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Der angekündigte Notstand

Um den derzeitigen und zukünftigen Bedarf an Pflegekräften zu decken, ist Deutschland auf die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften aus Drittstaaten angewiesen – noch fehlen aber die Voraussetzungen dafür.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Deutschland herrscht Pflegenotstand
  • Ohne ausländische Pflegekräfte ist der steigende Bedarf nicht zu decken
  • Dazu muss ein Zuwanderungsrecht geschaffen werden
Zur detaillierten Fassung

Seit 2012 ist die Beschäftigtenzahl in der Krankenpflege zwar um knapp 50.000 gestiegen. Dies reicht jedoch längst nicht aus, um alle freien Stellen zu besetzen (Grafik):

Im Juni 2015 kamen auf 100 gemeldete offene Stellen nur 46 Arbeitslose; damit fehlen gegenwärtig rund 30.000 Krankenpflegefachkräfte.

Je nach Szenario werden 2030 bis zu 500.000 Vollzeitkräfte fehlen. Um den drohenden Pflegenotstand zu vermeiden oder zumindest abzumildern, müssen – neben der Aktivierung des inländischen Potenzials – verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden. Momentan gibt es jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Aufenthaltstitel und keine geregelten Übergänge von der Asylgesetzgebung zum Zuwanderungsrecht. Nötig wären deshalb:

1. ein transparentes Zuwanderungsgesetz, das alle bestehenden rechtlichen Regelungen bündelt;

2. gesetzliche Regelungen, die einen flexiblen Übergang von Asylgesetzgebung und Zuwanderungsrecht ermöglichen;

3. bilaterale Abkommen mit den Herkunftsländern, um Pflegefachkräfte anzuwerben.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen regeln jedoch nur den Zuzug und die Aufenthaltsbestimmungen in Deutschland. Um ausländische Fachkräfte langfristig zu binden, ist allerdings auch die soziale und fachliche Integration unerlässlich. Das heißt: Es müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass sich die Pflegekräfte an ihren Arbeitsplätzen und in ihrem sozialen Umfeld wohlfühlen.

Um das zu erreichen, müssen die individuellen Voraussetzungen und Erfahrungen der Zuwanderer in ihren jeweiligen Herkunftsländern beachtet werden. Dazu zählen die Berufs- und Lebenserfahrungen der Zuwanderer und deren Sprachkenntnisse – sie sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration.

Es ist wichtig, dass sich die deutschen Unternehmen und Behörden über alle diese Facetten im Klaren sind, denn nur dann können sie die Zuwanderer dort abholen, wo diese kulturell und sprachlich stehen. Genauso wichtig ist es, dass Geschäftsführung und Belegschaft von Krankenhäusern oder Altenpflegeeinrichtungen bereit sind, ausländische Fachkräfte mit offenen Armen aufzunehmen. Dies gelingt umso besser, je stärker kulturelle Vielfalt als Bereicherung gesehen wird.

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