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Der Hundertjährige im Filmtheater

Der demografische Wandel ist auch in den deutschen Kino­sälen unübersehbar – immer mehr Kinobesucher gehören zur Generation 50 plus. Den Schwund bei den jugendlichen Cineasten können die Senioren allerdings nicht ausgleichen – die Umsätze der Kinobetreiber sinken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Während immer weniger Jugendliche in Deutschland ins Kino gehen, nimmt die Zahl der über 50-jährigen Kinobesucher stark zu.
  • Insgesamt ist die Zahl der verkauften Tickets seit 2009 von 146 auf 122 Millionen zurückgegangen, die Umsätze sind trotz steigender Ticketpreise zuletzt ebenfalls gesunken.
  • Seit 2005 ist die Zahl der Spielstätten um rund 12 Prozent auf 1.630 zurückgegangen.
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„Streaming“ ist der neue Trend in der Multimediawelt: Filme und Serien sind dank immer neuer Web-Angebote mittlerweile jederzeit und überall verfügbar – ein Service, den vor allem junge Leute gern in Anspruch nehmen.

Wer aber seine Lieblingsstars stets auf dem Handy oder Laptop parat hat, der hat offenbar immer seltener Lust, sich mit Popcorn und Eiskonfekt ins gute alte Kino zu setzen:

Die Zahl der zehn- bis 19-jährigen Kinobesucher war im Jahr 2014 mit 23,3 Millionen um mehr als ein Drittel niedriger als noch im Jahr 2009.

Bei den 20- bis 29-Jährigen fiel der Rückgang ähnlich hoch aus. An diesem Trend haben auch Kinohits wie „Fack ju Göhte“ nichts geändert, die auf die jugendliche Zielgruppe zugeschnitten sind.

Dass dennoch nicht allzu viele Plätze vor den Leinwänden leer bleiben, ist den älteren Jahrgängen zu verdanken. Annähernd 15 Millionen 50- bis 59-Jährige gingen im vergangenen Jahr ins Kino – das war fast ein Drittel mehr als fünf Jahre zuvor. Und weitere 17 Millionen Kinobesuche entfielen auf die über 60-Jährigen – ein Plus von knapp einem Fünftel.

In diesen Altersgruppen sind allerdings nicht die typischen Hollywood-Blockbuster beliebt, sondern vor allem Verfilmungen internationaler Bestseller wie die schwedische Produktion „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ sowie deutsche Werke (Kasten).

Unterm Strich mussten die Kinobesitzer in Deutschland jedoch einen Rückgang der Besucherzahlen hinnehmen: Etwas weniger als 122 Millionen Tickets verkauften sie im vergangenen Jahr – 2013 waren es fast 130 Millionen und 2009 sogar rund 146 Millionen. Die Umsätze entwickelten sich allerdings nicht ganz so schlecht (Grafik):

Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf lagen 2014 mit 980 Millionen Euro um 4 Prozent unter denen von 2013, waren aber noch 30 Prozent höher als im Jahr 2005.

Der Grund dafür sind die gestiegenen Ticketpreise: War 2005 eine Eintrittskarte im Schnitt noch für 5,85 Euro zu haben, mussten die Cineasten im vergangenen Jahr schon 8,05 Euro pro Filmvergnügen hinblättern – vor allem, weil die Kinos zunehmend Aufschläge für 3-D-Filme und Produktionen mit Überlänge verlangen.

Trotzdem lohnt sich offenbar so manches Kino nicht mehr. Seit 2005 ist die Zahl der Spielstätten um rund 12 Prozent auf 1.630 gesunken – wobei die verbleibenden Filmtheater im Schnitt etwas mehr Sitzplätze bieten als vor zehn Jahren.

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