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Das Geld aus dem Netz

Frust und Misstrauen gegenüber dem realen Finanzsystem haben dazu geführt, das innerhalb weniger Jahre einige virtuelle Zahlungssys­teme entstanden sind. Allen voran die Bitcoins, ein Zahlungsmittel aus Bits und Bytes, das vor allem – aber nicht nur – online zunehmend beliebter wird.

Kernaussagen in Kürze:
  • Digitale Währungen wie Bitcoin erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.
  • Bislang kann mit Bitcoins hauptsächlich online bezahlt werden.
  • Der erste Wechselkurs im Juli 2010 betrug 0,05 Dollar für einen Bitcoin – bis Dezember 2013 stieg er um 2,5 Millionen Prozent auf über 1.200 Dollar.
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Im Jahr 2008 stellte ein bis heute unbekannter Nutzer unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto das Konzept der Bitcoins auf einer Online-Plattform vor. Die Internetwährung besteht nicht aus Münzen und Scheinen, sondern aus verschlüsselten Datenblöcken. Diese werden nach einem festen Algorithmus erzeugt – oder geschürft, wie Insider sagen (Kasten). Die ersten Geldeinheiten wurden Anfang 2009 berechnet.

Bitcoin ist ein dezentrales Zahlungsnetzwerk: Es wird von den Nutzern betrieben und hat keine zentrale Autorität. Es wird also nicht, wie andere Währungen, von einer Zentralbank ausgegeben und kontrolliert. Für die Befürworter des virtuellen Gelds ist genau das eines ihrer wichtigsten Argumente: Weil das virtuelle Geld an keine Bank gebunden ist, besteht völlige Zahlungsfreiheit.

Das Internetgeld kann zu jeder Zeit an jeden Ort der Welt überwiesen werden, für die einzelnen Transaktionen fallen kaum Gebühren an. Als weitere Vorteile gelten die Transparenz und die Neutralität des Netzwerks. Für eine Einzelperson oder eine Organisation ist es zum Beispiel unmöglich, das Bitcoin-Protokoll zu manipulieren – es ist sicher verschlüsselt.

Die Zahlungsmöglichkeiten der virtuellen Währung sind dagegen noch ziemlich eingeschränkt:

Bislang kann mit Bitcoins hauptsächlich online bezahlt werden.

Wer Bitcoins überhaupt als Zahlungsmittel akzeptiert, muss der Nutzer im Internet recherchieren. Dort gibt es lange Listen, sogenannte Coin-Maps, auf denen man auch die – noch wenigen – „echten“ Geschäfte, Restaurants und Kneipen findet, die das virtuelle Geld akzeptieren. Bezahlt wird in diesen Fällen übrigens einfach per Smartphone.

Ob Bitcoins auch eine ernst zu nehmende Währung sind, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Kritiker verneinen diese Frage überwiegend mit dem Argument, bei den Bitcoins handele es sich um ein Nischenphänomen, da mit ihnen keine alltäglichen Einkäufe getätigt werden können.

Ein Blick auf die Anzahl der Transaktionen bestätigt diese Einschätzung: Mit Bitcoins werden derzeit weltweit etwa 70.000 Transaktionen pro Tag bezahlt. Dem stehen allein in Deutschland rund 25 Millionen Überweisungen und 35 Millionen Lastschriften gegenüber, die an einem Arbeitstag abgewickelt werden.

Weitere Argumente gegen die Bitcoins sind, dass ihr Wechselkurs im Vergleich zu normalen Währungen viel zu sehr schwankt und dass Bitcoins keinen Zugang zum Bankensystem haben. Zudem ist das Geld von keinem Gesetzgeber als offizielles Zahlungsmittel anerkannt.

Trotz dieser Schwächen ist das Interesse an der Internetwährung zuletzt stark gestiegen. Das zeigt sich vor allem an den geradezu explodierten Wechselkursen von Bitcoins zum Dollar (Grafik).

Der erste Wechselkurs im Juli 2010 betrug 0,05 Dollar für einen Bitcoin – bis Dezember 2013 stieg er um 2,5 Millionen Prozent auf über 1.200 Dollar.

Das Konzept einer Internetwährung kommt jedenfalls bei den Digital Natives an – neben den Bitcoins gibt es mittlerweile noch zahlreiche andere Zahlungssysteme, die vom Prinzip her ähnlich funktionieren. Dazu gehören Litecoin, Peercoin und Ripple (Grafik). Diese Währungen gibt es jedoch erst seit wenigen Jahren, und sie sind noch weit vom Erfolg der Bitcoins entfernt.

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