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Chinas Tor zur Welt

Vor 15 Jahren übergaben die Briten die Kronkolonie an China. Nicht zuletzt weil die liberale marktwirtschaftliche Ordnung erhalten blieb, konnte die heutige Sonderverwaltungsregion ihren wirtschaftlichen Aufstieg fortsetzen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vor 15 Jahren übergaben die Briten die Kronkolonie an China.
  • Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg Hongkongs waren die schon 1979 von China geschaffenen vier Sonderwirtschaftszonen, die ausländische Investoren anziehen sollten.
  • Mit umgerechnet rund 437 Milliarden Dollar entsprachen die Warenexporte Hongkongs im Jahr 2011 gut 180 Prozent des BIP, die Importe erreichten sogar mehr als 200 Prozent der Wirtschaftsleistung.
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Die beeindruckende Entwicklung verdeutlicht das um Kaufkraftunterschiede bereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner, das von 24.800 Dollar im Jahr 1997 bis 2010 auf 46.500 Dollar stieg. Damit gehört Hongkong mit seinen 7,1 Millionen Einwohnern zu den reichsten Ländern der Welt – Deutschland etwa kam zuletzt „nur“ auf ein kaufkraftbereinigtes Pro-Kopf-BIP von 37.400 Dollar (Grafik).

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg Hongkongs waren die schon 1979 von China geschaffenen vier Sonderwirtschaftszonen, die ausländische Investoren anziehen sollten. Eine dieser Zonen ist das an Hongkong angrenzende Shenzhen. Dorthin verlagerten in den 1980er Jahren viele Hongkonger Industriefirmen ihre Produktion, nicht zuletzt aufgrund der billigeren Arbeitskräfte. Die Hafenstadt Hongkong wurde damit primär zu einem Umschlagplatz für in China hergestellte oder dort benötigte Güter. Das Außenhandelsvolumen ist riesig:

Mit umgerechnet rund 437 Milliarden Dollar entsprachen die Warenexporte Hongkongs im Jahr 2011 gut 180 Prozent des BIP, die Importe erreichten sogar mehr als 200 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Zudem ließen sich viele Banken in Hongkong nieder, die die chinesische Wirtschaft mit Kapital versorgen. Heute ist das Finanzmarktangebot Hongkongs mit 200 zugelassenen Banken und 71 Vertretungsbüros eines der größten weltweit, und die Hongkonger Börse ist hinsichtlich der dort notierten Aktienwerte die Nummer sechs der Welt.

All dies prägt auch den Arbeitsmarkt. Zuletzt waren über 87 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt.

Allein jeder zweite Arbeitnehmer Hongkongs arbeitet im Handel und in den damit verbundenen Service­sparten wie Finanzen und Logistik.

Darüber hinaus spielt der Tourismus eine wichtige Rolle – zuletzt kamen jährlich rund 20 Millionen ausländische Besucher in die Metropole. Die Attraktivität Hongkongs als Handelsplatz und Reiseziel hält die Arbeitslosenquote niedrig – sie lag 2011 bei nur 3,5 Prozent.

Dennoch ist der Glanz der Megacity am Perlflussdelta nicht ungetrübt. Denn die starke Integration in die Weltwirtschaft macht Hongkong auch besonders krisenanfällig. Wegen der Euro-Schuldenkrise und der anhaltenden Konjunkturschwäche in den USA rechnet die Hongkonger Regierung für 2012 folglich nur mit einem Wirtschaftswachstum von etwa 1 bis 3 Prozent.

Außerdem ist der Wohlstand extrem ungleich verteilt – 1,3 Millionen Hongkonger leben unter der Armutsgrenze. Etwa 100.000 müssen aufgrund der horrenden Mieten sogar als sogenannte Cage People in Räumen hausen, die in abschließbare, oft nicht mehr als zwei Kubikmeter große Käfige unterteilt sind.

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