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Das zerrissene Land

Nach nur einem Jahr haben die Ägypter ihre erste frei gewählte Regierung aus dem Amt demonstriert. Zwar hatte ihnen Präsident Mursi ein besseres Leben und mehr Demokratie versprochen, gehalten aber hat er weder das eine noch das andere.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die politische Unsicherheit in Ägypten in den vergangenen Jahren hat die Wirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt.
  • Das Wirtschaftswachstum ist von durchschnittlich rund 5 Prozent in den vergangenen zehn Jahren auf gerade mal 2 Prozent im Jahr 2012 zurückgegangen.
  • Die ägyptische Staatsverschuldung beträgt mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsleistung, das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei nahezu 11 Prozent des BIP.
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Nach dem jüngsten Militärputsch ist das ägyptische Volk tief gespalten. Auf der einen Seite stehen die Anhänger des geschassten Präsidenten Mohammed Mursi und der Muslimbruderschaft, auf der anderen die liberalen Kräfte. Beide werfen sich gegenseitig vor, dem Land den eigenen Willen aufzwingen zu wollen. Ägypten scheint derzeit unregierbar und am Rande eines Bürgerkriegs.

Die politische Unsicherheit in den vergangenen Jahren hat auch die Wirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt. Das politische Klima im Land wirkt wie Gift auf ausländische Investoren. Und auch der Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle für das Land, ist eingebrochen.

Das Wirtschaftswachstum ist von durchschnittlich rund 5 Prozent in den vergangenen zehn Jahren auf gerade mal 2 Prozent im Jahr 2012 zurückgegangen.

Zum Vergleich: In Ägypten leben ungefähr so viele Menschen wie in Deutschland. Allerdings beträgt das ägyptische Bruttoinlandsprodukt (BIP) lediglich 3.112 Dollar je Einwohner – das ist nicht mal ein Zehntel des deutschen Werts (Grafik).

Auf dem Arbeitsmarkt spitzt sich die Situation ebenfalls weiter zu: Mittlerweile ist jeder achte Ägypter ohne Job. Die Jugendarbeitslosigkeit ist sogar noch höher. Auch die Versuche der Regierung Mursi, den ausufernden Staatshaushalt zu sanieren, sind fehlgeschlagen:

Die ägyptische Staatsverschuldung beträgt schon mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsleistung, das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei nahezu 11 Prozent des BIP.

Wie es nach dem Sturz der Regierung weitergeht, ist vorerst unklar. Für die Übergangsregierung ist es derzeit das Wichtigste, einen Bürgerkrieg zu verhindern und für politische Stabilität zu sorgen, also bald Neuwahlen zu organisieren.

Um auch die wirtschaftliche Stabilität wiederherzustellen, muss die neu zu wählende Regierung Reformen auf den Weg bringen, die das Geschäftsklima dauerhaft verbessern. Die Staatsausgaben sollten umgeschichtet werden – weg von teuren Energiesubventionen hin zu Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Gesundheitswesen.

Doch wer auch immer die neue Regierung stellt – ob sie das Land nach ihren Vorstellungen reformieren kann, ist unsicher. Denn nach wie vor hat das ägyptische Militär viel Macht: Die Generäle kontrollieren eine Vielzahl verschiedener Firmen und blockieren alle Reformen, die ihnen nicht ins Kalkül passen.

Hilfe kommt von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Geldspritzen von insgesamt 8 Milliarden Dollar angekündigt haben.

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