Bevölkerungsentwicklung Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Demografie: Der Druck nimmt zu

Bis zum Jahr 2035 wird die Bevölkerung in einigen Bundesländern deutlich schrumpfen, in anderen dagegen kräftig wachsen. Eine demografische Herausforderung betrifft jedoch die gesamte Republik: Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter wird in allen Ländern sinken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Aufgrund der Zuwanderung und der steigenden Geburtenzahlen wird Deutschlands Einwohnerzahl bis 2035 voraussichtlich weitgehend konstant bleiben.
  • Dennoch wird es Verschiebungen geben - während in einigen Bundesländern die Bevölkerung deutlich schrumpft, wächst sie vor allem in den Großstädten.
  • Überall wird jedoch der Abhängigkeitsquotient steigen, das heißt weniger Erwerbstätige müssen mehr Rentner und unter 20-Jährige versorgen.
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Viele Menschen aus von Kriegen und Krisen gebeutelten Ländern haben seit 2015 Zuflucht in Deutschland gesucht. Und auch künftig dürfte die Zuwanderung höher ausfallen als in früheren Jahren erwartet. Zudem bekommen die Frauen hierzulande wieder mehr Kinder. Angesichts dessen werden demografische Vorhersagen, die lange als unumstößlich galten, heute über den Haufen geworfen – der IW-Bevölkerungsprognose zufolge wird die Bevölkerung vorerst nicht schrumpfen, sondern bis etwa Mitte der 2020er Jahre deutlich steigen. Selbst 2035 werden mit gut 83 Millionen noch etwa 1 Million Menschen mehr in Deutschland leben als heute (siehe "83 Millionen Einwohner in Deutschland").

In den einzelnen Bundesländern fällt die Entwicklung dem IW-Prognosemodell zufolge allerdings sehr unterschiedlich aus (Grafik):

Während die Bevölkerung von Sachsen-Anhalt bis 2035 voraussichtlich um fast 11 Prozent zurückgeht, wird Berlin dann 14,5 Prozent mehr Einwohner haben als 2015.

Die deutsche Hauptstadt wächst damit innerhalb von 20 Jahren um gut 500.000 Köpfe. Auch Metropolen wie Hamburg und München gehören zu den künftigen Bevölkerungsgewinnern. Und Baden-Württemberg profitiert vor allem von seiner starken Wirtschaft und den attraktiven regionalen Arbeitsmärkten.

Trotz stabiler Bevölkerungsgröße sinkt die Zahl der Erwerbstätigen bis 2035 in Deutschland deutlich.

Zu den Bundesländern, in denen die Einwohnerzahl weitgehend konstant bleiben dürfte, gehört unter anderem das bevölkerungsreichste, Nordrhein-Westfalen. Das Statistische Bundesamt ging vor kurzem noch von einem Rückgang um 3,4 Prozent aus, nun profitiert das Land jedoch in besonderem Maße von den Zuwanderern.

Von einer deutlich negativen Bevölkerungsentwicklung muss neben Sachsen-Anhalt auch Thüringen ausgehen. Zwar verlassen mittlerweile nur noch wenige junge Leute diese Bundesländer, die Bevölkerungseinbußen seit der Wiedervereinigung werden jedoch nicht durch Zuwanderung ausgeglichen. Außerdem zieht es innerhalb Ostdeutschlands immer mehr Menschen in die Großstädte, zum Beispiel in das dynamisch wachsende Leipzig.

Babyboomer-Generation geht in Rente

So groß die Unterschiede in der demografischen Entwicklung auch sind, mit einem Problem haben alle Bundesländer künftig zu kämpfen: der Alterung. Weil die Babyboomer-Generation bis 2035 mehrheitlich das Rentenalter erreicht, geht der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter überall zurück:

In Berlin verringert sich der Anteil der 20- bis 67-Jährigen gegenüber 2015 zwar lediglich um gut 3 Prozentpunkte auf 62 Prozent, in Sachsen-Anhalt aber um mehr als 11 Punkte auf nur noch knapp 51 Prozent.

Gleichzeitig wird die Gruppe der Senioren quer durch die Republik in Relation zu den Jüngeren größer. In Sachsen-Anhalt werden im Jahr 2035 mehr als 33 Prozent der Bevölkerung älter als 67 Jahre sein – gegenüber
22 Prozent im Jahr 2015. Selbst in Berlin und Hamburg steigt der Anteil der Älteren leicht an – auf ungefähr 19 beziehungsweise 20 Prozent.

In der Hauptstadt und der Elbmetropole wächst allerdings auch die junge Generation – in Hamburg wird 2035 voraussichtlich ein Fünftel der Einwohner unter 20 Jahre alt sein, das ist der höchste Wert aller Bundesländer. In den ostdeutschen Flächenländern bleibt der Anteil dieser Altersgruppe bis 2035 weitgehend stabil, in den großen Bundesländern im Westen geht er dagegen überall zurück.

Diese Verschiebungen der Altersstruktur haben erhebliche ökonomische Konsequenzen, schließlich müssen die 20- bis 67-Jährigen den Wohlstand der Jungen und Alten erwirtschaften. Dies dürfte künftig immer schwieriger werden (Grafik):

In Sachsen-Anhalt kommen im Jahr 2035 auf jeweils 100 Personen im erwerbsfähigen Alter voraussichtlich 97 unter 20- und über 67-Jährige.

In Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und im Saarland müssen dann je 100 Erwerbspersonen immerhin für etwa 90 Jüngere und Ältere sorgen – also unter anderem dafür, dass die Kinderbetreuung und die Rente finanziert werden können. Am niedrigsten wird dieser sogenannte Abhängigkeitsquotient 2035 aller Voraussicht nach in Berlin sein. Doch auch dort müssen dann jeweils 100 Einwohner zwischen 20 und 67 Jahren für 61 Jugendliche und Senioren geradestehen – acht mehr als im Jahr 2015.

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