Kinder- und Jugendhilfe Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Berlin gibt am meisten aus

An Hort- und Heimplätzen sollte zwar nicht gespart werden, aber die Frage nach den Kosten muss erlaubt sein: Denn die Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe unterscheiden sich zwischen den Bundesländern eklatant.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Berlin waren die Kosten pro Person für die Kinder- und Jugendhilfe im Jahr 2013 am höchsten.
  • Ein Heimplatz in Nordrhein-Westfalen kostet pro Jahr fast 36.000 Euro.
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Bundesweit betrugen die Ausgaben im Jahr 2013 für Jugendarbeit, Familienfreizeiten, Erziehungsberatung, Heimunterbringung sowie für Krippen, Kindergärten und was sonst noch alles zur Kinder- und Jugendhilfe zählt, 35,5 Milliarden Euro. Auch wenn die Kosten für die Kinder- und Jugendhilfe damit innerhalb von zehn Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen sind, ist dieses Geld gut angelegt, schließlich kommen die Maßnahmen in der Regel sozial benachteiligten Kindern zugute und erhöhen damit die Chancengerechtigkeit.

Was aber stutzig macht, ist das starke Gefälle der Ausgaben für die Kinder- und Jugendarbeit zwischen den einzelnen Ländern (Grafik):

Mit 3.900 Euro pro Minderjährigen waren die Kosten für die Kinder- und Jugendhilfe 2013 in Berlin am höchsten, Schleswig-Holstein und Niedersachsen kamen mit rund 2.200 Euro aus.

Diese Diskrepanz setzt sich auch in den Einzelleistungen fort: Thüringen etwa gab 2013 knapp 25.000 Euro pro Heimplatz aus, Nordrhein-Westfalen fast 36.000 Euro.

Ob aber ein Heim in Köln besser ist als eins in Erfurt, kann niemand beurteilen. Denn für die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe gibt es keine regelmäßige flächendeckende Evaluation. Hinzu kommt, dass es schwierig zu beurteilen ist, wie sich ein Kind ohne eine Beratungsmaßnahme oder eine Pflegefamilie weiterentwickelt hätte.

Gleichwohl gibt es mögliche Erklärungen für die Ausgabendifferenzen der Bundesländer – zum Teil hängen diese mit der Organisation der Kinder- und Jugendhilfe zusammen. Im Jugendhilfeausschuss beispielsweise, der bei den örtlichen Jugendämtern angesiedelt ist, haben die Repräsentanten der freien Träger – also Jugend- und Wohlfahrtsverbände, Religionsgemeinschaften und Vereine – teilweise auch Stimmrechte. Sie können demzufolge Entscheidungen beeinflussen, die ihnen als Träger selbst viele Aufträge bescheren – zum Beispiel wenn es um die stationäre Unterbringung von Kindern geht.

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