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Der Euro trifft auf Skepsis

Am 1. Januar 2014 wird Lettland als 18. EU-Land den Euro einführen. Die lettische Regierung hatte zuletzt alles getan, um die Beitrittskriterien zu erfüllen. Die Bevölkerung ist allerdings noch nicht von der europäischen Währung überzeugt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Am 1. Januar 2014 wird Lettland als 18. EU-Land den Euro einführen - doch die Bevölkerung ist skeptisch.
  • Im Jahr 2009 stieg das Defizit des Staatshaushalts auf fast 10 Prozent der Wirtschaftsleistung.
  • Im laufenden Jahr wird das lettische Bruttoinlandsprodukt laut Prognose der EU-Kommission real um 4 Prozent wachsen – das wäre das größte Plus aller 28 EU-Länder.
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Dass in Lettland derzeit mit dem Lats bezahlt wird, werden wohl außer den Letten fast nur Baltikum-Reisende wissen. Doch demnächst wird alles anders – denn zum Jahresbeginn 2014 tritt die lettische Republik der Europäischen Währungs­union bei. Nach Estland ist Lettland damit der zweite Baltenstaat, der unter das Euro-Dach schlüpft; Litauen peilt den Beitritt für 2015 an.

Bereits im Juni 2013 haben die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank den Letten grünes Licht gegeben, da das Land alle Bedingungen für die Euro-Einführung erfüllt – Inflationsrate, langfris­tige Zinsen, Haushaltsdefizit und Schuldenstand liegen unter den zulässigen Höchstwerten.

Auf dieses Ziel hat die bis vor kurzem vom Ministerpräsidenten Valdis Dombrovskis geführte lettische Regierung offenbar konzentriert hingearbeitet. Dies legt zumindest der politische Kurs nahe, den Lettland während der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 bis 2010 wählte. Damals geriet das Land in eine ausgesprochen prekäre Finanzlage (Grafik):

Im Jahr 2009 stieg das Defizit des Staatshaushalts auf fast 10 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Zwar bat Lettland bereits 2008 die EU, den Internationalen Währungsfonds sowie die Nachbarstaaten um Hilfe und erhielt am Ende ein Rettungspaket von 7,5 Milliarden Euro. Doch gegen den Rat von Ökonomen – unter anderem vonseiten des Währungsfonds – wertete Lettland seine Währung nicht ab, um seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland zu steigern und so seine wirtschaftliche Lage zu verbessern. Der Grund für die Weigerung: Ein stabiler Wechselkurs ist ebenfalls eine Voraussetzung für den Euro-Beitritt.

Stattdessen setzte die Regierung auf sinkende Lohnstückkosten und Strukturreformen (vgl. iwd 29/2012). Am Ende führte wohl vor allem die wieder steigende Produktivität dazu, dass die Exporte zulegten und somit die Wirtschaft 2011 auf den Wachstumspfad zurückfand:

Im laufenden Jahr wird das lettische Bruttoinlandsprodukt laut Prognose der EU-Kommission real um 4 Prozent wachsen – das wäre das größte Plus aller 28 EU-Länder.

Die Letten können also zuversichtlich nach vorn blicken – der Euro-Einführung begegnen sie dennoch mit ziemlicher Skepsis. Einer Eurobarometer-Umfrage vom April dieses Jahres zufolge rechnen 54 Prozent mit negativen Auswirkungen für ihr Land. Konkret befürchten 75 Prozent der lettischen Bürger vor allem steigende Preise. Nur 30 Prozent sind dagegen der Ansicht, der Euro könnte das Wirtschaftswachstum stärken und für mehr Arbeitsplätze sorgen. Und lediglich 26 Prozent glauben, die Gemeinschaftswährung werde das Land vor den Auswirkungen internationaler Krisen schützen.

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