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Viele Jahre lang war die Bundesrepublik für Fachkräfte aus dem Ausland wenig attraktiv. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht. Im vergangenen Jahr kamen 370.000 Menschen mehr nach Deutschland, als wegzogen. Die meisten Zuwanderer sind gut ausgebildet und gehen hierzulande einem Beruf nach, für den es zu wenige heimische Fachkräfte gibt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im vergangenen Jahr kamen 370.000 Menschen mehr nach Deutschland, als wegzogen - die meisten Zuwanderer sind gut ausgebildet und füllen die Fachkräftelücke.
  • Im Jahr 2025 dürften dem deutschen Arbeitsmarkt rund 6 Millionen Erwerbspersonen weniger zur Verfügung stehen als heute – sofern nicht aktiv gegengesteuert wird.
  • Zwischen 2009 und 2012 erhöhte sich die Zahl der Deutschlerner an den Goethe-Instituten um 19 Prozent auf insgesamt knapp 247.000.
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Viele Betriebe und Institutionen in Deutschland suchen händeringend Arbeitskräfte: Zurzeit fehlen ein paar Tausend Lehrer, 30.000 Pfleger und rund 40.000 Ingenieure. Auch Ärzte, Erzieher, Mechaniker und Informatiker sind vielerorts knapp. Das Nachwuchsproblem ist offenkundig: Die seit drei Jahrzehnten niedrige Geburtenrate – rein statistisch bekommt jede Frau in Deutschland im Durchschnitt nur 1,3 bis 1,4 Kinder – führt dazu, dass die Zahl der Erwerbstätigen sukzessive sinkt:

Im Jahr 2025 dürften dem deutschen Arbeitsmarkt rund 6 Millionen Erwerbspersonen weniger zur Verfügung stehen als heute – sofern nicht aktiv gegengesteuert wird.

Auch wenn in den kommenden Jahren mehr Frauen und ältere Menschen Vollzeit arbeiten sollten, reicht das nicht aus, um die heimische Wirtschaft in Schwung zu halten.

Um die Fachkräftelücke zu schließen, ist Deutschland deshalb auf qualifizierte Zuwanderer angewiesen. Die hohe Arbeitslosigkeit in anderen EU-Ländern sowie die jüngsten Reformen im deutschen Zuwanderungsrecht haben bereits dazu geführt, dass mittlerweile wieder deutlich mehr Menschen die Bundesrepublik zu ihrer neuen Wahlheimat machen (Grafik):

Im Jahr 2012 kamen fast 1,1 Millionen – abzüglich der 700.000 Auswanderer gewann Deutschland also knapp 370.000 Bürger hinzu.

So eine hohe Nettozuwanderung gab es zuletzt im Jahr 1995.

Es ist vor allem die gute Wirtschaftslage, die Deutschland für internationale Fachkräfte derzeit so attraktiv macht. Hier gibt es die Jobs, die in Spanien, Griechenland und Italien gerade nicht zu haben sind. In den Euro-Krisenländern ist die Arbeitslosenquote aktuell vier- bis fünfmal so hoch wie in Deutschland, vor allem viele Jugendliche in Südeuropa sehen für ihr Berufsleben in der Heimat schwarz.

Kein Wunder also, dass die Zuwanderung von EU-Bürgern aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sprunghaft gestiegen ist: Allein von 2011 bis 2012 legte sie zwischen 40 und 45 Prozent zu.

Das Gros der Einwanderer kommt allerdings aus dem Osten: Allein aus Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei, Estland, Lettland, Litauen und Slowenien kamen 2012 netto rund 117.000 Menschen in die Bundesrepublik. Diese Einwanderer profitieren seit Mai 2011 von der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union, die EU-Bürgern das Recht einräumt, in alle Mitgliedsstaaten zu ziehen und dort ohne Einschränkung zu arbeiten.

Anders als in den 1950er und 1960er Jahren ist die neue Generation der Migranten gut ausgebildet. Zuletzt hatte nahezu jeder vierte Einwanderer aus Osteuropa ein Hochschulzeugnis im Gepäck, die Akademikerquote unter den Neuankömmlingen aus den EU-14-Ländern betrug zwischen 2000 und 2010 laut Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration sogar 45 Prozent. Diese Einwanderer-Elite spricht mehrere Sprachen, immer öfter auch Deutsch. Dazu beigetragen haben sicherlich auch die Goethe-Institute (Grafik):

Zwischen 2009 und 2012 erhöhte sich die Zahl der Deutschlerner an den Goethe-Instituten um 19 Prozent auf insgesamt knapp 247.000.

Besonders groß ist der Andrang in Südwesteuropa. Dort verzeichneten die Goethe-Institute im selben Zeitraum ein Teilnehmerplus von 42 Prozent. Kein Wunder: Deutschkenntnisse sind für einen erfolgreichen Start auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sehr wichtig. Wer etwa mit einem ausländischen Berufsabschluss in der Pflege arbeiten will, kommt ohne Deutsch nicht weit.

Zurzeit stammen knapp zwei Drittel der Zuwanderer aus der EU. Deutschland bemüht sich darüber hinaus aber auch gezielt um qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten. Im August 2012 führte die Bundesregierung die sogenannte Blaue Karte ein, die Akademikern von außerhalb der EU den Zutritt zum deutschen Arbeitsmarkt erheblich erleichtert: Sobald Uni-Absolventen eine Stellenzusage mit einem Jahresgehalt von mindestens 46.400 Euro nachweisen können, dürfen sie in die Bundesrepublik einreisen; bei Berufen mit großer Fachkräftelücke beträgt die Einkommensgrenze sogar nur 36.192 Euro.

Zwischen August 2012 und Januar 2013 stellte die Bundesregierung mehr als 4.100 Blaue Karten aus. Die meisten gingen an Fachkräfte aus Indien, China, Russland und den Vereinigten Staaten.

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