zählen bei Arbeitgebern absolvierte praktikumsähnliche Maßnahmen, die höchstens sechs Wochen dauern, sowie Qualifizierungs- und Trainingsmaßnahmen, die bis zu sechs Monate dauern. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass ein großer Teil der Geförderten diese Angebote wahrnimmt und sie vergleichsweise günstig sind.
  1. Bei Eingliederungs- und Gründungszuschüssen handelt es sich um Maßnahmen, die mit einer Beschäftigungsaufnahme einhergehen. Eingliederungszuschüsse sind Lohnkostenzuschüsse, die Arbeitgeber zeitlich befristet für die Einstellung von Arbeitslosen mit Vermittlungshemmnissen erhalten. Der Gründungszuschuss wiederum unterstützt Arbeitslose, die sich selbstständig machen – sie erhalten während der Gründungsphase weiterhin Arbeitslosengeld. Weil seit 2012 die Zugangsvoraussetzungen erschwert und die Förderdauer verkürzt wurden, sind die Anträge auf diese Zuschüsse drastisch zurückgegangen.

Und wie erfolgreich sind die Maßnahmen im Einzelnen? Um dies zu ermitteln, hat das Institut für Arbeitsmarktforschung geschaut, wie viele Geförderte ein beziehungsweise zwei Jahre nach dem Maßnahmenstart eine Beschäftigung haben. Besonders erfolgreich sind demnach betriebsnahe Maßnahmen, die mit einer Beschäftigungsaufnahme einhergehen, wie es beim Eingliederungszuschuss der Fall ist.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Geförderte, die einen Eingliederungszuschuss erhalten haben, beschäftigt bleiben, ist um 22 bis 40 Prozentpunkte höher als bei jemandem, der nicht gefördert wurde.

Darüber hinaus sind auch Weiterbildungsmaßnahmen (ohne Umschulung) und arbeitgebernahe Aktivierungsmaßnahmen erfolgversprechend. Hier erhöht sich die Beschäftigungswahrscheinlichkeit um 9 bis 16 beziehungsweise 14 bis 18 Prozentpunkte. Aktivierungsmaßnahmen bei einer Bildungseinrichtung als Träger sind dagegen weniger empfehlenswert, da sie die Jobaussichten nicht nennenswert verbessern.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) würde künftig gerne allen Arbeitslosen im Rechtskreis des SGB III nach drei Monaten ALG-Bezug eine Weiterbildungsmaßnahme anbieten. Das könnte nach hinten losgehen, denn im Einzelfall kann ein anderes Instrument wie etwa eine betriebliche Erprobung oder ein Eingliederungszuschuss zielführender sein. Auch Vermittlungshemmnisse wie gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Mobilität lassen sich so nicht beheben. Die Qualifizierung ist zwar ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Arbeitslosigkeit, aber nicht in jedem Fall das Mittel der Wahl.

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