Hochschulwettbewerb Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Der Druck steigt

Die im Jahr 2006 gestartete Exzellenzinitiative hat an Deutschlands Hochschulen viel verändert. Vor allem in der Forschung müssen die Wissenschaftler mittlerweile regelrecht um Aufträge und Projektgelder kämpfen. In die Lehre dagegen ist der Wettbewerbsgedanke noch immer nicht richtig eingezogen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die im Jahr 2006 gestartete Exzellenzinitiative hat an Deutschlands Hochschulen viel verändert.
  • Zwischen 2000 und 2010 haben sich die Drittmittel der Hochschulen auf fast 6 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.
  • Die Grundmittel, die von Bund und Ländern ohne konkrete Zuordnung für Lehre und Forschung zugewiesen werden, sind dagegen im selben Zeitraum nur um ein Viertel gestiegen.
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„Das Dogma von der Gleichheit aller Universitäten hatte ins Mittelmaß geführt und musste abgelöst werden durch Wettbewerb und Differenzierung.“ So drastisch beschreibt Mathias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die Situation der Hochschulen vor 2006. Damals wurde die staatliche Exzellenzinitiative ins Leben gerufen, organisiert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat.

Um den Wettbewerb an deutschen Hochschulen zu befeuern, haben Bund und Länder viel Geld in die Hand genommen: In den beiden ersten Runden der Exzellenzinitiative konnten sich die Unis und Fachhochschulen um insgesamt 1,9 Milliarden Euro bewerben, in der dritten und letzten Runde werden zwischen 2012 und 2017 noch einmal 2,7 Milliarden Euro verteilt.

Die Drittmittel stammen aber nicht nur vom Staat, sondern unter anderem auch aus privatwirtschaftlichen Quellen (Grafik). Insgesamt sind diese Mittel zuletzt stärker gestiegen als alle anderen Einnahmen (Grafik):

Zwischen 2000 und 2010 haben sich die Drittmittel der Hochschulen auf fast 6 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Die Grundmittel, die von Bund und Ländern ohne konkrete Zuordnung für Lehre und Forschung zugewiesen werden, sind dagegen im selben Zeitraum nur um ein Viertel gestiegen. Sie beliefen sich 2010 auf 20,3 Milliarden Euro.

Zweifellos hat die Tatsache, dass Unis und Fachhochschulen ver­stärkt Drittmittel einwerben können, den Wettbewerb im Hochschulbetrieb gestärkt. Gerade die Exzellenzinitiative brachte neue Ideen und Konzepte hervor und verschaffte den deutschen Hochschulen auch im Ausland viel Anerkennung. Gleichwohl hat die unterschiedliche Entwicklung der Grund- und Drittmittel auch Probleme mit sich gebracht. Eine austarierte Hochschulfinanzierung sollte daher folgende Punkte beachten:

  • Um die Grundlagenforschung zu sichern, brauchen die Hochschulen eine langfristige Finanzierungssicherheit. Im Jahr 2009 wurde fast die Hälfte der 11,8 Milliarden Euro, die für die Hochschulforschung zur Verfügung standen, im Wettbewerb und damit für zeitlich befristete Projekte vergeben. Damit Drittmittelanträge erfolgreich sind, müssen Wissenschaftler meist detailliert angeben, wann welche Ergebnisse erreicht werden können. Zur Grundlagenforschung gehören jedoch auch offene und risikoreiche Fragestellungen, weshalb künftig mehr Grundmittel für die Forschung zur Verfügung gestellt werden sollten.
  • Projektgelder reichen oft nur aus, um das eigentliche Forschungsvorhaben zu finanzieren. Auf den Kos­ten für Verwaltungs- und Bibliotheksleistungen, Räume sowie für die Ausstattung bleiben die Hochschulen meistens sitzen. Nötig wären deshalb verbindliche Projektzuschläge, wie sie das Bundesbildungsminis­terium vergibt: Bis 2015 gibt es einen 20-prozentigen Aufschlag auf eingeworbene Projektmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
  • Dank der Exzellenzinitiative arbeiten Hochschulen, Unternehmen und außeruniversitäre Einrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaften mittlerweile deutlich enger zusammen als 2006. Diese innovativen Kooperationen sollten vom Bund und den Bundesländern auch dann weiter unterstützt werden, wenn die letzten Gelder der Exzellenzinitiative verteilt sind.
  • Viele Bundesländer schreiben für Erstberufungen von Professoren eine Zwangsbefristung fest. Dies widerspricht dem Gedanken der Hochschulautonomie und benachteiligt überdies eine Reihe von Hochschulen im Wettbewerb um die besten Kandidaten. Denn Bewerber entscheiden sich bei mehreren Offerten eher für die Festanstellung als für die befristete Beschäftigung.
  • Die Lehre kommt in der jetzigen Hochschulfinanzierung zu kurz. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 7.190 Euro pro Hochschüler aufgewendet – 90 Euro weniger als im Jahr 2000. Die finanzielle Situation verschlechtert sich zudem dadurch, dass nur noch in zwei Bundesländern Studiengebühren erhoben werden. Im Jahr 2008 mussten die Studenten in sieben Ländern für ihr Studium bezahlen und finanzierten mit ihren Gebühren fast 5 Prozent der Hochschulausgaben.

Nötig wäre auch mehr Wettbewerb in der Lehre. Flächendeckende Studiengebühren sowie ein Gutscheinsystem für Studenten, bei dem die Mittel ausschließlich in die Lehre fließen, dürften die Dozenten und Professoren motivieren, didaktisch möglichst ansprechende Seminare und Vorlesungen zu halten.

Mit der Einführung obligatorischer Studiengebühren wäre aber auch die Studienfinanzierung neu zu regeln. So sollten alle Subventionen für Hochschüler – also Steuerfreibeträge, Kindergeld, verbilligte Krankenkassenbeiträge – im Rahmen eines neuen Bafögs zusammengeführt werden. Dieses Bafög sollte Kindern aus einkommensschwachen Familien einen deutlich höheren Zuschuss zum Studium gewähren als heute - und dieser muss nicht zurückgezahlt werden. Außerdem sollten alle Studenten auf zinsgünstige Studienkredite zugreifen können.

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