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Chefs im Abseits

Vorstandsvorsitzende von Aktiengesellschaften und Fußballtrainer haben manches gemeinsam: Sie müssen strategische und taktische Entscheidungen fällen, ihre Mannschaft motivieren und sie sind letztlich dafür verantwortlich, dass der Laden läuft. Bleibt allerdings der Erfolg aus, müssen Trainer sehr viel öfter ihren Hut nehmen als Manager.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bleibt der Erfolg aus, müssen Trainer sehr viel öfter ihren Hut nehmen als Manager.
  • Bundesligatrainer behalten ihre Jobs im Schnitt nur gut ein Jahr, Vorstandsvorsitzende etwas mehr als fünf Jahre.
  • Die Trainerwechsel hatten keinerlei Einfluss auf den Spielerfolg.
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Der 1. FC Köln zittert um den Klassenerhalt und Trainer Stale Solbakken um seinen Job. Er wäre allerdings bei weitem nicht der erste, der in dieser Saison vorzeitig gehen muss, weil seine Mannschaft den Ansprüchen der Vereinsführung nicht genügt – bisher hat es schon acht seiner Kollegen erwischt.

Hätten sie mal was Ordentliches gelernt, könnte man sagen – denn andere Chefs werden nicht so schnell geschasst. Vorstandsvorsitzende von Dax- und MDax-Unternehmen zum Beispiel bleiben deutlich länger im Amt, wie eine aktuelle Studie des Institute for Sports, Business and Society (ISBS) der European Business School zeigt (Grafik):

Bundesligatrainer behalten ihre Jobs im Schnitt nur gut ein Jahr, Vorstandsvorsitzende etwas mehr als fünf Jahre. Die Fußballlehrer fliegen bei Misserfolg sechsmal häufiger als die Manager.

Ganz so ernst sollte man diesen Vergleich allerdings nicht nehmen, dazu sind die Führungsaufgaben der beiden Gruppen zu unterschiedlich. Während ein Vorstandsvorsitzender kaum direkt mit den Mitarbeitern seines Konzerns zu tun hat, arbeitet ein Fußballtrainer fast jeden Tag mit seinen Mannen. In den obersten Etagen der Unternehmen zählt denn auch weniger, ob jemand ein Motivator ist oder nicht – fachliches Wissen ist oft mehr gefragt als Führungskompetenz.

Apropos Kompetenz: Fußballvereine sollten genauso wie Unternehmen möglichst früh in die systematische Weiterbildung ihrer Führungsriege investieren, raten die Autoren der Studie. Denn je besser jemand für seine Aufgaben geschult ist, desto größer ist in der Regel der Erfolg mit der Mannschaft – ob nun die im Büro oder jene auf dem Platz.

Zudem ist der Sinn der relativ häufigen Trainerwechsel fragwürdig. Ein Team um Professor Andreas Heuer hat an den Universitäten Münster und Kassel einmal nachgerechnet, ob es einen Zusammenhang zwischen Trainerentlassung und Veränderung der Spielstärke gibt – sprich: ob und wie sich mit dem Neuen die Tordifferenz verbessert. Dazu haben die Experten den gesamten Zeitraum von der Gründung der Bundesliga 1963 bis zur Saison 2008/2009 unter die Lupe genommen, also mehr als 14.000 Spiele. Das ernüchternde Fazit:

Die Trainerwechsel hatten keinerlei Einfluss auf den Spielerfolg.

Doch die Vereinsbosse der Bundesliga haben für solche Erkenntnisse offenbar keine Ohren – sobald ein Verein im Abstiegskampf steckt, wird in der Regel der Trainer entlassen. Die Forscher nennen dieses Verhalten „Sündenbock-Aktionismus“.

Dass Stale Solbakken dennoch weiterhin Trainer des 1. FC Köln bleiben darf, liegt vielleicht daran, dass der FC schon einen Bock hat: Seit 1950 ist stets ein Geißbock das Maskottchen des Vereins – aktuell regiert Hennes VIII.

Weitere Informationen zu einem ergebnisorientierten Führungsstil gibt es auf der Projektwebsite: www.vitness.info.

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