Bereitschaft zu längeren Arbeitszeiten grundsätzlich hoch
In der Öffentlichkeit wirkt es oft so, als würden die Beschäftigten in Deutschland mehrheitlich gern ihre Arbeitszeit verkürzen. Eine neue IW-Befragung zeigt allerdings, dass sich die meisten sogar längere Arbeitszeiten vorstellen können. Dafür setzen sie aber gewisse Bedingungen voraus.
- 77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland können sich eine längere Arbeitszeit grundsätzlich vorstellen.
- Die meisten knüpfen ihre Offenheit zur Mehrarbeit jedoch an eine oder mehrere Bedingungen wie eine niedrigere Belastung durch Steuern und Sozialabgaben oder größere Arbeitsflexibilität.
- Gefragt ist nun die Politik, da sie wichtige Voraussetzungen für eine längere Arbeitszeit durch den gesetzlichen Rahmen bestimmt.
Geburtenstarke Jahrgänge raus, geburtenschwache rein – der demografische Wandel belastet den deutschen Arbeitsmarkt. Allein in der laufenden Legislaturperiode werden rund zwei Millionen Menschen mehr das Rentenalter erreichen als in das Erwerbsleben hineinwachsen.
Eine Maßnahme, um dem entgegenzuwirken, ist ein höheres Jahresarbeitsvolumen, sprich: eine Verlängerung der individuellen Arbeitszeit. Bislang entstand in der öffentlichen Diskussion oft der Eindruck, die Beschäftigten in Deutschland würden lieber weniger als mehr arbeiten, Teilzeitkräfte höchstens etwas mehr. Die Arbeitszeitwünsche wurden dabei stets unter den aktuellen Rahmenbedingungen abgefragt.
Rund drei Viertel der Beschäftigten können sich eine längere Arbeitszeit grundsätzlich vorstellen. Die meisten knüpfen ihre eventuelle Mehrarbeit jedoch an Bedingungen wie eine niedrigere Belastung durch Steuern und Sozialabgaben.
Das IW ist nun in seiner Beschäftigtenbefragung einen anderen Weg gegangen und hat die Erwerbstätigen nach den Voraussetzungen für eine längere Arbeitszeit gefragt. Ein erstes allgemeines Ergebnis zeigt (Grafik):
77 Prozent der Beschäftigten können sich eine längere Arbeitszeit grundsätzlich vorstellen.
Dieser Befund gilt für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte gleichermaßen. Die Bereitschaft, länger zu arbeiten, ist zudem weitgehend unabhängig vom Geschlecht, der Branche oder der beruflichen Qualifikation.
Politik kann Voraussetzungen für längere Arbeitszeiten durch gesetzlichen Rahmen bestimmen
Die meisten knüpfen ihre Offenheit zur Mehrarbeit jedoch an eine oder mehrere Bedingungen. Eine wesentliche Voraussetzung für längere Arbeitszeiten wäre für 72 Prozent der Befragten eine niedrigere Belastung durch Steuern und Sozialabgaben.
Arbeitsflexibilität ist der zweite große Hebel. So wünschen sich 57 Prozent, mehr im Homeoffice arbeiten zu können, 55 Prozent würden gerne ihre Arbeitszeit flexibler gestalten. Unternehmen können hierbei unterstützen und individuelle Entfaltungsräume schaffen. Außerdem würde eine flexiblere gesetzliche tägliche Höchstarbeitszeit, wie es die Bundesregierung laut ihres Koalitionsvertrags plant, den Wunsch der Beschäftigten unterstützen.
Die IW-Studie zeigt, dass es in Deutschland durchaus größeres Potenzial für längere Arbeitszeiten gibt. Gefragt ist in erster Linie die Politik, da sie wichtige Voraussetzungen für eine längere Arbeitszeit durch den gesetzlichen Rahmen bestimmt.