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Beschäftigung Lesezeit 3 Min.

Das Potenzial für den Arbeitsmarkt sinkt

Nur noch wenig Beschäftigungswachstum, dafür eine deutlich größer werdende Fachkräftelücke – die aktuelle IW-Arbeitsmarktfortschreibung zeigt eine schwierige Gemengelage auf dem deutschen Arbeitsmarkt für die kommenden Jahre.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland steigt bis zum Jahr 2029 laut IW-Arbeitsmarktfortschreibung um 5 Prozent auf rund 35 Millionen. In der Fortschreibung vor einem Jahr waren es noch gut 220.000 Personen mehr.
  • Den größten Beschäftigungszuwachs im Zeitraum von 2024 bis 2029 mit fast 293.000 zusätzlichen Mitarbeitern gibt es in den Erziehungs- und anderen sozialen sowie hauswirtschaftlichen Berufen. Dagegen sieht es für die Metallberufe düster aus.
  • Im Ranking des Fachkräftemangels am höchsten geklettert gegenüber der ersten Fortschreibung sind Fachkräfte mit einer Ausbildung in Mechatronik sowie Maschinenbau- und Betriebstechnik.
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In den vergangenen Jahren jagte eine Krise die nächste. Angefangen mit der Coronapandemie über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine mit anschließender Energiekrise bis hin zum Iran-Krieg und seinen Folgen. Für die deutsche Wirtschaft bedeuteten all diese Ereignisse teils massive Einschnitte. Die Unternehmen im Land mussten ihre Flexibilität unter Beweis stellen und immer wieder neue Lösungen für Lockdowns, Lieferprobleme oder Kostensteigerungen finden.

Der deutsche Arbeitsmarkt hat den diversen einschneidenden Ereignissen lange getrotzt, der Dauerkrisenmodus geht aber auch an ihm nicht spurlos vorbei. Für das laufende Jahr rechnet das IW mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote.

In der IW-Arbeitsmarktfortschreibung ist die künftige Zahl der Beschäftigten das zweite Mal in Folge nach unten korrigiert worden.

Wie sich die Lage in den kommenden Jahren entwickeln wird, ist für Wirtschafts- und Arbeitsmarktforscher äußerst schwierig vorherzusagen. Zu viele geopolitische Spannungen und Unwägbarkeiten prägen die internationale Ordnung. Das IW blickt daher in anderer Weise nach vorn – mit einer Arbeitsmarktfortschreibung. Sie ist keine Prognose, sondern zeigt ausschließlich, wie sich die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt entwickeln würde, wenn sich die Trends der vergangenen Jahre auch in Zukunft fortsetzen sollten.

Auf Basis der Daten aus dem Zeitraum 2018 bis 2024 geben die Forscher so einen Ausblick auf den Arbeitsmarkt im Jahr 2029 (Grafik):

Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland steigt in diesem Szenario um 5 Prozent auf rund 35 Millionen. In der Fortschreibung vor einem Jahr waren es noch gut 220.000 Personen mehr.

Beschäftigte in Deutschland Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Zum zweiten Mal in Folge ist damit die Beschäftigtenzahl nach unten korrigiert worden. Angesichts des Handelskonflikts der EU mit den USA im Jahr 2025 und dem Rückgang der Industriebeschäftigung könnte sich die Kurve im kommenden Jahr weiter nach unten neigen.

Die Arbeitsmarktfortschreibung ist sehr kleinteilig angelegt. Somit lassen sich auch Aussagen zu den verschiedenen Berufsgruppen treffen (Grafik):

Den größten Beschäftigungszuwachs im Zeitraum von 2024 bis 2029 mit fast 293.000 zusätzlichen Mitarbeitern gibt es in den Erziehungs- und anderen sozialen sowie hauswirtschaftlichen Berufen.

Veränderung der Zahl der Beschäftigten in den am stärksten wachsenden beziehungsweise schrumpfenden Berufshauptgruppen von 2024 bis 2029 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Ähnlich viele weitere Beschäftigte werden im Bereich Informatik und Kommunikationstechnik gebraucht. Medizinische Gesundheitsberufe rangieren auf Platz drei.

Besonders düster fällt die Fortschreibung für die Metallberufe aus: Mit fast 130.000 Beschäftigten weniger ist der Rückgang mehr als dreimal so groß wie in der am zweitstärksten betroffenen Kunstoff- und Holzbranche. Generell fällt auf, dass vor allem in der Industrie viele Stellen wegfallen könnten und damit die Deindustrialisierung in Deutschland voranschreitet.

Aber es muss nicht so kommen: Die Metall-Berufe könnten von den Rüstungsmilliarden profitieren, einige IT-Tätigkeiten von KI ersetzt werden und wegen niedriger Geburtenzahlen könnten weniger Erzieher nötig sein.

Am stärksten werden die Beschäftigtenzahlen in der Industrie zurückgehen

Wenn man die Zahlen der aktuellen Arbeitsmarktfortschreibung mit der ersten Auflage von vor drei Jahren vergleicht, zeigt sich, welche Trends sich abgeschwächt haben: Die größten Rückgänge gab es in Berufen für Maschinen- und Fahrzeugtechnik, im Verkehr und in der Logistik ohne Fahrzeugführung sowie in der Forschung, Entwicklung und Produktionssteuerung.

Dies spiegelt die Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes hierzulande wider. Mit einer modernen Industriepolitik gilt es, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen zu fördern und sie vor Wettbewerbsverzerrungen – vornehmlich aus China – zu schützen.

Eine zweite wichtige Erkenntnis:

Auch wenn die Beschäftigung in einigen Berufsgruppen absehbar sinkt, ändert das nichts am Fachkräftemangel. In manchen dieser Berufe steigt er sogar.

Im Ranking des Fachkräftemangels am höchsten geklettert gegenüber der ersten Fortschreibung sind Fachkräfte mit einer Ausbildung in Mechatronik sowie Maschinenbau- und Betriebstechnik. Auch andere Industrieberufe machten einen deutlichen Satz nach vorn. Das kann zum einen daran liegen, dass viele Beschäftigte mit einer Ausbildung in Rente gehen, während die neue Generation auf dem Arbeitsmarkt häufiger studiert hat. Ebenso kann es sein, dass sich die Anforderungen durch die Transformation so schnell ändern, dass es an passenden Kräften auf dem Arbeitsmarkt fehlt.

In beiden Fällen hilft eine intensivierte Aus- und Weiterbildung, die durch mehr lebensbegleitende Berufsberatung und Förderung beruflicher Bildung unterstützt werden sollte.

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