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Bewerber gesucht

Noch nie haben so wenige junge Menschen in Deutschland eine Ausbildung begonnen wie 2012. Kein Wunder: Einerseits gibt es immer weniger Schulabgänger, andererseits entscheiden sich mehr und mehr Jugendliche für ein Studium.

Kernaussagen in Kürze:
  • Noch nie haben so wenige junge Menschen in Deutschland eine Ausbildung begonnen wie 2012.
  • Ende September 2012 konnten 15.600 unversorgte Ausbildungsbewerber aus rund 33.200 unbesetzten Ausbildungsstellen wählen.
  • Zwischen 2003 und 2011 ging die Zahl dieser Schulabgänger um mehr als 19 Prozent zurück.
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Der demografische Wandel sowie die zunehmende Studierneigung machen den ausbildenden Unternehmen gehörig zu schaffen: Zwei Drittel der 2012 im Qualifizierungsmonitor des Bundeswirtschaftsministeriums befragten Betriebe gaben an, in den vorangegangenen zwölf 
Monaten Schwierigkeiten gehabt zu haben, Auszubildende zu finden. Besonders betroffen sind kleine Firmen mit höchstens neun Beschäftigten – mehr als 30 Prozent von ihnen hatten bei der Besetzung der Ausbildungsplätze „große Probleme“; von den Großunternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten beklagten das nur 4 Prozent.

Längst ist der Ausbildungsmarkt in Deutschland ein Bewerbermarkt, auf dem die jungen Leute am längeren Hebel sitzen:

Ende September 2012 konnten 15.600 unversorgte Ausbildungsbewerber aus rund 33.200 unbesetzten Ausbildungsstellen wählen.

Dass der Bewerberpool kleiner wird, zeigt auch die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge: Im vergangenen Jahr haben nur knapp 550.000 junge Menschen eine Ausbildung in Deutschland angefangen, das waren 17.700 weniger als 2011. Die Ausbildungszahlen gehen seit der Jahrtausendwende zurück: Im Jahr 1999 begannen noch mehr als 630.000 junge Frauen und Männer eine Lehre.

Dass es derzeit so wenige Auszubildende gibt, hat im Wesentlichen zwei Ursachen. Zum einen sind die Schülerzahlen seit Jahren rückläufig: Allein von 2010 auf 2011 sank die Zahl der Schulabgänger ohne Studienberechtigung um mehr als 4 Prozent, in Ostdeutschland betrug der Rückgang sogar fast 6 Prozent. Der klassische Lehrlingspool, nämlich Haupt- und Realschüler, schrumpft also. Zwischen 2003 und 2011 ging die Zahl dieser Schulabgänger sogar um mehr als 19 Prozent zurück.

Zum anderen zeigen auch die Abi­turienten wenig Neigung, die Azubi-Lücke zu füllen: Jeder zweite Schulabgänger mit Studienberechtigung entscheidet sich heute für ein Hochschulstudium. Im Jahr 2000 tat dies nur jeder Dritte.

Dabei sind die Ausbildungsvergütungen im vergangenen Jahr in vielen Berufen deutlich gestiegen (Grafik). Mehr und mehr Unternehmen sind überdies bereit, auch leistungsschwächere Jugendliche unter Vertrag zu nehmen: Rund 44 Prozent der Betriebe tun das bereits, weitere 22 Prozent planen oder erwägen es.

Unternehmen, die Hilfestellung und Tipps bei der Rekrutierung von Auszubildenden suchen, werden fündig unter: www.fachkraeftesichern.de

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