Globale Armut Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Das Glas ist halb voll

Noch immer lebt in den Entwicklungsländern jeder fünfte Mensch in absoluter Armut. Das heißt, diesen Männern, Frauen und Kindern stehen weniger als 1,25 Dollar am Tag zum Leben zur Verfügung. Trotzdem hat sich in den vergangenen 30 Jahren auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung einiges getan – selbst in den Problemregionen Afrikas.

Kernaussagen in Kürze:
  • Noch immer lebt in den Entwicklungsländern jeder fünfte Mensch in absoluter Armut - ihnen stehen weniger als 1,25 Dollar am Tag zum Leben zur Verfügung.
  • Das Ziel, die Armutsquote in den Entwicklungsländern zwischen 1990 und 2015 zu halbieren, ist bereits erreicht.
  • Waren in China im Jahr 1981 noch über 830 Millionen Menschen absolut arm, so ist die Zahl bis zum Jahr 2009 auf knapp 160 Millionen gesunken.
Zur detaillierten Fassung

Auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen Anfang Oktober dieses Jahres haben die Staats- und Regierungschefs der 193 Mitgliedsstaaten dazu aufgerufen, die sogenannten Millenniumsziele verstärkt zu verfolgen. Zum Hintergrund: Im Jahr 2000 hatte die Staatengemeinschaft beschlossen, dafür zu sorgen, dass sich das Leben der Menschen in den Entwicklungsländern bis zum Jahr 2015 deutlich verbessert.

Dazu wurden mehrere konkrete Ziele vorgegeben: Die Armut sollte deutlich verringert und Krankheiten sollten bekämpft werden, zudem wollte die Staatengemeinschaft im Kampf gegen den Hunger in der Welt und die in manchen Ländern hohe Kindersterblichkeit spürbare Fortschritte erzielen.

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich auf diesen Gebieten durchaus einiges getan, am Ziel ist man aber noch nicht:

  • Gesundheit. Obwohl es gelungen ist, die Sterblichkeitsrate von Kindern und Müttern deutlich zu senken und den Zugang zu Aids-Medikamenten zu verbessern, sind die ambitionierten Millenniumsziele bis 2015 nicht mehr zu erreichen. So starben in den Entwicklungsländern zuletzt 51 von 1.000 Kindern schon vor dem fünften Lebensjahr – das ist zwar ein Rückgang um rund 40 Prozent gegenüber 1990. Bis zum Jahr 2015 sollte die Kindersterblichkeit aber um zwei Drittel gesunken sein.
  • Armut. Das Ziel, die Armutsquote in den Entwicklungsländern zwischen 1990 und 2015 zu halbieren, ist bereits erreicht (Grafik):

Der Anteil der Menschen, die von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben müssen, betrug im Jahr 2010 weniger als 21 Prozent – 1990 lag die Quote noch bei 43 Prozent, im Jahr 1981 sogar bei 52 Prozent.

Selbst die globale Finanzkrise hat diesen Trend nicht umgekehrt – nicht einmal zeitweise. Vielmehr ist die Armut auch in den Krisenjahren weiter zurückgegangen.

Besonders eindrucksvoll sind die Fortschritte in der Region Ostasien/Pazifik, wo der Anteil der absolut Ärmsten seit 1981 von über 77 Prozent auf unter 13 Prozent gesunken ist. Dahinter stehen vor allem die Erfolge in China – das Land ist für mehr als 90 Prozent des Rückgangs der globalen Armut verantwortlich (Grafik):

Waren in China im Jahr 1981 noch über 830 Millionen Menschen absolut arm, so ist die Zahl bis zum Jahr 2009 auf knapp 160 Millionen gesunken – trotz eines kräftigen Bevölkerungswachstums.

In den anderen Entwicklungsländern stieg die Zahl der Ärmsten bis zur Jahrtausendwende zwar weiter an – doch danach haben sich auch hier deutliche Fortschritte eingestellt: Seit 1999 geht immerhin knapp die Hälfte des Fortschritts bei der Armutsbekämpfung auf die Entwicklungsländer ohne China zurück.

Selbst aus Afrika südlich der Sahara gibt es gewisse Erfolge zu melden. Zwar bleibt die Situation dort angespannt. Denn aktuell lebt mehr als ein Drittel aller absolut Armen in Subsahara-Afrika – 1981 waren es erst gut 10 Prozent.

Immerhin aber ist die Zahl der Ärmsten in der letzten Dekade mit einem Plus von 37 Millionen längst nicht mehr so stark gewachsen wie die Bevölkerung. Daher ist die Armutsquote in Subsahara-Afrika merklich zurückgegangen – von über 59 Prozent im Jahr 1993 auf knapp 49 Prozent im Jahr 2010. Ein Grund dafür ist die bessere Wirtschaftsperformance in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara (vgl. iwd 47/2012).

Grundsätzlich hat die ökonomische Aufholjagd der „Dritten Welt“ die Armutsbekämpfung maßgeblich erleichtert – zwei Drittel aller Fortschritte sind darauf zurückzuführen. Denn wo mehr produziert wird, kann auch mehr verteilt werden. So betrug das Wirtschaftswachstum der Entwicklungs- und Schwellenländer zwischen 2000 und 2010 jahresdurchschnittlich mehr als 6 Prozent, während es in den 1980er Jahren nur bei rund 3,5 und in den 1990er Jahren bei rund 4 Prozent lag.

Viele Länder haben inzwischen realisiert, dass die Bekämpfung der Armut auch das Wirtschaftswachstum beschleunigt. Denn die Wachstumsaussichten eines Landes verbessern sich, wenn die Arbeitskräfte gesünder sind und Kinder zur Schule gehen können, statt aus Geldmangel zu Hause mitarbeiten zu müssen.

Brasilien ist dabei mit einer neuen Form der Sozialpolitik zum Vorbild für viele Länder geworden. Kernelement ist die sogenannte Bolsa Familia – ein Sozialtransfer in bar. Diese Hilfe für Arme wird aber nur gezahlt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Vor allem müssen Familien ihre Kinder impfen lassen und zur Schule schicken.

Die Armut wurde vielerorts aber auch durch Umverteilung zurückgedrängt – angefangen von Bodenreformen bis hin zu höheren Steuern für Vermögende.

Diskutiert wird ferner, über Straßenbenutzungsgebühren oder besondere Verbrauchssteuern für Luxusgüter die wachsende Mittelschicht in Afrika gezielt mit angemessenen Abgaben zu belasten.

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