Chipindustrie schützt Taiwan vor China
Als Weltmarktführer für hochentwickelte Mikrochips spielt Taiwan eine Schlüsselrolle für Lieferketten auf der ganzen Welt. Das schützt den Inselstaat bislang auch vor einem militärischen Angriff Chinas.
- Im Jahr 2022 standen 69 Prozent der globalen Produktionskapazitäten aller Logikchips mit einer Größe von weniger als zehn Nanometern in Taiwan.
- Die starke Position in dem kritischen Industriezweig dient Taiwan auch als Absicherung gegen einen Angriff Chinas, das auf Chiplieferungen angewiesen ist.
- Selbst wenn China die Kontrolle über taiwanesische Anlagen erlangen würde, könnte es diese nicht oder nur begrenzt weiter betreiben.
Sie sind in Smartphones verbaut, helfen beim Steuern von Autos und Flugzeugen und sind im Bereich der künstlichen Intelligenz unverzichtbar – Mikrochips sind ein essenzieller Bestandteil moderner Technologien. Auch Drohnen oder Satelliten funktionieren nur mit ihnen, womit die Chips sicherheitspolitisch relevant sind.
Technisch am anspruchsvollsten sind sogenannte Logikchips. Sie verarbeiten in Echtzeit Daten, führen Berechnungen durch und digitale Befehle aus. In der Herstellung dieser Chips ist Taiwan Weltmarktführer:
Allein 64 Prozent der globalen Umsätze mit Logikchips entfielen 2024 auf die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, den größten Produzenten des Landes.
Die starke Position in dem kritischen Industriezweig dient dem kleinen Inselstaat auch als Absicherung gegen einen Angriff Chinas, das Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet und notfalls mit Gewalt eingliedern will. Da Taiwan aber für die meisten Staaten aktuell ein unverzichtbarer Lieferant von Logikchips ist, hofft das Land im Ernstfall auf Unterstützung. Zwar wollen viele Volkswirtschaften ihre eigenen Produktionskapazitäten ausbauen, das internationale Konfliktpotenzial und die zu erwartenden weltwirtschaftlichen Verwerfungen bei einer militärischen Annexion oder einer Seeblockade Taiwans sollen die chinesische Führung dennoch abschrecken.
Im Jahr 2022 standen 69 Prozent der globalen Produktionskapazitäten aller technisch anspruchvollsten Logikchips mit einer Größe von weniger als zehn Nanometern in Taiwan. Die starke Position in dem kritischen Industriezweig dient dem Land auch als Absicherung gegen einen Angriff Chinas.
Ein Angriff auf Taiwan wäre zudem auch für China selbst ein wirtschaftliches Fiasko, schließlich ist die Volksrepublik ebenfalls auf Chiplieferungen angewiesen. Zwar stellt das Reich der Mitte viele Logikchips selbst her, allerdings hauptsächlich die technologisch weniger anspruchsvollen mit einer Größe von mehr als 28 Nanometern. Diese braucht es für Haushaltsgeräte oder Autos, wo es weniger auf minimalen Platzverbrauch ankommt. Im Bereich der kleinsten Chips führt dagegen kein Weg am chinesischen Nachbarn vorbei (Grafik):
Im Jahr 2022 standen 69 Prozent der globalen Produktionskapazitäten aller Logikchips mit einer Größe von weniger als zehn Nanometern in Taiwan.
Die restlichen 31 Prozent entfielen auf Südkorea – weder China noch die USA oder Europa hatten zuletzt eigene Kapazitäten. Selbst wenn China die Kontrolle über taiwanesische Anlagen erlangen würde, könnte es diese nicht oder nur begrenzt weiter betreiben, da es kurzfristig an entsprechenden Kenntnissen und aufgrund der absehbaren Sanktionen anderer Staaten im Falle eines Einmarsches langfristig an Vorleistungsgütern mangeln würde.