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Das Embargo tangiert Europa kaum

Anfang Juli tritt das Ölembargo der Europäischen Union gegen den Iran in Kraft. Aller Voraussicht nach dürfte dies aber kaum Auswirkungen auf die Ölversorgung haben – es sei denn, der Atomstreit mit Teheran eskaliert militärisch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Anfang Juli tritt das Ölembargo der Europäischen Union gegen den Iran in Kraft.
  • Europa bezog im vergangenen Jahr gerade mal 4 Prozent seiner Rohölimporte aus dem Iran.
  • Der Iran steuerte zuletzt nur noch rund 5 Prozent zum weltweiten Ölangebot bei.
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Der Streit ist nicht neu: Schon seit Jahren verfolgt der Iran nach eigenen Angaben ein rein ziviles Atomprogramm, mit dem die Kernenergie als Baustein zur Sicherung der Stromversorgung entwickelt werden soll. Ob dieses Programm allerdings allein friedlichen Zwecken dient, wird international bezweifelt. Viele Staaten befürchten vielmehr, dass der Iran heimlich an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeitet. Atombomben im Iran – das wäre ein massives Sicherheitsrisiko im Nahen Osten, insbesondere für Israel.

Um eine iranische Kernwaffe zu verhindern, wird nicht nur politischer Druck auf Teheran ausgeübt, sondern auch wirtschaftlicher. So hat die Europäische Union zu Jahresbeginn ein Embargo auf Öl aus dem Iran ausgesprochen. Am 1. Juli tritt es in Kraft.

Die EU-Länder können mit dem Importstopp gut leben, denn Europa kauft nur einen sehr kleinen Teil seines Öls in der islamischen Republik (Grafik): So viel Prozent des 2011 von Europa importierten Rohöls stammten aus ...

Europa bezog im vergangenen Jahr gerade mal 4 Prozent seiner Rohölimporte aus dem Iran.

Auch auf dem Weltmarkt dürfte das Embargo keine Preisexplosion hervorrufen – und zwar aus mehreren Gründen:

  1. Der Iran steuerte zuletzt nur noch rund 5 Prozent zum weltweiten Ölangebot bei. Fällt nun ein Teil dieser ohnehin geringen Menge weg, ist das auf dem Weltmarkt in der aktuellen konjunkturellen Situation durchaus verkraftbar.
  2. Das europäische Embargo führt nicht zu einem vollständigen Versiegen der iranischen Öllieferungen. Der Grund dafür: Teheran exportiert derzeit doppelt so viel Rohöl nach Asien wie nach Europa. Um dieses Liefervolumen aufrechtzuerhalten, bietet der Iran diesen Ländern sein Öl teilweise sogar zu günstigeren Preisen an.
  3. Das Embargo kommt nicht überraschend. Die veränderte Marktsituation wird schon heute im Ölpreis abgebildet.

Anders sähe es aus, sollte sich der Atomstreit zuspitzen und es im Nahen Osten zu einer militärischen Eskalation kommen. Dann würde nicht nur der Iran weniger Öl exportieren, sondern die gesamte Golfregion könnte ihre Lieferungen nicht mehr ohne weiteres aufrechterhalten. Denn bei einer kriegerischen Auseinandersetzung käme es zu einer Sperrung der Straße von Hormus, der wichtigsten Schifffahrtsstraße für den Transport von Rohöl.

In diesem Fall könnte Saudi-Arabien, das gegenwärtig rund 12 Prozent der weltweiten Ölnachfrage befriedigt, seine Kunden ebenfalls nicht länger beliefern.

Selbst wenn ein Teil der Ölversorgung per Pipelines gesichert werden könnte, würde der Ölpreis zumindest für kurze Zeit massiv steigen.

Doch dies ist derzeit nicht allzu wahrscheinlich. Der Iran gilt angesichts sinkender Erdölpreise und der Auswirkungen des Embargos momentan als kompromissbereit. Kein Wunder: Rohöl ist die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Im Jahr 2010 trugen die Ölexporte 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei (vgl. iwd 38/2011).

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