Bildung 19.08.2016 Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Bildung – der Schlüssel zur Flüchtlings-Integration

Für eine reibungslose Integration von Flüchtlingen ist der Erwerb von Deutschkenntnissen zwar eine wichtige Grundlage, reicht aber allein nicht aus. Vielmehr bedarf es einer ganzen Reihe an Maßnahmen - und die kosten Geld: Allein im Jahr 2017 müsste der Staat nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) 3,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ein Viertel der erwachsenen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, hat höchstens eine Grundschule besucht.
  • Für die Integration sind neben Deutsch-Sprachkursen auch Kitaplätze, Schulplätze und Angebote für Flüchtlinge, die eine Ausbildung machen oder studieren wollen, notwendig.
  • Der deutsche Staat müsste für die Bildung der Flüchtlinge nach Berechnungen des IW Köln allein im Jahr 2017 rund 3,5 Milliarden Euro aufbringen.
Zur detaillierten Fassung

Die meisten erwachsenen Flüchtlinge kommen mit einem niedrigen Qualifikationsniveau nach Deutschland – rund ein Viertel von ihnen hat höchstens eine Grundschule besucht. Diesen Menschen fehlen also – neben den Sprachkenntnissen - die notwendigen Grundfähigkeiten, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. In diesen Fällen sind gezielte Maßnahmen zur Alphabetisierung und Grundbildung notwendig. Haben die erwachsenen Flüchtlinge dann ein entsprechendes Bildungs- und Sprachniveau erreicht, brauchen sie weitere Qualifizierungsmaßnahmen, etwa eine betriebliche Ausbildung.

Rund ein Drittel der Flüchtlinge ist noch minderjährig und muss ins reguläre deutsche Bildungssystem integriert werden, sodass auch hier gezielte Integrationsmaßnahmen notwendig sind.

Leichter in den Arbeitsmarkt

Immer mehr Flüchtlinge dürfen in Deutschland arbeiten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen aus den vier Hauptherkunftsländern Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea ist von 35.000 im Januar 2014 auf 53.000 im März 2016 gestiegen. Allerdings arbeiten die meisten von ihnen lediglich als Helfer.

Dass sich viele Flüchtlinge schwer tun, eine Arbeitsstelle zu finden, schreiben die Unternehmer vor allem den fehlenden Deutschkenntnissen und unzureichenden Qualifikationen zu. Aber auch aufenthaltsrechtliche Restriktionen für Asylbewerber und Geduldete sind ein Hindernis. Vor diesem Hintergrund ist die Aussetzung der Vorrangprüfung in Bezirken mit günstiger Arbeitsmarktlage ein erster Schritt, der aber unbedingt auf das ganze Land ausgedehnt werden sollte. Dazu müssten die Asylverfahren beschleunigt werden, um möglichst schnell Planungssicherheit für den Flüchtling und das einstellende Unternehmen zu schaffen.

Bildungssystem muss durchlässiger sein

Die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Es spielt nicht mehr eine so große Rolle, aus welcher sozialen Schicht man kommt, um gute Bildungsergebnisse zu erzielen. Dennoch ist in allen Bereichen - von der frühkindlichen Bildung über die Schulen und die betriebliche Ausbildung bis hin zum Studium – noch viel zu tun, um die Herausforderung der Bildungsintegration von Flüchtlingen zu meistern.

Mehr frühkindliche Bildung

Wer eine Kindertageseinrichtung besucht hat, dem fällt die Schullaufbahn deutlich leichter – das gilt insbesondere für Kinder aus bildungsfernen und nicht deutschsprachigen Familien. Daher sollten möglichst viele Flüchtlingskinder im entsprechenden Alter eine Kita oder einen Kindergarten besuchen. Im kommenden Jahr werden dafür zusätzlich 98.500 Plätze in Kindertageseinrichtungen benötigt – in gemischten Gruppen mit Deutsch als Umgangssprache und Erziehern, die sich im Umgang mit Kindern aus anderen Kulturkreisen auskennen.

Bessere Förderung in der Schule

Die Karriereperspektiven junger Flüchtlinge hängen maßgeblich davon ab, wie gut sie die Schule meistern. Da die meisten Flüchtlingskinder keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnissen haben, müssen sie intensiv auf den Schulalltag vorbereitet werden, damit sie dem regulären Unterricht folgen können. Ziel muss es sein, die Flüchtlingskinder möglichst schnell in die Regelklassen zu integrieren. Dazu bedarf es auch einer gezielten Vorbereitung der Lehrer, vor allem im Unterrichtsfach „Deutsch als Fremdsprache“.

Ausbildung bewerben

Eine betriebliche Ausbildung bietet jungen Flüchtlingen gute Beschäftigungsperspektiven. In den Bundesländern gibt es inzwischen zahlreiche Initiativen zur Ausbildungsvorbereitung, die weiterentwickelt und bei erfolgreichen Modellen übertragen und verstetigt werden sollten.

Leichter an die Uni

Manche Flüchtlinge haben eine Hochschulzugangsberechtigung oder können diese in Deutschland erwerben. Eine Internationalisierungsstrategie würde ihnen ein Studium erleichtern – angefangen bei Sprachkursen, Instrumenten zur Überprüfung der Studierfähigkeit und einem Ausbau von Online-Kursen bis hin zu einem gleitenden Übergang ins Studium als Gasthörer.

Auf die Regionen verteilen

Die Integrationschancen und Arbeitsmöglichkeiten sind nicht überall in Deutschland gleich. Nach ersten Erfahrungen orientieren sich Flüchtlinge aber nicht überwiegend an Arbeitsmarkt- und Ausbildungsperspektiven, wenn sie ein neues Zuhause suchen. Vor diesem Hintergrund kann die beschlossene Wohnsitzauflage helfen, die regionale Verteilung der Flüchtlinge besser an den Integrationsperspektiven am Arbeitsmarkt, an den Ausbildungskapazitäten und den Aufnahmemöglichkeiten der Schulen auszurichten.

Viele Maßnahmen nötig – und die sind nicht kostenlos

All diese Maßnahmen kosten Geld – rund 3,5 Milliarden Euro pro Jahr, wie das IW Köln berechnet hat. Diese zusätzlichen Bildungsausgaben können allerdings bereits in wenigen Jahren durch geringere Ausgaben bei Sozialleistungen sowie höhere Steuereinnahmen und Sozialabgaben mehr als ausgeglichen werden. Allerdings können diese zusätzlichen Bildungsausgaben bereits in wenigen Jahren durch geringere Ausgaben bei Sozialleistungen sowie höhere Steuereinnahmen und Sozialabgaben mehr als ausgeglichen werden. Langfristig können vor allem die Investitionen in die Bildung der Kinder zudem helfen, die Fachkräfteengpässe zu mildern - und sich damit auch positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland auswirken. Aus ethischer Sicht sind Bildungsinvestitionen ohnehin ein Muss, da sie den Flüchtlingen eine vollwertige Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ermöglichen.

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