Wahl 17.03.2017 Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Das Saarland muss nachlegen

Am 26. März haben die Saarländer einen neuen Landtag gewählt. Ökonomisch gesehen schöpft das kleinste Flächenland Deutschlands seine Potenziale derzeit nicht aus – und seine Schlüsselbranchen stehen vor einem fundamentalen Wandel.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mit einem Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von rund 35.400 Euro blieb das Saarland im Jahr 2015 fast 1.700 Euro unter dem Bundesdurchschnitt.
  • Noch größer ist die Kluft beim Aufbau von Arbeitsplätzen: Bundesweit wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2012 und 2016 um 7,2 Prozent, im Saarland nur um 2,5 Prozent.
  • Das industriestarke Bundesland kann eine entscheidende Rolle als Gestalter der Industrie 4.0 einnehmen – wenn es seine Chancen nutzt.
Zur detaillierten Fassung

Ein Blick auf die klassischen ökonomischen Kennziffern zeigt, dass das Saarland derzeit in vielen Bereichen ein wenig hinter dem gesamtdeutschen Durchschnitt zurückbleibt: Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur um 1,5 Prozent zu – das war der schwächste Zuwachs aller Bundesländer. Mit einem Pro-Kopf-BIP von rund 35.400 Euro blieben die knapp eine Million Saarländer im Jahr 2015 fast 1.700 Euro unter dem Bundesdurchschnitt (Grafik). Diese unbefriedigende Performance ist seit nahezu 25 Jahren zu beobachten.

Der Arbeitsmarkt an Blies und Saar hat sich ebenfalls schlechter entwickelt als im Bundesdurchschnitt. So lag die Arbeitslosenquote im vergangenen Jahr mit 7,2 Prozent zwar im Mittelfeld aller Bundesländer. Allerdings ist sie seit der vorangegangenen Landtagswahl im Jahr 2012 um 0,5 Prozentpunkte gestiegen, während sie deutschlandweit um 0,7 Punkte gesunken ist.

Noch größer ist die Kluft beim Aufbau von Arbeitsplätzen:

Wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2012 und 2016 bundesweit um 7,2 Prozent, kam das Saarland nur auf ein mageres Plus von 2,5 Prozent.

Die wirtschaftliche Schwäche des Saarlands erklärt sich vor allem dadurch, dass die exportorientierte Saarwirtschaft mit einem starken Rückgang der In- und Auslandsnachfrage sowie mit Turbulenzen auf den globalen Stahlmärkten zu kämpfen hat. Hinzu kommt, dass die Unternehmen nach der Brexit-Entscheidung zunehmend verunsichert sind, denn Großbritannien ist der wichtigste Abnehmer saarländischer Produkte.

Die Wirtschaft des Saarlands ist in den vergangenen Jahren nur unterdurchschnittlich gewachsen. Das dortige Verarbeitende Gewerbe hat aber gerade im Hinblick auf die Industrie 4.0 viel Potenzial.

Das Saarland ist ein Industrieland – mehr als 27 Prozent seiner gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung kamen 2015 aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Mit Unternehmen wie Ford, Bosch, Saarstahl und der Dillinger Hütte stellen vor allem die Automobilindustrie und deren Zulieferer, aber auch die Metallerzeugung und der Maschinenbau die Schlüsselbranchen.

Gerade der Automobilsektor steht allerdings vor einem fundamentalen Wandel. Neue Technologien wie Elektroantriebe und autonomes Fahren werden die klassischen Wertschöpfungsketten schon sehr bald völlig neu justieren. Das Saarland kann dabei eine entscheidende Rolle als Gestalter der Industrie 4.0 einnehmen – wenn es seine Chancen nutzt.

Großes Potenzial, wiederum mit Blick auf die vierte industrielle Revolution, haben auch die saarländischen Unternehmen der IT-Technologien, etwa SAP und Scheer sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

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