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Briten brauchen EU-Ausländer

In den Verhandlungen um den britischen EU-Austritt wird das Thema Personenfreizügigkeit zwangsläufig eine große Rolle spielen: Rund 3 Millionen Bürger aus anderen EU-Ländern leben im Vereinigten Königreich – manche Branchen auf der Insel stünden ohne ausländische Arbeitskräfte vor riesigen Problemen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mit dem Brexit steht auch die Arbeitnehmerfreizügigkeit auf dem Spiel.
  • Im Jahr 2015 lebten 3 Millionen EU-Ausländer im Vereinigten Königreich – 2,2 Millionen von ihnen waren erwerbstätig.
  • Besonders das Gastgewerbe und die Industrie Großbritanniens sind auf die Arbeitskräfte aus der EU angewiesen.
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Das Vereinigte Königreich will raus aus der Europäischen Union. Wenn beide Seiten über die Austrittsbedingungen und die künftigen Beziehungen zueinander verhandeln, wird es vor allem um die Personenfreizügigkeit gehen – neben dem freien Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr eine der vier Säulen des EU-Binnenmarkts.

Im Vereinigten Königreich leben 3 Millionen EU-Ausländer – 2,2 Millionen von ihnen sind erwerbstätig.

Viele Brexit-Befürworter wollen, dass ihr Land wieder ganz allein darüber entscheidet, welche ausländischen Staatsangehörige sich im Vereinigten Königreich niederlassen und dort arbeiten dürfen. Immerhin ein Drittel derer, die für den Brexit gestimmt haben, nannten die Einschränkung der Migration als entscheidendes Kriterium für ihr Votum – sie befürchten, dass Migranten den Briten Arbeitsplätze und Wohnraum streitig machen.

Im Jahr 2015 lebten rund 3 Millionen EU-Ausländer im Vereinigten Königreich, darunter mehr als 900.000 Polen und 330.000 Iren.

Insgesamt beträgt der Anteil von EU-Ausländern an der britischen Bevölkerung 4,6 Prozent. Damit ist er deutlich höher als in Frankreich und Italien mit 2,2 beziehungsweise 2,5 Prozent und etwas höher als in Deutschland, das einen Ausländeranteil von 4,3 Prozent hat.

Rund 2,2 Millionen der im Vereinigten Königreich lebenden Zuwanderer aus Europa sind erwerbstätig – und in einigen Branchen schwer zu ersetzen.

So stellen EU-Ausländer mit 311.000 Beschäftigten mehr als 10 Prozent der Belegschaft im Verarbeitenden Gewerbe (Grafik). Im Gastgewerbe liegt ihr Anteil mit rund 14 Prozent noch höher. Und von den Beschäftigten in Privathaushalten stammt sogar mehr als ein Viertel aus einem anderen EU-Staat.

Mit dem Brexit steht die Arbeitnehmerfreizügigkeit auf dem Spiel

Wenn die britische Regierung in den Austrittsverhandlungen beim Thema Migration aus innenpolitischen Gründen einen harten Kurs fährt, werden die übrigen EU-Staaten den britischen Unternehmen im Gegenzug wohl keinen freien Zugang zum gemeinsamen Binnenmarkt gewähren. Die EU dürfte es den britischen Firmen überdies erschweren, geeignete Arbeitskräfte in der Europäischen Union zu rekrutieren. Und schließlich stünde dann auch die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis der rund 1,2 Millionen Briten in anderen EU-Ländern zur Diskussion.

Besonders das britische Gastgewerbe und die Industrie sind auf Arbeitskräfte aus der EU angewiesen.

Für einige britische Branchen könnte das fatale Folgen haben. Bereits im November haben vier Agrarorganisationen und 71 Lebensmittelunternehmen einen offenen Brief an Premierministerin Theresa May geschrieben: Darin unterstreichen sie, wie wichtig der Einsatz ausländischer Arbeitnehmer in ihrem Wirtschaftszweig ist – und forderten die Garantie, dass zumindest jene, die bereits im Vereinigten Königreich arbeiten, dort bleiben dürfen.

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