Grafikstrecke 10.08.2016 Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Brexit - warum eigentlich?

Vieles spricht dafür, dass die Briten mit ihrem Referendum weniger über einen Austritt aus der EU abgestimmt haben – sondern vielmehr ihre Kritik an den prekären Verhältnissen in ihrem Land zum Ausdruck bringen wollten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Viele Briten haben das Gefühl, vom Wohlstand abgehängt zu sein.
  • Bei den meisten Indikatoren, die als Beleg für prekäre Verhältnisse gelten, schneidet Großbritannien schlecht ab.
  • Keine anderen EU-Bürger wissen so wenig über Europa wie die Briten.
Zur detaillierten Fassung

Wenn es stimmt, dass Wahlergebnisse immer etwas mit der wirtschaftlichen Situation eines Landes zu tun haben – „It‘s the economy, stupid!“ – dann muss die Brexit-Entscheidung schon etwas verwundern. Denn die Briten haben derzeit eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa und ein höheres Wirtschaftswachstum als die anderen großen EU-Länder Deutschland, Frankreich und Italien. Doch wie so oft erzählen solche Kennziffern nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich ist Großbritannien eine zutiefst gespaltene Nation. Während es der Region London besonders gut geht – die Hauptstadt trägt immerhin 23 Prozent zum britischen Bruttoinlandsprodukt bei und die Mehrheit der Londoner hat für den Verbleib in der EU gestimmt –, haben viele andere Briten das Gefühl, vom Wohlstand abgehängt zu sein.

Verschiedene Indikatoren gelten in der britischen Bevölkerung als Beleg für die prekären Verhältnisse auf der Insel: die Arbeitslosenquote, Null-Stunden-Verträge oder die Zeitarbeit. Zwar lassen sich die Zeitarbeitswerte der verschiedenen europäischen Länder aufgrund unterschiedlicher Gesetze nicht eins zu eins vergleichen, gleichwohl schneidet das Vereinigte Königreich auch bei diesem Indikator auffallend schlecht ab. Dass es den Briten bei ihrem Votum tatsächlich um den Austritt aus der ach so schlimmen EU ging, ist vor diesem Hintergrund nicht besonders glaubwürdig – zumal viele gar nicht so genau wissen, was es mit Europa überhaupt auf sich hat: Kein anderes Mitgliedsland schneidet beim Wissenstest über die EU so schlecht ab wie Großbritannien – wie die iwd-Grafikstrecke zeigt.

 

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