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Flüchtlinge in Deutschland

Die Diskussion über die Flüchtlingskrise gleicht manchmal einem Blindflug. Das ist durchaus verständlich. Denn oft wissen wir zu wenig über die Menschen, die zu uns kommen. Häufig muss auf ältere Statistiken zurückgegriffen werden, damit man überhaupt eine ungefähre Vorstellung davon bekommt, was Migranten aus bestimmten Regionen können und was zu tun ist, um sie in den Arbeitsmarkt und damit letztlich in die Gesellschaft zu integrieren. Entsprechend schwierig ist es, die Erfolgsaussichten und die Kosten für solche Integrationsbemühungen abzuschätzen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Schulbildung der Flüchtlinge ist oft nur rudimentär.
  • Meist dauert es länger als sieben Jahre, bis ein Großteil der Flüchtlinge einen Job hat.
  • Nicht der Arbeitsmarktbedarf sollte der Maßstab für die Flüchtlingshilfe sein, sondern humanitäre Gesichtspunkte.
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Was aber im Zusammenhang mit den Wanderungsbewegungen auseinandergehalten werden muss und was im politischen Diskurs an Formulierungen gar nicht geht, macht IW-Direktor Michael Hüther deutlich.

Professor Hüther, Sie betonen immer wieder, dass man die Flüchtlingsmigration und die Arbeitsmarktzuwanderung strikt voneinander trennen muss. Warum?

Flüchtlinge kommen nicht zu uns, um unsere Probleme zu lösen. Flüchtlinge kommen, weil sie in ihrer Existenz bedroht sind. Und unsere Aufgabe ist eine humanitäre, nämlich diesen Menschen eine Lebensperspektive zu ermöglichen. Dazu gehört es dann auch, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber noch mal, nicht der Arbeitsmarktbedarf, den wir haben, sollte der Maßstab für unser Handeln sein, sondern humanitäre Gesichtspunkte.

Nicht alle Berechnungen, was Flüchtlinge den Steuerzahler kosten, halten Sie für legitim?

Zunächst mal, ja, es darf auch etwas kosten. Humanitäre Aufgaben kosten. Eine Reihe von Berechnungen geht von 21 bis 26 Milliarden Euro pro Jahr aus. Aber manche Debatte, die wir in unserem Land führen – so nach dem Motto „nach rund sieben Jahren rechnen sie sich“ –, die halte ich ehrlich gesagt für nicht zulässig. Und ich sage das aus innerer Überzeugung: Es gibt keine Rechnung, wann ein Flüchtling aus fiskalischer Sicht eine Daseinsberechtigung hat. Und es sind dann ja auch Rechnungen, die letztlich nicht tragen. Denn wenn es so wäre, dann müsste man die Grenzen öffnen und jeden ins Land holen, weil er sich nach sieben Jahren rechnet.

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