Bundesregierung pokert bei der Aktivrente hoch
Die Bundesregierung plant, Rentnern ab dem kommenden Jahr einen steuerfreien Hinzuverdienst von bis zu 2.000 Euro je Monat zu ermöglichen. Damit dürften dem Fiskus mehrere Milliarden Euro an Steuern entgehen. Ob die erhoffte positive Arbeitsmarktwirkung eintritt, ist dagegen fraglich.
- Mit der geplanten Aktivrente will die Bundesregierung die Älteren ermutigen, länger zu arbeiten – bis zu 2.000 Euro im Monat sollen sie steuerfrei zur Rente hinzuverdienen können.
- Aller Voraussicht nach wird der deutsche Staat durch die Aktivrente auf Steuereinnahmen von mindestens 2,8 Milliarden Euro jährlich verzichten müssen.
- Ob der erhoffte positive Arbeitsmarkteffekt eintritt, ist dagegen unsicher. Denn viele ältere Menschen arbeiten nicht in erster Linie aus finanziellen Gründen.
Vielen Unternehmen in Deutschland fehlen qualifizierte Mitarbeiter. Junge Menschen, die die Lücken stopfen könnten, gibt es zu wenige, und Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, ist nach wie vor oft mühsam. Die Bundesregierung will daher die Älteren mit der geplanten Aktivrente ermutigen, länger im Arbeitsleben zu bleiben – bis zu 2.000 Euro im Monat sollen sie steuerfrei zu ihrer Rente hinzuverdienen können.
Durch die Aktivrente wird der deutsche Staat voraussichtlich auf Steuereinnahmen in Höhe von mindestens 2,8 Milliarden Euro jährlich verzichten müssten – die erhoffte positive Arbeitsmarktwirkung ist dagegen äußerst ungewiss.
Schon jetzt sind viele Menschen auch im Rentenalter berufstätig. Gewährt der Fiskus ihnen künftig die mit der Aktivrente verbundene Steuerbefreiung, gehen ihm erhebliche Einnahmen verloren. Dies zeigt eine IW-Simulation auf der Basis von Daten für das Jahr 2023 (Grafik):
Ausgehend von der bisherigen Zahl erwerbstätiger Regelaltersrentner, müsste der deutsche Staat durch die Aktivrente auf jährliche Steuereinnahmen in Höhe von mehr als 1,4 Milliarden Euro verzichten.
Dabei bleibt es aber vermutlich nicht. Denn um die Gleichmäßigkeit der Besteuerung zu gewährleisten, wird der Staat wohl auch den Selbstständigen jenseits der Regelaltersgrenze den Freibetrag gewähren müssen. Das würde zu weiteren Steuereinbußen im Umfang von annähernd 1,4 Milliarden Euro pro Jahr führen.
Außerdem diskutiert die Politik darüber, ob auch jene, die nach mindestens 45 Versichertenjahren vor der regulären Altersgrenze in Rente gehen, von der Aktivrente profitieren sollen. Dann würden dem Fiskus zusätzliche 340 Millionen Euro an Steuern entgehen.
Aktivrente könnte lediglich einen teuren Mitnahmeeffekt haben
Die Bundesregierung hofft offenbar darauf, dass die Aktivrente mehr Ältere auf dem Arbeitsmarkt hält und sie höhere Einkommen erzielen als bisher. Die Wirtschaft könnte dann durch weniger unbesetzte Arbeitsplätze und zusätzlichen Konsum profitieren. Doch ob das ausreicht, die fiskalischen Ausfälle zu kompensieren, ist fraglich. Viele ältere Menschen arbeiten vor allem, weil sie aktiv sein und soziale Kontakte bewahren wollen – und nicht aus finanziellen Gründen. Bleibt dies so, hätte die Aktivrente lediglich einen teuren Mitnahmeeffekt.