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des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Transformation Lesezeit 4 Min.

Chance für emissionsarmes Bauen durch staatliche Nachfrage

Emissionsarme Baustoffe zu produzieren, erfordert hohe Investitionen. Der Staat kann mit einer verlässlichen Nachfrage nach klimafreundlichen Grundstoffen die Investitionsrisiken für die Produzenten verringern und den Markt ankurbeln. Dadurch ließen sich in Zukunft große Mengen CO2 einsparen. Das Sondervermögen der Bundesregierung vergrößert diesen Effekt noch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Um emissionsarme Produktionsprozesse für Stahl und Zement zu etablieren, sind hohe Investitionen notwendig. Diese Mehrkosten können die Unternehmen aber nur bedingt an ihre Kunden weitergeben.
  • Der Staat kann allerdings mit einer verlässlichen Nachfrage nach solchen Baustoffen für seine Projekte das Investitionsrisiko für die Betriebe senken und ihnen Planungssicherheit verschaffen.
  • Damit der Effekt größtmöglich ist, muss das Sondervermögen des Bundes wirklich für zusätzliche Investitionen genutzt werden. Außerdem gilt es, regulatorische Prozesse im Bausektor zu verschlanken.
Zur detaillierten Fassung

Alle Bereiche der deutschen Wirtschaft müssen Emissionen einsparen, damit Deutschland seine selbst gesteckten Klimaziele erreicht. Die Baubranche ist da keine Ausnahme. Hier liegt vor allem in der Herstellung der Baumaterialien viel Potenzial, um die eigene Klimabilanz zu verbessern.

Das Problem: Um emissionsarme Produktionsprozesse etwa für Stahl und Zement zu etablieren, sind hohe Investitionen notwendig. Diese Mehrkosten können die Unternehmen aber nur bedingt an ihre Kunden weitergeben, weil sie im (preislichen) Wettbewerb mit in- und ausländischen Firmen stehen, die auf herkömmliche Produktion setzen.

Im Bausektor kann der Staat eine verlässliche Nachfrage nach klimafreundlichen Grundstoffen schaffen und so dazu beitragen, Treibhausgasemissionen einzusparen.

Eine Lenkungswirkung hat allerdings der Staat. Konkret:

Wenn Bund, Länder und Kommunen jährlich große Mengen Stahl und Zement für ihre Bauprojekte abnehmen und damit eine verlässliche Nachfrage nach klimafreundlichen Grundstoffen schaffen, sinkt das Investitionsrisiko für die Unternehmen und ihre Planungssicherheit steigt.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Grundstoffen lässt sich durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, in dem in den kommenden zwölf Jahren jährlich rund 30 Milliarden Euro zusätzlich für den Bausektor bereitstehen, weiter steigern.

Wie groß das Potenzial für CO2-Einsparungen ist, hat das IW berechnet (Grafik):

Einschließlich der Effekte des Sondervermögens könnte die Nachfrage nach Stahl im öffentlichen Bausektor ab dem Jahr 2030 bei bis zu 3,7 Millionen Tonnen jährlich liegen.

So viele Millionen Tonnen dieser Materialien wird der öffentliche Bausektor ab dem Jahr 2030 voraussichtlich jährlich brauchen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Durch den Einsatz von emissionsarm produziertem Stahl ließen sich dann knapp 2,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Die Mehrkosten gegenüber konventionellem Stahl lägen bei 228 Millionen Euro.

Auch beim Zement gibt es enormes Potenzial, bis zu 9,7 Millionen Tonnen Absatz sind inklusive der Effekte des Sondervermögens ab 2030 pro Jahr im öffentlichen Sektor möglich. Mit nachhaltiger Produktion ließe sich hier eine Million Tonnen CO2 vermeiden. Zusatzkosten: etwa 101 Millionen Euro.

So weit die Theorie. In der Praxis gibt es einige Hürden zu überwinden, um das vorhandene Einsparpotenzial vollständig nutzen zu können:

  • Zusätzlichkeit. Die Reduktion des CO2-Ausstoßes hängt zum guten Teil davon ab, ob das Sondervermögen zusätzlich zum regulären Bundeshaushalt zur Verfügung steht. Daran gibt es aber Zweifel, wie IW-Berechnungen zeigen (siehe “Etikettenschwindel Sondervermögen”).
     
  • Fachkräfte. In Deutschland fehlen in vielen Branchen Fachkräfte, so auch im Bausektor. Fachkräfte werden zudem für die umfangreichen Transformationsaufgaben gebraucht, zum Beispiel für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Engpässe auf der einen oder anderen Seite können die Bauprozesse verlangsamen und damit den jährlichen Klimaeffekt verringern.
     
  • Bürokratie. Regulatorische Hürden und Bürokratie können Bauprojekte teils um Jahre verzögern. Bleiben sie bestehen, sinkt die nachhaltige öffentliche Beschaffung durch die langatmigen Prozesse entsprechend.
     
  • Verfügbarkeit. Zur Herstellung von emissionsarmem Stahl und Zement braucht es grünen Wasserstoff und Verfahren, um CO2 zu binden und zu speichern. Die Politik muss alles daransetzen, dass die Infrastruktur für beides möglichst schnell installiert wird. Verzögerungen führen letztlich zu einem geringeren Angebot an nachhaltigen Baustoffen.

 

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