Fairer Handel Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

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Mithilfe des Textilbündnisses soll die Herstellung von Bekleidung in Entwicklungsländern fairer und ökologischer werden. Gefragt sind aber auch die Verbraucher – doch die be­geistern sich für nachhaltig produzierte Mode bislang nur wenig.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bislang begeistern sich nur wenige Menschen für nachhaltig produzierte Mode.
  • Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat ein "Bündnis für nachhaltige Textilien" entwickelt.
  • Auch die EU-Kommission beriet eine Textilinitiative für alle Mitgliedsstaaten vor.
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Als im April 2013 in der Nähe von Dhaka – der Hauptstadt Bangla­deschs – mehr als 1.100 Menschen beim Einsturz einer Textilfabrik ums Leben kamen, war das Entsetzen groß. Rana Plaza, so der Name des neungeschossigen Gebäudes, war mit minderwertigem Material auf ungeeignetem Bauland errichtet worden. Von den rund 2.400 Menschen, die den Einsturz des Gebäudes überlebt haben, werden viele nie mehr arbeiten können, weil ihnen Hände, Arme oder Beine fehlen.

Seit dem Vorfall ist eine ganze Reihe neuer Initiativen und Kontrollgremien zum Schutz der Fabrikarbeiter ins Leben gerufen worden. Eines davon ist das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Das Bündnis, das soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Lieferkette erreichen will, wendet sich an deutsche Produzenten, Händler, Einkäufer, Verbände und Entwicklungsorganisationen. Tatsächlich haben auch fünf deutsche Firmen im Rana Plaza nähen lassen.

Als Minister Müller das Textilbündnis im Oktober 2014 der Öffentlichkeit präsentierte, war es noch recht ambitioniert: Auf 64 Seiten listete der Aktionsplan viele Maßnahmen auf – zum Beispiel existenzsichernde Löhne für die Arbeiter vor Ort, auch den Verzicht auf eine ganze Reihe von umweltschädlichen Stoffen sowie ein Verbot unbezahlter Überstunden und vieles mehr –, und das alles mit strikten Vorgaben und festen Zeitplänen.

Viele Textilhändler fühlten sich damit überfordert und sahen sich nicht in der Lage, die Verantwortung für die Umsetzung entlang der gesamten Lieferkette – allein an der Herstellung eines Oberhemds sind bis zu 140 Firmen beteiligt – zu übernehmen. Von den 60 Unternehmen, Verbänden und Menschenrechtsorganisationen, die an den Gesprächen zum Textilbündnis ursprünglich beteiligt waren, traten deshalb zunächst nur rund 30 bei.

Inzwischen ist die Zahl der Bündnismitglieder auf 151 gestiegen.

Darunter finden sich auch ehemals skeptische Firmen wie Adidas, Aldi oder KiK sowie die großen Branchenverbände. Allerdings hat sich auch der Aktionsplan geändert: So sind die Verpflichtungen für die Bündnismitglieder weicher formuliert, neben sozialen Aspekten und der Umweltfreundlichkeit spielt nun explizit auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle bei der Zielverfolgung.

Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, sprechen sich die Bündnismitglieder außerdem dafür aus, bessere Arbeitsbedingungen in der Textilbranche nicht nur national zu verfolgen, sondern für einheitliche Standards auf europäischer und internationaler Ebene zu sorgen. Die ersten Schritte dazu sind bereits eingeleitet: Die EU-Kommission bereitet derzeit eine Textilinitiative für alle Mitgliedsstaaten vor, ein konkreter Zeitplan ist allerdings noch nicht absehbar.

Vorerst müssen sich die Verbraucher, die fair und nachhaltig produzierte Kleidung kaufen wollen, also selbst informieren. Zum Beispiel auf Portalen wie label-online.de oder dem von Minister Müller angestoßenen siegelklarheit.de. Der Bedarf ist jedoch noch überschaubar: Zwar wachsen die Umsätze im fairen Handel kontinuierlich (Grafik), im Durchschnitt gaben Verbraucher in Deutschland 2014 pro Kopf aber lediglich 13 Euro für fair gehandelte Produkte aus – und davon wiederum nur 1,04 Euro für Textilien.

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