Montenegro Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Der Euro ist schon da

Seit 2012 verhandelt der Balkanstaat mit der Europäischen Union über den Beitritt. Den Fortschritten auf dem Weg zur Marktwirtschaft stehen allerdings Korruption und organisierte Kriminalität gegenüber. Beim Geld wiederum ist das Land längst auf EU-Kurs – bereits 2002 hat Montenegro einseitig den Euro eingeführt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit 2012 verhandelt Montenegro mit der Europäischen Union über den Beitritt.
  • Beim Aufbau einer funktionierenden Marktwirtschaft gibt es Fortschritte, Korruption und Kriminalität bereiten allerdings Sorgen.
  • Insgesamt geht es mit der Wirtschaft Montenegros aufwärts.
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Gut zwei Jahre, nachdem das Land die Staatengemeinschaft mit Serbien verlassen hatte, hat Montenegro Ende 2008 die Bewerbung um eine Mitgliedschaft in der EU eingereicht. In den seit 2012 laufenden Beitrittsverhandlungen sind bislang 22 von 35 Kapiteln in Angriff genommen worden – zuletzt jene zur Verkehrspolitik und zur Energie.

Laut EU-Kommission gibt es bei den Verhandlungen durchaus Fortschritte – im Hinblick auf den Aufbau einer funktionierenden Marktwirtschaft und die Fähigkeit, den Marktkräften innerhalb der EU standhalten zu können, beurteilt die Kommission den Stand der Dinge in etwa mit der Note „befriedigend“.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) bescheinigt Montenegro zudem, ein unternehmensfreundliches Umfeld geschaffen zu haben und offen für ausländische Inves­toren zu sein. Dazu passt, dass der Balkanstaat von der Weltbank hinsichtlich der regulatorischen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft passabel bewertet wird:

Auf der Doing-Business-Rangliste der Weltbank erreicht Montenegro Platz 46 von 189 Ländern, direkt hinter Italien und vor Zypern.

Die EU-Kommission spart allerdings auch nicht mit Kritik an Montenegro – so müsse das Land die organisierte Kriminalität und die Korruption, auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, stärker bekämpfen. Außerdem ist die Regierung in Podgorica aufgefordert, die staatliche Schuldenlast und das Haushaltsdefizit zu senken sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und der Landwirtschaft zu stärken.

Trotz aller Probleme geht es mit der Wirtschaft aufwärts (Grafik):

Nach einem schwächeren Jahr 2014 ist das reale Bruttoinlandsprodukt von Montenegro laut Internationalem Währungsfonds 2015 wieder um mehr als 3 Prozent gewachsen.

Für 2016 rechnen die Ökonomen der EBRD sogar mit einem realen Wachstum von 4 Prozent.

Ein starker Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus – 2014 begrüßte das nur gut 600.000 Einwohner zählende Land an der Adria rund 1,3 Millionen Reisende aus dem Ausland. Und 2015 kamen bereits von Januar bis November mehr als 1,5 Millionen Touristen. Gastgewerbe und Beherbergungsbetriebe tragen 8 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Dass man in Montenegro schon seit 2002 mit dem Euro zahlt, dürfte für viele Urlauber ein zusätzlicher Pluspunkt sein.

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