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Dänemark kämpft um seine Kronen

Der Euro wertet seit mehr als einem Jahr fast ununterbrochen ab. Deshalb haben jene Länder, die ihre Währung an die Gemeinschaftswährung gebunden haben, große Probleme, den gewünschten Wechselkurs zu halten. Nach der Schweiz trifft es jetzt Dänemark.

Kernaussagen in Kürze:
  • Dänemark leidet unter der Abwertung des Euro
  • Die Dänische Nationalbank erhöht ihre Devisenreserven um 60 Prozent
  • Damit versucht die Nationalbank, eine Aufwertung der Krone zu verhindern
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In der europäischen Geldpolitik geht es seit geraumer Zeit äußerst turbulent zu. Zuerst hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzinssatz auf nahezu null Prozent gesenkt. Dann wurde beschlossen, dass Banken für ihre Einlagen bei der EZB keine Zinsen mehr bekommen, sondern – ein Novum – seit Juni 2014 Zinsen zahlen müssen.

Und seit März dieses Jahres kaufen die europäischen Notenbanker jeden Monat für bis zu 60 Milliarden Euro Staatsanleihen auf, um die lahmende Wirtschaft im Euroraum anzukurbeln.

All diese Maßnahmen haben nicht nur einen Einfluss auf Inflation und Inflationserwartungen, sondern auch auf den Wechselkurs des Euro:

Allein seit Beginn dieses Jahres hat der Euro gegenüber dem Dollar um fast 15 Prozent abgewertet.

Dieser Abwertungsdruck besteht grundsätzlich gegenüber den meisten anderen Währungen.

Ein besonderes Problem haben allerdings Länder, die ihre Währungen in einem festen Wechselkurssystem an den Euro gebunden haben. Denn für sie bedeutet der Kursverfall, dass ihre Notenbanken in großem Stil Euro aufkaufen müssen, damit ihre eigene Währung nicht aufwertet.

Die Ersten, die vor diesem Dilemma standen, waren die Schweizer. Weil es für die Eidgenossen immer aufwendiger wurde, den gewünschten Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro zu halten, haben sie Anfang des Jahres 2015 die Notbremse gezogen und den Kurs freigegeben (vgl. iwd 6/2015).

Das wiederum hat Spekulationen entfacht, wonach es die Dänen den Schweizern gleichtun könnten. Doch im Unterschied zur Schweizer Nationalbank betrachtet die Dänische Nationalbank einen festen Wechselkurs traditionell als oberstes Ziel ihrer Geldpolitik.

War die Krone von 1982 bis zur Einführung des Euro fest an die D-Mark gebunden, ist sie heute mit der Gemeinschaftswährung verknüpft: Der Kurs liegt bei 7,46 Kronen je Euro und darf nur in der Bandbreite von mindestens 7,29 bis höchstens 7,63 Kronen schwanken.

Tut er das nicht, muss die Nationalbank mit dem Kauf oder Verkauf von Devisen nachhelfen. Seit der Schweizer Aufgabe des Mindestkurses im Januar ist genau das passiert. Lag der Devisenbestand der dänischen Notenbank in den vergangenen fünf Jahren bei durchschnittlich 465 Milliarden Euro im Monat, so ist er seit Anfang dieses Jahres sprunghaft gestiegen (Grafik):

Im Januar und Februar 2015 erhöhte die Dänische Nationalbank ihre Devisenreserven um nahezu 60 Prozent auf mehr als 730 Milliarden Kronen.

Dieses milliardenschwere Engagement in Fremdwährungen ist der Preis, den Dänemark zahlt, um eine Aufwertung der Krone zu verhindern – denn das würde nicht nur die dänischen Exporte verteuern, sondern auch den heimischen Tourismus belasten.

Immerhin: Der Dänischen Nationalbank ist es gelungen, mit ihren Interventionen den Wechselkurs tatsächlich auf dem gewünschten Niveau von 7,46 Kronen zu halten. Derzeit kostet ein Euro genau 7,4578 Kronen (Stand: 24. März).

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