Bevölkerung und Unternehmen stehen Megatrends meist positiv gegenüber
Megatrends wie die Digitalisierung, der demografische Wandel, die Rückkehr des Protektionismus sowie der klimafreundliche Umbau der Wirtschaft stellen Deutschland vor große Herausforderungen. Dennoch sind sowohl die Bundesbürger als auch die Unternehmen mit Blick auf die zukunftsrelevanten Themen überwiegend optimistisch.
- Die Bürger und die Unternehmen in Deutschland stehen den großen Trends sowie den in diesem Kontext unterbreiteten politischen Lösungsansätzen trotz aller Probleme recht positiv gegenüber.
- Beispielsweise sehen fast 60 Prozent der Unternehmen, aber auch gut 50 Prozent der Bundesbürger die Fachkräftezuwanderung als Chance für Deutschland.
- Zwiegespalten ist vor allem die Wirtschaft dagegen beim Thema klimaneutrale Transformation. Hier muss die Politik unter anderem für einen verlässlichen Investitionsrahmen sorgen.
„Es reicht“ – dies dürfte vielen Menschen in Deutschland angesichts der rasanten politischen und wirtschaftlichen Veränderungen zuletzt durch den Kopf gegangen sein. Umso hoffnungsvoller stimmen die Ergebnisse zweier IW-Befragungen. Sie zeigen, dass die Bürger und die Unternehmen den großen Trends sowie den politischen Lösungsansätzen trotz aller Probleme recht positiv gegenüberstehen. Im Einzelnen:
Digitaler Wandel. Die Digitalisierung gewinnt durch künstliche Intelligenz (KI) enorm an Fahrt. Damit ergibt sich ein großes Produktivitätspotenzial in den Unternehmen – auf der anderen Seite macht KI manche Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze überflüssig. Die vom IW Befragten sehen allerdings eher die Vorteile (Grafik):
Rund 66 Prozent der Bundesbürger halten den digitalen Wandel überwiegend für eine Chance, von den Unternehmen tun dies sogar fast 72 Prozent.
Nur 11 beziehungsweise 13 Prozent beurteilen die Digitalisierung eher als Risiko.
Trotz der damit verbundenen Herausforderugen betrachten Bundesbürger und Unternehmen Trends wie den digitalen oder den demografischen Wandel sowie die Transformation der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität überwiegend als Chance.
Differenziert nach den politischen Haltungen der Bevölkerung stechen allein die AfD-Anhänger heraus: Von ihnen sieht mehr als jeder Fünfte die Digitalisierung kritisch.
Demografischer Wandel und Fachkräftezuwanderung. Weil die Babyboomer nach und nach in Rente gehen und zu wenige Junge in den Arbeitsmarkt nachrücken, verschärft sich der Fachkräftemangel. Ein Weg, ihn zu lindern, ist, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Auch wenn nach wie vor rechtliche Hürden bestehen und die Anerkennungsverfahren komplex sind, lohnt sich der Aufwand in den Augen der meisten Firmen:
Fast 60 Prozent der Unternehmen sehen in der Fachkräftezuwanderung eine Chance für Deutschland.
Wie es die polarisierten Debatten über das Thema Migration vermuten lassen, sind die Bundesbürger etwas skeptischer. Dennoch bewertet jeder zweite Befragte den Zuzug ausländischer Fachkräfte als positiv, nur knapp jeder Vierte empfindet diesen als Risiko. Dabei kommt es allerdings stark auf die politische Positionierung an: Von den AfD-Anhängern halten knapp 59 Prozent die Fachkräftezuwanderung für ein Risiko – von den Parteigängern der Grünen dagegen nur gut 3 Prozent.
Freihandelsabkommen. Hier gehen die Einschätzungen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft am stärksten auseinander. Wohl nicht zuletzt, um den von US-Präsident Donald Trump befeuerten protektionistischen Tendenzen etwas entgegenzusetzen und damit das deutsche Exportmodell zu stützen, halten nahezu zwei Drittel der Unternehmen den Abschluss neuer Freihandelsabkommen für eine Chance.
In der Bevölkerung liegt dieser Anteil nur bei gut 47 Prozent. Allerdings ist dieser Wert bemerkenswert hoch, schaut man auf die heftigen Proteste zurück, die es vor rund zehn Jahren gegen das damals geplante europäisch-amerikanische Handelsabkommen TTIP gab.
Transformation der Wirtschaft. Das Ziel Deutschlands, bis 2045 klimaneutral zu werden, bedeutet für viele Unternehmen umfassende und teure Umstrukturierungen. Auch für die privaten Haushalte werden sich die steigenden CO2-Preise in den Wohn- und Mobilitätskosten niederschlagen. Zugleich ist den Menschen die Bedrohung durch den Klimawandel bewusst, sodass der grundlegende klimapolitische Kurs der Bundesregierung auf viel Zustimmung stößt.
Die klimapolitische Transformation ist also wichtig, aber nicht kostenlos. Diese Tatsache führt vermutlich dazu, dass zwar knapp 43 Prozent der Bevölkerung in dem Umbau eine Chance sehen, aber gut 24 Prozent ihn eher als Risiko betrachten. Absolut in der Mehrheit sind die Skeptiker mit 55 Prozent allerdings nur unter den AfD-Sympathisanten.
Deutsche Wirtschaft ist bei der klimaneutralen Transformation zwiegespalten
Noch deutlicher ist der Zwiespalt in der Wirtschaft:
Gut 38 Prozent der Unternehmen nehmen die Transformation als Chance wahr – die Gruppe derer, die vor allem das Risiko im Blick haben, ist mit rund 36 Prozent kaum kleiner.
Mittelgroße und große Firmen sehen sogar überwiegend die mögliche negative Seite der Transformationsmedaille. Die Politik sollte demzufolge den Unternehmen für ihre Investitionen in die Klimaneutralität verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Außerdem gilt es, die gesellschaftliche Akzeptanz für die unabwendbaren Kosten des Klimaschutzes zu fördern – beispielsweise indem der Staat den Weg weist, wie diese Kosten gerecht verteilt werden können.